Börsennotiertes Handelsunternehmen will seine Regiebetriebe abgeben
Spar trennt sich von Intermarché-Märkten

Doch die Privatisierung der Geschäfte bereitet Probleme: Denn die Geschäftsführer scheuen eine Übernahme, da sich die Einzelhandelskonjunktur nicht aufhellt.

lip HAMBURG. Von seinem Motorrad-Umfall in den Schweizer Bergen hat sich Fritz Amman, Vorstandsvorsitzender der Spar Handels-AG, erholt. Sein gebrochener Arm ist inzwischen verheilt. Dagegen hat sich die Lage bei dem defizitären Handelsriesen offenbar weiter verschlechtert. So will sich der Konzernchef nun so schnell wie möglich von den 150 Verbrauchermärkten trennen, die bereits auf das neue "Intermarché"-Konzept umgestellt wurden. Amman will damit die Verschuldung des Handelsriesen mit 24 000 Mitarbeitern weiter drücken.

Wie das Handelsblatt erfuhr, haben die kreditfinanzierenden Banken dies offenbar zur Bedingung gemacht, um eine weitere Finanzierung des Lebensmittelkonzerns zu gewährleisten. Am Dienstag hatte eine Betriebsversammlung zu diesem Thema in der Konzernzentrale der Intermarché-Tochter Spar in Schenefeld bei Hamburg stattgefunden. Danach sollen die bereits umgerüsteten Verbrauchermärkte vorrangig an die Geschäftsführer veräußert werden. "Wir wollen die Intermarché-Märkte mittelfristig komplett privatisieren und in den selbstständigen Einzelhandel überführen", erklärte eine Spar-Sprecherin auf Anfrage des Handelsblatts. Damit konzentriert sich der Spar-Konzern nur noch auf den Großhandel mit der Belieferung des selbstständigen Einzelhandels (SEH) sowie die Discount-Schiene "Netto".

Doch eine rasche Privatisierung der Intermarché-Märkte dürfte dem Spar-Vorstand erhebliche Probleme bereiten: Denn vielen Geschäftsführern fehlt das notwendige Kapital, um die Läden zu übernehmen. Sie scheuen zudem die Risiken, da sich die deutsche Einzelhandelskonjunktur nicht aufhellt, heißt es aus Kreisen des Betriebsrats. So ist der Umsatz bei den Verbrauchermärkten der Spar im 1. Halbjahr 2002 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum von 672 auf 602 Mill. Euro gesunken.

Weiterhin unklar ist auch die Lage bei den restlichen rund 200 Märkten des Konzerns (Eurospar), die nicht auf das modernere Intermarché-Konzept umgestellt werden sollen. Hier sucht das Handelsunternehmen seit Monaten für das Gros der Märkte nach Käufern. Doch viele Konkurrenten, darunter Edeka und Rewe, winken offenbar ab. "Wir wollen die Märkte entweder verkaufen, stilllegen oder privatisieren", erklärt eine Spar-Sprecherin. Ob demnächst mit entsprechenden Vertragsabschlüssen zu rechnen ist, will sie jedoch nicht sagen. Damit ist das Sanierungskonzept des Spar-Vorstands offenbar gescheitert. Es sah ursprünglich die Modernisierung aller 350 Märkte vor. Danach sollten die Geschäfte nach dem Konzept umgerüstet werden, das der Spar-Mutterkonzern Intermarché S.A. in Frankreich betreibt. Dort verfügen die Verbrauchermärkte über einen größeres Sortiment an Frischeprodukte und preiswerteren Handelsmarken.

Dass der Umbau der Eurospar-Märkte nicht wie geplant umgesetzt wurde, hat mehrere Gründe. So war der Umsatz vieler Eurospar-Märkte nicht ausreichend, um die Standorte langfristig in die Gewinnzone zu bringen. Zudem fehlte dem Spar-Konzern das notwendige Kapital, um die Umrüstung zu finanzieren. Denn der Pariser Mutterkonzern zögerte immer wieder, frisches Geld in die angeschlagene Tochterfirma zu investieren. Ob der Spar-Vorstand nun wie geplant im 4. Quartal 2002 operativ wieder in die Gewinnzone zurückkehren kann, ist hingegen offen. Denn sollte Amman die Intermarché-Geschäfte nicht rasch privatisieren, kann er die hohe Verschuldung des Konzerns nicht drücken, um das Zinsergebnis zu verbessern. Auf der anderen Seite fehlt dem Manager die finanzielle Puste, um eine schnelle Stilllegung unrentabler Standorte umzusetzen.

Quelle: Handelsblatt

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