Börsenverein rechnet mit geringem Wachstum für nächstes Jahr
„Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ bescheren Buchhandel Umsatzschub

In der Weihnachtszeit läuft in Buchhandlungen das Geschäft traditionell auf Hochtouren - in diesem Jahr noch besser als sonst.

DÜSSELDORF. Das große Interesse an den Kinoerfolgen "Herr der Ringe" und "Harry Potter" sorgt für zusätzlichen Umsatzschub. "Das sind Glücksfälle für den Buchhandel", jubelt Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. In seiner Gießener Buchhandlung gingen alleine 800 Exemplare "Herr der Ringe" über den Ladentisch. Hugendubel, mit 27 Läden zweitgrößter Buchhändler in Deutschland, verkaufte in einer Woche rund 2400 Potter- und 2000 Herr-der Ringe-Bücher.

Grund zum Jubel hat auch Klett-Cotta. Der Stuttgarter Verlag hat bereits eine Millionen "Herr der Ringe" ausgeliefert. Allein von der dreibändigen Bücherkassette wurden 700000 Exemplare verkauft. "Wir haben von Monat zu Monat die Absatzzahlen verdoppelt", sagte Verlagsleiter Rainer Just dem Handelsblatt. Klett-Cotta besitzt die deutschsprachigen Rechte für alle Titel des englischen Autors J.R.R. Tolkien (1892-1973). Bei Klett-Cotta sorgt der Ausnahmeerfolg für tiefschwarze Zahlen. Der Verlag hofft, dass der Erfolg auch in den nächsten beiden Jahren anhält. 2002 und 2003 werden die anderen beiden Teile der Trilogie in die Kinos kommen. Die Kinoerfolge kurbeln unerwartet stark das Geschäft mit Hörbüchern an. "Das Hörbuch hat durch ,Herr der Ringe? und ,Harry Potter? richtig Schwung bekommen", erklärt Schormann. "Harry Potter ist schon das ganze Jahr über ein Dauerbrenner", erklärt Marketingchefin Nina Hugendubel vom gleichnamigen Buchhandelsriesen aus München.

Auch beim Augsburger Internetbuchhändler Booxtra - ein Gemeinschaftsunternehmen von Springer, Holtzbrinck (Herausgeber des Handelsblatts), T-Online und Weltbild - waren Produkte rund um "Harry Potter" und "Herr der Ringe" die Renner, bestätigte eine Unternehmenssprecherin. Neben den Buchtiteln waren gleichnamige Hörbücher und Kalender ebenfalls stark gefragt.

Trotz des guten Weihnachtsgeschäfts zieht der Buchhandel jedoch eine eher dürftige Jahresbilanz. "2001 war kein gutes Jahr für die Buchhandlungen", bilanziert Schormann. Der Börsenverein als Verband des Sortimentsbuchhandels und der Verlage, rechnet mit einem Wachstums von nur 1 %. Bereits seit Mai habe sich der Markt stagnierend bzw. rückläufig entwickelt. Der 11. September habe den negativen Trend noch verstärkt, erklärt Schormann. "Die Umsätze im Weihnachtsgeschäft werden nicht ausreichen, die seit Mai entstandene Lücke zu schließen." Bisher war der Buchhandel mit Wachstumsraten von 3 % verwöhnt. In den achtziger und Anfang der neunziger Jahre waren sogar Raten von 8 bis 9 % erreicht worden.

Für 2002 setzt der Buchhandel auf die konjunkturelle Erholung. Der Börsenverein geht von einem leichten Wachstum aus. Der Jahresumsatz mit Büchern in Deutschland beläuft sich derzeit auf 13,5 Mrd. DM. "Wir werden uns entsprechend der allgemeinen Wirtschaftslage entwickeln. Daher ist unsere Planung vorsichtig", sagt Nina Hugendubel.

Die Konzentration im Handel nimmt angesichts des harten Wettbewerbs weiter zu. Nach Einschätzung von Brancheninsidern war die Fusion der Buchhandelsriesen Phönix und Thalia nur der Anfang. Der Buchmarkt ist mit rund 83 000 Neuerscheinungen in diesem Jahr gesättigt. Erst letzte Woche musste die Kölner Könemann Verlagsgesellschaft mbH mit 200 Mill. DM Umsatz und 200 Mitarbeitern Insolvenz anmelden. Auch die Großen der Branche ordnen ihre Beteiligungen neu. Ebenfalls in der letzte Woche gab die zu Bertelsmann gehörende Verlagsgruppe Random House den Verkauf des Falken-Verlags und Bassermann bekannt. Wie viel die Ganske Verlagsgruppe, Hamburg, für den traditionsreichen Verlag gezahlt, darüber wurde Stillschweigen vereinbart.

In den Verlagen regiert unterdessen der Rotstift. Die geplante Novellierung des Urheberrechts macht der Buchbranche große Sorgen. Es werden steigende Kosten für Autoren und Übersetzer erwartet. Doch an einer Front herrscht inzwischen Ruhe: Die Buchpreisbindung bleibt. Das vom Börsenverein lange erkämpfte Preisbindungsgesetz soll im Frühsommer nächstes Jahres verabschiedet werden.

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