Börsenwert halbiert
Fantastic nach Kurssturz mit neuer Strategie

Am Donnerstag teilte das Unternehmen mit, dass es sich im Rahmen einer Neuorganisation von rund 30 % seiner 356 Mitarbeiter trennen und der erwartete Umsatz von 35 Mill. $ in diesem Jahr nicht erreicht werde.

dpa ZUG. Es war eine der ganz großen Erfolgsgeschichten am Frankfurter Neuen Markt: die Fantastic Corporation, ein Schweizer Software-Hersteller für Breitbandübertragung, legte vor 15 Monaten einen fulminanten Börsenstart hin. Innerhalb von fünf Monaten hatten sich die Aktienpreise verzehnfacht. Inzwischen ist die Ernüchterung groß. Dem Börsenwert nach ist das Unternehmen nur noch halb so viel wert wie bei der Markteinführung. Am Donnerstagmittag notierte die Aktie in Frankfurt um 5,79 % niedriger bei 1,79 Euro.





 Fantastic intraday



"Wir sind enttäuscht", sagt Pressesprecher Jürgen Bollag schlicht. Nicht zuletzt haben viele Mitarbeiter, die dank üppiger Aktienoptionen schon im Millionärshimmel schwebten, dem Schwund ihres virtuellen Reichtums zusehen müssen. "Da wurde jede Aktie nach oben gejubelt, ohne hinzuschauen, ob da auch Zukunftsmusik drin ist", sagt Bollag heute. Ein Abgesang auf Fantastic sei jedoch abwegig. Nach wie vor ist das Unternehmen überzeugt, dass Telekommunikation, Rundfunk und Internet verschmelzen und Breitband die Kommunikation der Zukunft ist. "Ohne eine Software wie die unsere kann der Markt sich nicht entwickeln", sagt Bollag.

Unternehmen entlässt 30 % der Mitarbeiter

Am Donnerstag teilte das Unternehmen mit, dass es sich im Rahmen einer Neuorganisation von rund 30 % seiner 356 Mitarbeiter trennen und der erwartete Umsatz von 35 Mill. $ in diesem Jahr nicht erreicht werde. Finanzchef Andreas Emmenegger versicherte, mit der neuen Unternehmensstruktur und flüssigen Mitteln von 84 Mill. $ "sind wir bestens gewappnet, um auf die Kundenwünsche gezielt einzugehen".

Den Höhenflug der Aktien im März hatte Fantastic mit blendenden Zahlen untermauert: 449 % Umsatzsteigerung in einem Jahr, beim Bruttoergebnis sogar 613 %. Zwar machte das Unternehmen noch keine Gewinne, doch bescheinigten Analysten ihm großes Potenzial. Fantastic schreibt Software für die Nutzung der Breitbandtechnologie für interaktive multimediale Inhalte.

Doch seit dem 4. Quartal 1999 geht der Umsatz entgegen den Erwartungen kontinuierlich zurück: von 9,6 Mill. $ auf 3,2 Mill. $ im 3. Quartal dieses Jahres. Der Betriebsverlust lag in den drei Monaten bei 12,5 Mill. $.

Große Telekomfirmen als Kunden avisiert

"Wir wussten, dass in einem Markt, der eigentlich noch gar nicht richtig existiert, ein Einbruch passieren kann", sagt Bollag. "Der Markt hat sich einfach nicht so schnell entwickelt, wie wir erwartet hatten." Fantastics avisierte Kunden waren zunächst die großen Telekomfirmen wie Deutsche Telekom, British Telecom und NTT Japan. "Damit waren wir im vergangenen Jahr sehr erfolgreich, doch die Partner hatten keinen Verkehr über ihre Netzwerke", sagt Bollag.

Während die Telekomunternehmen die physischen Plattformen wie Satellit, Kabel oder terrestrische Übermittlung bereitstellen, liefert Fantastic die Software, die die Übermittlung überwacht. Die Inhalte müssen allerdings andere liefern. Daran haperte es. "Wir hatten gedacht, dass die Telekomkonzerne zu ihren Kunden gehen, um Inhalte zu bekommen. Das ist aber nicht passiert."

Fantastic ändert Strategie

Fantastic kam zu der schmerzlichen Erkenntnis, dass auch Unternehmen, die große Datenmengen schnell und effizient übermitteln wollen, sich nicht blindlings auf die vielversprechende Breitband- Technologie stürzen. Die Entscheidung, sich auf Breitband einzulassen, sei von großer Tragweite, meint Bollag. So müssten ganze Ausbildungsprogramme umgeschrieben werden. Die bislang verwendeten Netze, in die bis dahin investiert worden sei, würden überflüssig.

Deshalb hat Fantastic jetzt die Strategie geändert. Die Softwaregesellschaft will zum Lösungsanbieter werden. Seit kurzem arbeitet Fantastic mit IBM zusammen. Während der Computerriese Hardware, Wartung und Consulting macht, liefert Fantastic die Software - den Kunden wird ein Komplettpaket angeboten. Ende 2001 will Fantastic erstmals schwarze Zahlen schreiben.

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