Börsenspiel
Rendite mit der Wahl

Parteien sind käuflich, zumindest in der Wahl$treet. Bis zur Bundestagswahl werden in der Online-Börse von Handelsblatt.com die Aktien von Parteien gehandelt. Das Prinzip funktioniert wie auf dem realen Parkett. Die Teilnehmer spielen um echtes Geld. Sie müssen abschätzen, wie andere Börsianer denken. So entsteht ein verlässliches Prognoseinstrument zum Ausgang der Wahl.

DÜSSELDORF. Die Börse ist ihrer Zeit oftmals voraus. Weil die Händler auf dem Parkett häufig ahnen, wohin die Reise geht, sind viele Entwicklungen bereits eingepreist, wenn sie tatsächlich eintreffen. Dieses Prinzip macht sich die Wahl$treet zunutze. Die Teilnehmer kaufen virtuelle Aktien von Parteien, die sie jederzeit wieder verkaufen können, um andere Aktien zu kaufen oder aus dem Markt auszusteigen. Sie stimmen dabei nicht wie bei einer echten Wahl nach persönlichem Empfinden für eine Partei ab, sondern handeln mit den Aktien der Parteien, um Gewinne zu erwirtschaften. Die Teilnehmer, die mit ihrem eigenen Geld spielen, müssen ein Gefühl dafür entwickeln, wie die anderen Marktteilnehmer denken könnten. Aus der Summe dieser Einzeleinschätzungen entsteht ein verlässliches Prognose-Instrument.

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Wissenschaftliche Grundlage dieses Börsenspiels zur Wahl ist die These des österreichischen Nobelpreisträgers Friedrich von Hayek, wonach Preise als Indikatoren für verteilte Informationen angesehen werden. Die Wahl$treet wendet Hayeks These praktisch an. Zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen 1992 testete die University of Iowa erstmals erfolgreich einen solchen Prognose-Aktienmarkt. Bei der Bundestagswahl 1998 schlugen die Wahl$treet-Kurse dann die Prognosen fast aller Meinungsforschungs-Institute, nur übertroffen von der Vorhersage des Allensbach-Instituts. Als besonders verlässlich gilt das Prinzip, weil die Teilnehmer ihren persönlichen Informationsvorsprung zu Geld machen wollen - sich also die Informationen der besonders gut informierten Internetnutzer in den Preisen bündeln.

Teilnehmen kann jeder

An der Wahl$treet des Handelsblattes kann jeder teilnehmen, der über eine deutsche Bankverbindung verfügt. Der Einsatz beträgt mindestens fünf und höchstens 50 Euro. Das Geld wird vom Konto abgebucht und im Kurs von 1:10.000 in handelbare Wahldollar gewechselt. Eine Teilnehmergebühr wird nicht erhoben. Auch gibt es keine Makler-, Transaktions- oder Depotgebühren. Alle eingesetzten Gelder werden wieder ausgezahlt. Es findet also eine Umverteilung unter den Händlern statt.

Nach Marktschluss, am 22. September vor 18 Uhr, sind die Aktien so viel wert, wie die Parteien an Prozenten bei der Bundestagswahl geholt haben. Wer also zum Beispiel erwartet, dass die Sozialdemokraten ihre Anhänger nicht mehr mobilisieren können und deswegen unter 35 Prozent abschneiden, wird im Verlauf des Handels seine SPD-Aktien zu einem Kurs von über 35 abstoßen wollen. Ein anderes Beispiel: Sollte während des Wahlkampfes einem einflussreichen SPD-Spitzenpolitiker wider erwarten über die Lippen gehen, eine rot-rot-grüne Koalition sei denkbar, dann könnten billig eingekaufte PDS-Aktien eine traumhafte Rendite bringen. Nach der Wahl wird das Aktienpaket der Teilnehmer entsprechend dem Wahlergebnis der Parteien ausgeschüttet.

Auf dem Hauptmarkt werden Aktien von SPD, CDU, Grüne, FDP, PDS und "Andere" gehandelt. Daneben bietet die Wahl$treet den Handel mit Futures an, die eine zeitliche Begrenzung haben. Hier lassen sich höhere Gewinne erzielen, aber es sind auch höhere Verluste möglich. Beispiel: Wird die FDP bis zur Wahl eine klare Koalitionsaussage machen? Das Geld wird auf die Händler aufgeteilt, die mit ihrer Einschätzung richtig lagen.

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