Börsenverein erwartet seit Jahrzehnten erstmals einen Umsatzrückgang
Konjunkturschwäche trifft Buchbranche hart

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gehen die Umsätze in der Buchbranche zurück. "Wir werden mit einem Minus von zwei Prozent aus diesem Jahr gehen", prognostizierte Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Frankfurt.

hps FRANKFURT. "Es wird mehr produziert als verkauft werden kann", beschrieb der Verbandschef von 4 800 Buchhändlern und 2 000 Verlagen das Dilemma. Die Zahlen seien alarmierend, die Konjunkturschwäche ließ in den ersten sechs Monaten dieses Jahres den Umsatz um 3,1 % einbrechen.

Der deutsche Buchmarkt erzielte im Jahr 200l einen Umsatz von 9,4 Mrd. Euro; die Flaute kündigte sich da bereits an. Erstmals gingen 2001 der Stückzahl nach 0,1 % weniger Bücher und Fachzeitschriften über den Ladentisch. Es waren vor allem die Fachblätter mit einem Einbruch von 8,8 %, die den Markt nach unten zogen. Die schwierige Situation wegen des schlechten Anzeigengeschäftes hält nach Branchenangaben an. Erst kürzlich kündigte Thomas Middelhoff, Vorstandschef von Bertelsmann, an, die Fachinformationstochter Bertelsmann Springer wegen zu niedriger Gewinne verkaufen zu wollen.

Noch Ende letztes Jahr gab sich die Buchbranche wegen "Harry Potter" und "Herr der Ringe" optimistisch; der Börsenverein sagte ein Wachstum von 1 % voraus. Diese Vorhersage erwies sich als falsch. "Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation bei Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunk und bei anhaltender Konjunkturflaute im Einzelhandel behauptet sich das Buch relativ stabil, auch wenn wir im Jahr 2002 mit einem Umsatzrückgang rechnen müssen", korrigierte sich Schormann gestern.

Am stärksten vom Umsatzeinbruch waren im letzten Jahr Verkaufsstellen wie Baumärkte, Tankstellen, Supermärkte (- 1,9 %) und die Buchgemeinschaften (- 1,2 %) betroffen. Der Markt der Buchgemeinschaften wird vor allem vom Clubgeschäft des Medienriesen Bertelsmann und des Augsburger Weltbild-Verlages bestimmt. Die Buchgemeinschaften haben jedoch nur einen Anteil von 3,6 % am Gesamtmarkt. Noch entfallen knapp 58 % auf den klassischen Buchhandel, der Einbußen von 0,7 % hinnehmen musste. Gegen den Trend konnte der Reise- und Versandbuchhandel zulegen sowie der Direktverkauf über die Verlage. Die Steigerung beim Versandbuchhandel geht vor allem auf das Konto des Onlinehandels. Trotz aller Unkenrufe steigerte sich der Verkauf über Amazon, Buch.de oder Booxtra, aber auch über die Verkaufsplattformen der klassischen Buchhandlungen um die Hälfte auf 288 Mill. Euro.

Trotz der Konsolidierung in der Verlagsbranche nimmt die Zahl der Neuerscheinungen weiter zu. Allein im letzten Jahr erschienen knapp 90 000 Bücher. "Wir überfordern damit den Buchhandel und das Publikum", sagte der Sprecher der Verleger im Börsenverein und Manager beim Freiburger Herder-Verlag, Jürgen A. Bach. Hoffnung verspricht derzeit nur der Taschenbuchmarkt. Fast jedes fünfte Buch ist ein Paperback. Unterdessen nimmt der Renditedruck auf die Verlage zu. So überlegt derzeit der Axel-Springer Verlag, ob er seine Buchsparte verkaufen soll. Der Buchriese Ullstein-List-Heyne schrieb im vergangenen Jahr einen operativen Verlust von 46 Mill. Euro. "Durch den Riesenerfolg von Harry Potter hat der Kinder- und Jugendbuchsektor einen Schub bekommen", bilanziert Schormann. Tatsächlich nahmen 2001 vor allem die Titel für Heranwachsende besonders zu. "Die Leselust ist da. Unsere Aufgabe ist es, sie zu fördern", so Schormann. Doch genau damit tut sich der Börsenverein bisweilen schwer. Der im Frühjahr erstmals in Leipzig verliehene Deutsche Bücherpreis fand nicht nur Applaus.

"Tragen Gesangseinlagen von Nana Mouskouri dazu bei, den Büchern und Autoren den richtigen Glanz zu verleihen?" fragte sich ein Verlagsmanager. Die Unzufriedenheit konzentriert sich vor allem auf die vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) übertragene Preisverleihung. Heute laufen Gespräche zwischen Börsenverein und MDR, um die Differenzen aus dem Weg zu räumen.

Quelle: Handelsblatt

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