Börsianer erwarten baldigen Kriegsbeginn: Dax zieht rasant an

Börsianer erwarten baldigen Kriegsbeginn
Dax zieht rasant an

Spekulationen auf einen baldigen und kurzen Irak-Krieg sowie eine daran anknüpfende Erholung der Konjunktur haben Händlern zufolge den Deutschen Aktienindex (Dax) am Montag stark beflügelt. Zuvor waren die letzten diplomatischen Bemühungen in der UNO um eine friedliche Lösung der Krise gescheitert.

Reuers FRANKFURT. Händler sagten, langsam weiche die Unsicherheit aus dem Markt, ob und wann es zu einem Krieg komme. Wie der Krieg verlaufen werde, bleibe aber weiter unklar.

Deutschlands wichtigster Börsen-Index schloss 3,49 Prozent höher bei 2487 Punkten. "Da wird jetzt am Markt ein kurzer, für die Amerikaner erfolgreicher Krieg gespielt. Das ist alles, auch wenn es zynisch klingen mag, für den Markt besser als die Unsicherheit der vergangenen Wochen", sagte Händler Peter Lüdke von Merck Finck. Eine sich fortsetzende Kurserholung könne den Dax kurzfristig bis 2800 Punkte heben, hatte der Aktienstratege Werner Bader von der LB Baden-Württemberg zuletzt gesagt. Seit Donnerstag hat sich der Dax bereits um knapp 13 Prozent erholt, nachdem er zuvor auf den tiefsten Stand seit November 1995 gestürzt war.

Im Frankfurter Handel schlossen 26 der 30 Dax-Werte in der Gewinnzone. Besonders gefragt waren die Scheine der Commerzbank und der Reisebranche. Im Nebenwerte-Index MDax, der insgesamt um 1,86 Prozent auf 2799 Punkte zulegte, ragten nach dem Einstieg des US-Medienunternehmers Haim Saban die Aktien der Fernsehgruppe ProSiebenSat.1 positiv heraus. Am Neuen Markt beendete der Nemax 50-Index den Handel 4,35 Prozent höher bei 345 Punkten.

Börsianer erwarten baldigen Kriegsbeginn

Das Frankfurter Börsengeschehen wurde - wie bereits in den vergangenen Wochen - von den politischen Entwicklungen in der Irak-Krise geprägt. Die meisten Börsianer rechnen in den nächsten Tagen mit einem US-Angriff auf Irak. Nun suchten die Anleger nervös den idealen Zeitpunkt zum Einstieg. "Wer im richtigen Moment einsteigt, kann jetzt viel Geld zurückgewinnen", sagte ein Händler.

Derweil sind in der UNO sämtliche diplomatischen Bemühungen gescheitert. "Ich denke, die Zeit für Diplomatie ist abgelaufen", sagte etwa US-Außenminister Colin Powell. In einer Rede an die Nation will US-Präsident George W. Bush zudem nach Angaben des Präsidialamtes in der Nacht zum Dienstag (MEZ) ein letztes Ultimatum an Iraks Staatschef Saddam Hussein stellen, das Land zu verlassen und so einen Krieg abzuwenden. UNO-Generalsekretär Kofi Annan kündigte den Rückzug des UN-Personals aus dem Irak an.

Commerzbank - und ProSieben-Papiere gefragt

Gefragt waren im Frankfurter Handel besonders die Titel der Commerzbank, die um rund zehn Prozent auf 6,65 Euro zulegten. Händler machten dafür neben der allgemeinen Dax-Erholung Spekulationen über weitere Kostensenkungsmaßnahmen verantwortlich.

Starke Erholungstendenzen wiesen die Aktien der TUI und der Lufthansa auf, die sich um rund acht beziehungsweise knapp sieben Prozent verteuerten. Wegen der Irak-Krise hatten beide Werte in den Vorwochen deutlich an Wert verloren.

Im MDax kletterten ProSiebenSat.1-Scheine um 3,21 Prozent auf 5,78 Euro. Medienunternehmer Saban übernehme fast drei Viertel der Stimmrechte an ProSiebenSat.1, teilte die insolvente Muttergesellschaft Kirch-Media mit. Damit findet ein rund einjähriges Tauziehen um die Fortführung der Kerngeschäfte des zusammengebrochenen Medien-Imperiums von Leo Kirch ein Ende.

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