Börsenkandidaten schöpfen allmählich wieder Mut
Langsame Fahrt voraus am Markt für Neuemissionen

23.05.2001. Es geht aufwärts. Zwar nicht steil - aber immerhin sind im lange Zeit brachliegenden Geschäft mit Börsengängen endlich wieder Erfolge zu vermelden. Für den ersten Lichtblick seit mehreren Monaten sorgte der britische Nachrichten- und Informationskonzern Reuters mit der erfolgreichen Platzierung seiner Tochter Instinet in den USA.

Die spanische Modegruppe Inditex hatte ebenfalls keinerlei Schwierigkeiten, die Anleger von ihrer Börsenstory zu überzeugen und einen Ausgabekurs am oberen Rand der Preisspanne durchzusetzen. Allein die ausländischen Investoren haben diese Emission 53fach überzeichnet.

Zwei gute Nachrichten, die der Markt nach dem völlig verhagelten ersten Quartal bitter nötig hat. Von Januar bis März 2001 kamen in Europa gerade einmal neue Aktien im Wert von neun Milliarden Dollar an den Markt - das schlechteste Ergebnis seit fünf Jahren. Im zweiten Quartal sollen es jetzt immerhin 15 Milliarden werden.

Mit dem norwegischen Ölriesen Statoil, dem italienischen Luxuskonzern Prada und dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport stehen in den kommenden Wochen gleich eine ganze Reihe von Milliarden-Emissionen auf dem Programm. Und neben Fraport wollen bis Ende Juni sieben weitere deutsche Unternehmen den Sprung an die Börse wagen. Der neu gewonnene Mut der Emittenten kommt nicht von ungefähr. Inzwischen hat sich die Lage an den Aktienmärkten stabilisiert. Genug Geld für Investitionen in Börsenneulinge ist ebenfalls vorhanden. Gerade die großen Fonds und Vermögensverwalter haben reichlich Liquidität angehäuft, für die sie jetzt gute Anlagemöglichkeiten suchen.

Dennoch bleiben eine ganze Reihe von Unbekannten: Zwar ist die Mehrheit der Analysten und Investoren überzeugt, dass der Boden an den Börsen gefunden ist. Doch die Stimmung ist noch immer labil. Sollten sich die Experten täuschen, wäre die zaghafte Erholung am Emissionsmarkt genau so schnell vorüber, wie sie begonnen hat. Einen zweiten Unsicherheitsfaktor stellen die Privatanleger dar. Die haben sich im vergangenen Jahr heftig die Finger verbrannt. Im Moment weiß wohl niemand, ob und wie stark sich die Privaten wieder für Börsengänge begeistern lassen. Ohne die Gunst der Kleinanleger lässt sich aber eine größere Aktienemission kaum erfolgreich am Markt unterbringen.

Solange die Lage so undurchsichtig bleibt, werden sich die Profis weiter auf Titel mit Historie, erprobtem Geschäftsmodell, erfahrenem Management und vor allem schwarzen Zahlen in der Gewinn- und Verlustrechung konzentrieren. Für diese konservative Haltung spricht auch, dass nur drei der acht avisierten deutschen Neuemissionen an den Neuen Markt streben. An der Frankfurter Wachstumsbörse müssen die Kurse erst noch weiter steigen, bevor sich mehr Aspiranten aus der Deckung wagen. Aber selbst dann werden nur Unternehmen, die gute Qualität zu günstigen Preisen bieten, Chancen auf einen gelungenen Börsengang haben. Einige Analysten prognostizieren, dass es bis Ende 2001 nur noch 20 deutsche Unternehmen an die Börse schaffen. Einige mehr könnten es schon werden. Doch die vorsichtige Schätzung zeigt, wie falsch es wäre, jetzt auf einen Neuemissionsboom zu setzen.

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