Börsennotiertes Unternehmen, das mit der University of Phoenix (UOP) die größte Privatuni in den USA betreibt
Noch weit entfernt von göttlich

Die Apollo Group hat eine private Fachhochschule in Deutschland gegründet. In den USA genießt das börsennotierte Unternehmen einen zweifelhaften Ruf.

DÜSSELDORF. Wenn im September der berufsbegleitende MBA-Studiengang an der Apollo International University in Köln und Düsseldorf beginnt, ist das bereits der dritte Anlauf der amerikanischen Apollo Group in Deutschland Fuß zu fassen. Schon im vergangenen Jahr wollte das börsennotierte Unternehmen, das mit der University of Phoenix (UOP) die größte Privatuni in den USA betreibt, hier eine Niederlassung gründen. Erst sollte das Programm in München starten, dann in Düsseldorf.

Doch immer scheiterten die Amerikaner an den deutschen Behörden. Nicht einmal die Bezeichnung "University" gestatteten diese. Denn die UOP ist keine "richtige Universität", sondern eine private, profitorientierte Einrichtung, die Bildung als knallhartes Geschäft betreibt. Sie arbeitet daher nur mit nebenberuflichen Dozenten und betreibt keine Forschung.

"Dozenten sind ersetzbare Rädchen in der Profitmaschine", schrieb das amerikanische Nachrichtenmagazin U.S. News im Januar. Das Bestreben, akademische Standards zugunsten des Profits abzulegen, habe im vorigen Jahr bereits zu rechtlichen Problemen geführt. Sechs Millionen Dollar Entschädigung zahlte das Unternehmen an das Bildungsministerium in Washington, nachdem ihm vorgeworfen worden war, dass Studenten die Hälfte ihrer Unterrichtszeit in Lerngruppen ohne Dozenten verbringen mussten.

Und in einer Newsgroup im Internet schreibt der ehemalige Dozent Andrew Borchers, dass er seine Lehrtätigkeit dort aufgrund der geringen Qualität der Programme aufgegeben habe. Dafür spreche auch die Tatsache, dass die UOP in den USA lediglich eine regionale, aber keine fachliche Akkreditierung habe. An eben dieser fehlenden Akkreditierung durch die US-Akkreditierungsorganisation AACSB, die dort für den MBA-Abschluss zuständig ist, scheiterte die UOP auch in Deutschland. Denn um den Titel einer US-Schule führen zu dürfen, muss diese laut Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) in den Vereinigten Staaten von der AACSB akkreditiert sein.

Tatkräftige Unterstützung kam von prominenten Hochschulexperten und von Professoren

Doch nun soll alles ganz anders werden. Im Eiltempo und mit viel Geld baute die Apollo Group jetzt eine private Fachhochschule in Deutschland auf - mit tatkräftiger Unterstützung von prominenten Hochschulexperten und Professoren. In der Gründungsfakultät saß der Leiter der einflussreichen gemeinnützigen Beratungsorganisation Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), Detlef Müller-Böling - der aufgrund seiner Macht schon als "heimlicher Bildungsminister" tituliert wurde. Rektor der neuen Apollo International University of Applied Sciences wird Ronald Mönch, derzeit noch amtierender Rektor der Hochschule Bremen und zudem Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Kein Wunder, dass man im Bildungsministerium von Nordrhein-Westfalen beeindruckt war und der Apollo University die staatliche Anerkennung zusprach und den MBA-Studiengang genehmigte. Dabei hatte das Ministerium noch im Februar einen Erlass herausgegeben, wonach neue Masterstudiengänge nur dann genehmigt werden, wenn sie vorher akkreditiert wurden. "Das musste ausgesetzt werden, weil die Warteschlangen bei den Akkreditierungsorganisationen zu lang sind", erklärt der künftige Apollo-Rektor Mönch.

Detlef Kran von der Fibaa, einer Stiftung der deutschen Wirtschaft und für die Akkreditierung von MBA-Studiengängen zuständig, zeigt sich überrascht. Bei der Fibaa habe niemand angefragt und aus dem Ministerium habe er nur gehört, dass die für Apollo handelnden Personen so überzeugend gewesen seien, dass man auf eine externe Qualitätssicherung verzichtet habe.

Geschickter Schachzug: Für die Amerikaner hat die neue Uni vor allem strategische Bedeutung

Glaubt man den überschwänglichen Ausführungen von Ronald Mönch, dann ist diese auch nicht notwendig. Das MBA-Programm (Studiengebühren 49 600 Mark) habe "absoluten Weltstandard" und berücksichtige sowohl amerikanische als auch europäische Besonderheiten der Wirtschaft. Für den Unterricht habe man sechs "exzellente junge Professoren" gewonnen, die auch forschen sollen.

Nur die Studenten fehlten noch, gesteht Mönch. Und das, obwohl die Apollo University seit Wochen massiv mit Radiospots und ganzseitigen Anzeigen um Studenten wirbt. "Wir fangen auch mit sechs Studenten an", erklärt der künftige Rektor. "Unsere Expansionsphase kommt erst im nächsten Jahr." Bis Ende Oktober soll ein Plan für weitere Studiengänge verabschiedet werden. 2004 will die Apollo University 1 000 Studenten haben.

Die Qualitäts-Probleme der UOP in den USA hält Mönch für irrelevant. "Wir sind eine deutsche Fachhochschule", betont der Professor, der bis vor drei Monaten noch nie etwas von der UOP gehört hat. Dabei ist nicht einmal klar, ob die Apollo University eine Tochter- oder Schwester-Universität der UOP ist. Während Mönch von der Schwester-Uni spricht, wird Interessenten die Hochschule als Tochter der Privatuni verkauft. In einer Selbstdarstellung von Apollo heißt es, dass Lehrmodell und Verwaltungs-Strukturen der UOP auf die Apollo University übertragen und europäischen Verhältnissen angepasst worden seien.

Ob Schwester oder Tochter, die neue Apollo University hat für die Amerikaner strategische Bedeutung. "Wer in Europa tätig sein will, kommt an Deutschland nicht vorbei", bestätigt Mönch. Und mit dem Aushängeschild einer staatlich anerkannten Fachhochschule in Deutschland ist den Amerikanern ein geschickter Schachzug gelungen. Ob es der neuen Hochschule auch gelingt, sich bei den Unternehmen vom umstrittenen Ruf der UOP zu differenzieren, bleibt abzuwarten.

Denn der ist inzwischen auch bis nach Deutschland vorgedrungen. "Wir würden dort keine Absolventen rekrutieren, da uns die Qualität der Lehre unklar ist und es an Reputation fehlt", erklärt Martin Möhrle, Head Corporate Resourcing & Marketing bei der Deutschen Bank. "Wir gehen nicht davon aus, dort sehr gute Kandidaten zu finden." Auch beim HRK-Präsidenten Klaus Landfried muss Mönch noch Überzeugungsarbeit leisten. "Apollo ist noch keine private Fachhochschule, die man ernst nehmen muss", sagt Landfried und ob Ronald Mönch als Apollo-Rektor seinen Posten als HRK-Vizepräsident auf Dauer behalten könne, müsse diskutiert werden.

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