Börsenzeitplan in Frage gestellt
EM.TV bremst die Formel 1 aus

Das Finanzchaos bei EM.TV und der Einstieg der Kirch-Gruppe machen den ursprünglich geplanten Börsengang der Formel 1 im nächsten Jahr so gut wie unmöglich. Auch der Vorstand des Formel-1-Veranstalters SLEC wird umgebaut: Florian Haffa, umstrittener Ex-Finanzvorstand von EM.TV, muss seinen Hut nehmen.

LONDON/DÜSSELDORF. Die Turbulenzen um die Münchener EM.TV und der Einstieg der Kirch-Gruppe bei der angeschlagenen Münchner Medienrechtefirma bremsen auch die Pläne des britischen Motorsport-Unternehmers Bernie Ecclestone. Der von ihm für das kommende Jahr angestrebte Börsengang der Formel-1 hat kaum noch eine Chance. "Ich wette eine Flasche Champagner, dass Bernies Formel 1-Zirkus weder 2001 und auch nicht im Sommer 2002 an der Börse ist", sagte ein Londoner Topbanker aus dem Beraterkreis von Ecclestone zum Handelsblatt.

Neuer Ärger droht auch mit den Rennställen. Die Autobauer - allen voran Ferrari und Mercedes - hatten nach dem Einstieg von EM.TV in die Formel 1-Vermarktung im Frühjahr Anspruch auf einen Anteil an der Veranstalterfirma SLEC angemeldet. Der neue Miteigentümer Kirch hat daran allerdings kein Interesse. "Wir haben unsere Planung nicht darauf abgestellt", zeigt Kirch-Vize Dieter Hahn den Rennställen von Schumi & Co. die kalte Schulter.

Ecclestone hat in den vergangenen Tagen beharrlich geschwiegen und mehrere Interviewanfragen des Handelsblatts abgelehnt. Allerdings hatte der exzentrische Rennsportpromotor noch vor kurzem zum Einstieg der Kirch-Gruppe bei EM.TV erklärt: "Die Situation bei EM.TV hat keinen Einfluss auf die Formel 1." Das darf nicht nur mit Blick auf die Börsenpläne bezweifelt werden. Wie ein EM-TV-Sprecher gestern bestätigte, wird Ex-Finanzvorstand Florian Haffa das SLEC-Board verlassen. Dafür soll vermutlich Kirch-Mann Hahn nachrücken - und direkt Einfluss auf das Formel 1-Geschäft nehmen. Der 39-jährige Hahn, früher Chef des Deutschen Sportfernsehens (DSF), gilt als geschickter Manager in Sachen Sportrechte. Dem promovierten Juristen werden sehr gute persönliche Beziehungen zu Bernie Ecclestone nachgesagt. Denkbar sind weitere Veränderung im achtköpfigen Leitungsgremium von SLEC, das mit vier Vertretern aus dem EM.TV-Umfeld besetzt war.

Der Formel 1-Veranstalter SLEC gehört jeweils zur Hälfte der Ecclestone-Gruppe sowie der EM.TV-Tochter Speed Ltd., bei der nun Kirch mit 49 % eingestiegen ist. Kirch will sich vor allem die TV-Rechte für den Sport sichern, der dank Michael Schumacher zum Zuschauermagneten geworden ist. Allerdings hat die RTL Group in Köln die TV-Rechte an der Formel-1 noch bis Ende 2003. Dann dürfte es einen heißen Poker um die wichtigen Formel 1-Rechte geben, so Beobachter. Denn RTL hat keine Option auf Verlängerung.

Kirch-Vize Hahn, zu dessen Aufgaben der Ausbau des Pay-TV zählt, hat bereits erklärt, es gebe bei den Formel 1-Rechten keine Präferenzen gegenüber einzelnen Sendern. Auf jeden Fall werde die Formel 1 weiter im Free TV zu sehen sein. Auf Grund der bisher geringen Marktdurchdringung des Bezahl-Fernsehens mache eine exklusive Verwertung der Senderechte keinen Sinn. Im Pay TV werde dem Zuschauer jedoch "Mehrwert" angeboten. Vor allem durch den konsequenten Einsatz der Digitaltechnik bei der Formel 1 und zusätzliche Inhalte rund um den Motorsport werde das Pay-TV für Attraktivität sorgen, so Hahn.

Unterdessen ist bei der Staatsanwaltschaft München I gegen Thomas Haffa und Mitglieder des Vorstands und Aufsichtsrats eine Anzeige wegen Betrugs, Anlagebetrugs, Untreue und Unterschlagung eingegangen. Diese Anzeige wird bereits von der Oberstaatsanwaltschaft bearbeitet.

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