Börsenwerte spielen eine große Rolle.
Schlechte Börsendaten drücken Bushs Popularität

US-Präsident Bush leidet unter abnehmender Popularität im eigenen Land. Erstmals seit den Terroranschlägen vom 11. September ist seine Zustimmungs-Quote unter die 70-%-Schwelle gerutscht. Nach einer neuen Umfrage des Magazins "Newsweek" sind nur noch 65% der Amerikaner mit ihrem Präsidenten zufrieden.

bac WASHINGTON. Auf dem Höhepunkt der Angriffe flüchtete sich US-Regierungssprecher Ari Fleischer in die Indianersprache: "Immer, wenn es mal ein paar Schwierigkeiten gibt, suchen einige Leute in Washington gleich nach einem Skalp", blaffte der oberste Pressemann des amerikanischen Präsidenten. Kurz zuvor hatten einige Kongress-Abgeordnete ihren Unmut über Finanzminister Paul O?Neill herausgelassen, der inmitten der rasanten Talfahrt auf dem Aktienmarkt für mehrere Wochen außer Landes war.

Doch trotz der Beschwichtigungs-Offensive von Fleischer hat George W. Bush zunehmend ein Problem: Erstmals seit den Terroranschlägen vom 11. September ist seine Zustimmungs-Quote unter die 70-%-Schwelle gerutscht. Nach einer neuen Umfrage des Magazins "Newsweek" sind nur noch 65 % der Amerikaner mit dem Job ihres Präsidenten zufrieden. Die demoskopische Teflonschicht, die Bush monatelang trotz gemischter Signale aus der Wirtschaft geschützt hatte, scheint tiefe Kratzer zu bekommen.

"Die seit Mitte Juni anhaltenden schlechten Nachrichten über die Konjunktur haben die öffentliche Wahrnehmung stark beeinflusst", sagte der Meinungsforscher Thomas Riehle. "Eine Mehrheit der Amerikaner hat das Gefühl, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss."

Allerdings sei dies noch nicht mit einem klaren Votum für oder gegen eine Partei verbunden. Auch Karlyn Bowman vom American Enterprise Institute, einem einflussreichen Think-Tank in Washington, sieht tief greifende Änderungen im Stimmungsklima. "Die jüngsten Bilanzfälschungs-Skandale haben zu einer gravierenden Erosion des Vertrauens in Unternehmen geführt", so Bowman. "Solange an der Wall Street keine Stabilität einkehrt, ist Bush verwundbar." Die Hälfte der US-Bürger besitzt Aktien. Auch bei der Altersvorsorge spielen Börsenwerte eine große Rolle.

Das ist der Stoff, aus dem die Opposition ihre Angriffs-Pläne strickt. Dreieinhalb Monate vor den Kongresswahlen im November kritisieren die Demokraten die Nähe zwischen Regierung und Top-Etagen der Wirtschaft - in der Hoffnung, dass die Negativ-Schlagzeilen auf das Weiße Haus überschwappen.

Doch die Regierung weist die Vorwürfe zurück, Warnungen werden abgebügelt. So hatte der ehemalige Vize-Präsident der US-Notenbank, Alan Blinder, von der größten Vertrauenskrise seit dem Börsen-Crash von 1929 gesprochen. "Das ist Miesmacherei", lautet der knappe Kommentar aus der Regierung. "Die Fundamentaldaten der Wirtschaft sind in Ordnung", kontert Bush und verweist dabei auf die positiven Werte bei Wachstum, Inflation und Produktivität.

Dennoch räumen Mitarbeiter des Weißen Hauses ein, dass die Nervosität hinter den Kulissen wächst. Der Präsident versucht, mit Befreiungsschlägen die Initiative zurückzugewinnen. So nimmt er den Kongress demonstrativ in die Pflicht, noch in dieser Woche ein Gesetz für schärfere Standards in der Wirtschaftsprüfung zu verabschieden. Auch Bushs Werbefeldzug für ein neues Mammut-Ministerium der inneren Sicherheit ist darauf ausgerichtet, den Anti-Terror-Krieg in wieder wachsende innenpolitische Zustimmung umzumünzen.

Dass dies nicht reicht, wissen auch die Berater des Präsidenten. Sie basteln derzeit an einer umfangreichen Public-Relations-Kampagne: Demnach soll Bush im August als der große Macher durch die Lande reisen und Zuversicht verströmen. Besuche bei Firmen-Chefs und Arbeitnehmern sollen das Bild vom zupackenden Kommunikator vermitteln.

Quelle: Handelsblatt

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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