Börsianer erwarten starke Schwankungen
Dax-Ausblick: Im Niemandsland

Mit Spannung erwarten Anleger die Quartalszahlen von BASF, BMW und der Commerzbank in der nächsten Woche. "Das Risiko ist natürlich, dass die Serie schlechter Nachrichten anhält und den Index weiter belastet", sagte Aktienstratege Klaus Schlote von Dresdner Kleinwort Wasserstein mit Blick auf den zuletzt wieder stark gefallenen Dax.

fgh/rtr FRANKFURT/DÜSSELDORF. Im Markt gebe es zwar die Hoffnung, dass der Dax seinen Boden gefunden habe. Berücksichtige man jedoch die Ergebnisse der Unternehmen, sei dies nicht zwingend anzunehmen, fügte der Stratege hinzu. "Es sieht nicht so aus, als ob die Unternehmensgewinne sich dieses Jahr noch bessern."

Neben den schwachen Unternehmensprofiten lasteten auch die zuletzt schlechten Konjunkturdaten auf den Aktienmärkten, ergänzte der Fondsmanager Markus Barth von Nordinvest. "Es gibt auch keine defensiven Aktien mehr, es brennt an allen Enden." Ein Vertrauen in Aktien sei derzeit nicht vorhanden.

Der Dax hat in der am Freitag zu Ende gehenden Woche per saldo kaum verändert tendiert, unterlag dabei aber extrem hohen Schwankungen. Während das wichtigste deutsche Börsenbarometer am vergangenen Montag noch den größten prozentualen Tagesanstieg seit mehr als einem Jahrzehnt verzeichnete, rutschte der Index seit der Prognosesenkung der Allianz am Mittwoch wieder deutlich ab. Nun kämpft das deutsche Börsenbarometer mit seinem charttechnischen Widerstand bei etwa 3 900 Punkten.

Die Anzeichen für eine Bodenbildung an den Aktienmärkten mehren sich nach Ansicht der Commerzbank. Die Bewertungsrelationen sowohl bei spekulativen als auch bei defensiven Titeln seien so gering, dass inzwischen von einer erheblichen Unterbewertung gesprochen werden könne, heit es in Frankfurt. Mittelfristig bestehe hier Aufwärtspotenzial.

Von konjunktureller Seite erwartet die Commerzbank in ihrem Wochenausblick eine weitere Erholung. Gerade aus Asien sollten Impulse für die Weltwirtschaft ausgehen, von denen auch der Aktienmarkt profitieren könne. Gleichzeitig rückten mögliche Zinserhöhungen weiter in die Ferne. Vor diesem Hintergrund sollten mittelfristig orientierte Privatanleger schwache Tage zu Käufen nutzen. Besonders defensive Titel wie Siemens böten sich zum Positionsaufbau an, heißt es.

Schwieriges Umfeld für Privatanleger

Auch das Bankhaus Ellwanger & Geiger erkennt an der Gesamtstimmung, "dass die Chancen für steigende Kurse inzwischen etwas höher sind, als das Risiko des Rückfalls." In ihrem wöchentlichen Dax-Ausblick schreiben die Stuttgarter von konjunktureller Seite dürften dem Aktienmarkt erst dann wieder größere Probleme entstehen, falls die Konjunkturdaten innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate keinerlei Erholungstendenz aufweisen sollten.

Charttechnisch sehe das Bild insgesamt unverändert aus: Der Dax befände sich zwischen 3 300 und 3 800 Punkten in einer kurzfristigen Erholungsphase. Erst ab 3 800 bis 4 200 Punkten sei von einer wirklichen Verbesserung zu sprechen. Ähnlich wie beim EuroStoxx 50 sei hier eine klare V-Formation zu erkennen, heißt es. Beim EuroStoxx 50 würde dies ab 2 850 Punkten ein klares Kaufsignal bedeuten. Beim Dow Jones sind dies erst 9 000 Punkte, ab dieser Marke entsteht ein klares Kaufdatum. "Dazwischen befinden wir uns, ähnlich wie beim Dax, in einer Art Niemandsland", so die Analysten.

