Börsenportale kommen ins Trudeln
Gatrixx stellt Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens

Die Krise der Aktienmärkte fordert nun auch bei Anbietern von Online-Finanzinformationen erste Opfer. Die Gatrixx AG, der zweitgrößte deutsche Anbieter, hat Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.

HB FRANKFURT/BERLIN. "Wir haben die Notbremse gezogen", umschreibt Matthias Baller, Vorstandsvorsitzender der Gatrixx AG, den Gang zum Amtsgericht Berlin-Charlottenburg. Dort hat der zweitgrößte Anbieter von Börsen- und Finanzinformationen im deutschsprachigen Internet die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

Dabei schien die Sanierung des defizitären Internet-Dienstleisters eigentlich schon unter Dach und Fach zu sein. Mitte September sollten die Anteilseigner die Mittel für eine zweite Finanzierungsrunde bereitstellen. Zu ihnen zählen die am Neuen Markt notierte Beteiligungsgesellschaft United Internet AG (48,48 %) und eine Gruppe von Einzelinvestoren wie die N-TV-Moderatorin Carola Ferstl. Doch nach Informationen aus Unternehmenskreisen haben einige Altinvestoren aufgrund des negativen Börsenumfelds kalte Füße bekommen. Deren Weigerung, Geld nachzuschießen, habe wiederum für den Hauptanteilseigner United Internet "den letzten Ausschlag gegeben, der Gatrixx AG kein weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen", ließ das Unternehmen mitteilen.

Dabei sieht Gatrixx-Chef Baller das Unternehmen mit rund 50 Angestellten und über 30 Mill. Seitenaufrufen im Monat auf einem guten Weg. "Der geplante Umsatz von rund sieben Millionen DM in diesem Jahr wird trotz der Börsenflaute erreicht", sagt Baller. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen zwar ein Minus von zehn Mill. DM erwirtschaftet, inzwischen habe es die Verluste aber auf 200 000 DM monatlich gedrückt, sagte Baller dem Handelsblatt. Gleichzeitig sind jedoch seit Anfang des Jahres die Seitenabrufe um mehr als 40 % zurückgegangen und die Auslastung der Werbeflächen gesunken.

"Die Situation auf dem Markt für Online-Finanzinformationen ist alles andere als erfreulich", beurteilt Matthias Pindter, Analyst bei der BNP Paribas, die Lage der Anbieter. "Doch das Geschäft ist nicht für alle Zeit tot", sagt der Analyst. Wenn jetzt Gatrixx ausscheide, könne davon langfristig der am Neuen Markt notierte Konkurrent Onvista AG, Köln, profitieren.

Doch bis es soweit ist, muss sich Marktführer Onvista trotz mehr als 50 Millionen Seitenaufrufen im Monat bescheiden geben. Das Umsatzziel für 2001 hat er bereits von ursprünglich 20 Mill. auf rund 13 Mill. Euro zurückgenommen. Statt einem Gewinn wie im vergangen Jahr wird Onvista im laufenden Jahr wohl rote Zahlen schreiben. Doch leidet Onvista weniger unter sinkenden Werbeeinnahmen aus dem Portalgeschäft mit Endnutzern. Vielmehr bekommen die Kölner Rückgänge im Lizenzgeschäft zu spüren, also beim Verkauf von Inhalten und Softwareprogrammen für Internetseiten an Banken und Medien. Während in den vergangenen Jahren die Gründungswelle von Direktbanken und Online-Brokern den Finanzinformations-Anbietern wie Onvista und Gatrixx noch eine rege Nachfrage nach Zulieferungen beschert hatte, gibt es derzeit kaum neue Kunden. Und um diese konkurrieren sie mit etablierten Unternehmen wie der Frankfurter Innovative Software und dem Informationskonzern Reuters.

Sehr schwer dürfte es nach Ansicht von Experten für Anbieter werden, die noch stärker als Gatrixx und Onvista auf Online-Werbeeinnahmen angewiesen sind. So erwirtschaftet der Online-Dienst Wallstreet-Online rund 80 % seiner Einnahmen durch Werbung. Versuche, durch eine Kooperation mit dem Onlinebroker SEB direct am Handel mit Wertpapieren zu verdienen, laufen nur sehr schleppend.

Der Betrieb der Internetangebote bei Gatrixx, die auch Kunden wie Consors oder die BHF-Bank beliefern, wird nach Angaben des Unternehmens vorerst ohne Einschränkungen weiter geführt.

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