Börsenwert hat sich auf 24 Milliarden Euro halbiert
Nach der Pflicht kommt nun die Kür

Ihre Hausaufgaben sind gemacht, aber ihre Marktkapitalisierung ist weiter im Keller: Die Deutsche Bank muss in diesem Jahr die Zweifler durch Leistung überzeugen

FRANKFURT/M. Die Fundament für den Aufschwung ist gelegt. Jetzt muss die Deutsche Bank beweisen, dass sie darauf Erfolge bauen kann. Denn noch reicht das Börsengewicht des Branchenprimus bei weitem nicht an den eigenen Anspruch heran. Als Josef Ackermann im Mai 2002 das Ruder bei der Deutschen Bank übernahm, kündigte er ein Vier-Punkte-Programm an, das die Marktkapitalisierung bis Ende 2003 auf rund 100 Mrd. verdoppeln sollte. Heute, neun Monate später, ist das Programm weitgehend umgesetzt - aber der Börsenwert hat sich auf 24 Mrd. Euro halbiert.

Woran liegt das? Zum einen verwirrt die Deutsche Bank Anleger und Analysten mit undurchsichtigen Zahlenspielen. Die Rechnungslegung nach US-GAAP ist schwer nachzuvollziehen. Steuerpositionen werden erst herein-, dann wieder herausgerechnet, Abschreibungen und Restrukturierungskosten zählen plötzlich als Einmalaufwendungen nicht mehr zum alltäglichen Bankgeschäft. Der Vergleich mit früheren Quartalen und die Messbarkeit des operativen Erfolgs ist kaum noch möglich, bemängeln Analysten wie Dieter Hein vom Credit Lyonnais. Er empfahl der Deutschen Bank die Rückkehr zu IAS.

Zum zweiten sind die Zahlen wenig überzeugend. Für 2002 steht ein Vorsteuergewinn von 3,5 Mrd. Euro zu Buche. Allerdings hat das Institut Beteiligungen mit einem Gewinn von 3,5 Mrd. Euro verkauft. Unter dem Strich also nichts verdient. Doch damit sei Schluss, kündigte Ackermann an. In diesem Jahr will die Deutsche Bank auch ohne außerordentliche Erträge Geld verdienen.

Das vierte Quartal macht Mut. Zwar stand mit einem Minus von 105 Mill. Euro erneut ein Verlust unter dem Strich. Allerdings wurden dabei Abschreibungen auf geplante Verkäufe vorweggenommen, darunter auf den Anteil an Telecolumbus, die erst in diesem oder dem nächsten Quartal anfallen. Erfreulich auch die Kostendisziplin: "Zum ersten Mal seit 1996 waren wir nicht enttäuscht von der Kostenentwicklung der Deutschen Bank im vierten Quartal", sagt Analyst Stewart Graham von Merrill Lynch. Ackermann ist zuzutrauen, diese Disziplin weiter durchzuhalten, so dass sich der Kostenblock weiter verringern dürfte. Auf der Ertragsseite wird viel von der Entwicklung der Märkte abhängen. Vor allem der Aktienhandel leidet unter der Börsenflaute. Im Gegensatz dazu verdienen die Rentenhändler gutes Geld. Auch die Entwicklung der Privatkundensparte ist erfreulich. Sie hat 2002 erstmals das gesetzte Ziel von einem Ergebnis über 1 Mrd. Euro übertroffen. Wenn die Deutsche Bank die Abschreibungen auf faule Kredite, wie im vierten Quartal angedeutet, künftig unter Kontrolle hält, ist die Ausgangsposition für höhere Ergebnisse gelegt. Das wird sich dann auch in einem steigenden Aktienkurs bemerkbar machen.

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