Für den Privatanleger bietet sich nach wie vor ein schwieriges Umfeld, da es inzwischen keine Branche gibt, die nicht von einem Gewinneinbruch betroffen ist. Selbst die bisher doch relativ resistenten Öl Titel mussten nun mit schlechteren Zahlen aufwarten, letztes Beispiel Royal Dutch. Von den Branchen bevorzugt Ellwanger & Geiger unverändert Nahrungsmittel- und Getränke-Titel sowie nichtzyklische Konsumwerte. Unter den Nebenwerten wird Röhn-Klinikum als kaufenswert eingestuft (langfristiges Kursziel: 65 Euro).

BASF, BMW und Commerzbank im Fokus

Spannend dürfte in der kommenden Woche besonders der Donnerstag werden, wenn voraussichtlich die drei Dax-Firmen BASF, BMW und Commerzbank über die jüngste Geschäftsentwicklung berichten werden.

Bei der Commerzbank, der drittgrößten börsennotierten Bank in Deutschland, rechnen Analysten mit einem Verlust im zweiten Quartal. Dieser werde die Aktie weiter unter Druck setzen. "Die Rückkehr zur Profitabilität scheint weit entfernt zu sein", schrieben die Analysten von KBC Securities in einer Kurzstudie. "Wir sehen derzeit kaum Aufwärtspotenzial für die Aktie."

Für den Münchener Automobilhersteller BMW erwarten die Experten ein ähnlich starkes Quartal wie bei den meisten anderen europäischen Konkurrenten. BMW-Aktien haben seit Jahresbeginn erst ein Prozent verloren und sich damit wesentlich besser als die europäische Konkurrenz gehalten.

Europas größter Chemiekonzern BASF wird ebenfalls am Donnerstag Zahlen vorlegen. Analysten sagten, das Ergebnis könne die Prognose des Unternehmens, wonach der Umsatz und Gewinn 2002 auf Vorjahresniveau liegen werde, als konservativ erscheinen lassen. Entscheidend dürfte daher der Ausblick des Unternehmens auf das Gesamtjahr werden.

Fussball-WM dürfte Adidas-Ergebnis belasten

Auch Adidas-Salomon, der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt, wird in der nächsten Woche Zahlen präsentieren. Das Unternehmen hatte bereits angekündigt, das abgelaufene Quartal werde wegen hoher Marketing-Kosten für die Fußball-Weltmeisterschaft nicht besonders gut ausfallen. Anleger dürften daher besonders auf den US-Absatz sowie die Auftragseingänge achten. "Ich denke, ein leichter Anstieg in den USA ist wahrscheinlich", sagte der Analyst Michael Otto von der Helaba. "Es gibt in den USA immer mehr Interesse für Fußball und zusammen mit der WM könnte dies die Umsätze erhöht haben."

Das Interesse der Anleger dürften zudem die am Donnerstag erwarteten Zahlen der Deutschen Börse wecken. In den USA wird Cisco Systems, der weltgrößte Netzwerkausrüster, am Dienstag voraussichtlich die Zahlen für das Geschäftsjahr 2001/02 vorlegen und damit erfahrungsgemäß auch die deutschen Technologiewerte beeinflussen.

Nemax-Schwergewichte legen ebenfalls Zahlen vor

Von den Unternehmen des Neuen Marktes werden unter anderem die Schwergewichte Singulus, Aixtron und Qiagen wegen der Vorlage von Quartalszahlen Beachtung finden. Beim Anlagenbauer Singulus sei mit einem positiven Gesamtjahresausblick zu rechnen, schrieben die Analysten von SES Research in ihrer Wochenvorschau. Bei Aixtron komme es besonders auf den Auftragseingang an. Keine Überraschung gegenüber den vorläufigen Quartalszahlen erwarten die SES-Analysten beim Biotech-Unternehmen Qiagen.

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