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Börsianer halten nach US-Wahl Atem an - 'Wall Street liebt Bush'

Kurz nach der Präsidentschaftswahl in den USA halten die Finanzmärkte weltweit den Atem an. Während in Ohio und anderswo die Auszählung der Stimmen noch voll im Gange ist, gehen die Anleger bereits von einem Wahlsieg des Amtsinhabers George W. Bush aus.

dpa-afx FRANKFURT. Kurz nach der Präsidentschaftswahl in den USA halten die Finanzmärkte weltweit den Atem an. Während in Ohio und anderswo die Auszählung der Stimmen noch voll im Gange ist, gehen die Anleger bereits von einem Wahlsieg des Amtsinhabers George W. Bush aus. Unterdessen mehren sich die Stimmen, die einem Verbleib von Bush im Weißen Haus Positives abgewinnen können. "Die Wall Street liebt Bush", sagte Marktstratege Robert Halver von Vontobel.

Wer die Wahl gewinnt, ist den Märkten nach Ansicht von Börsianern fast egal. Wichtig sei nach wie vor ein zügiges Ende der Wahl mit einem eindeutigen Sieger. "Das Börsenherz schlägt zwar eher republikanisch, also für den Amtsinhaber, wichtiger sind aber klare Verhältnisse nach der Wahl", sagte Aktienstratege Klaus Stabel von der Wertpapierhandelsbank ICF Kursmakler. Ein wochenlange Gezerre wie vor vier Jahren "würde hingegen Unsicherheit schüren und wäre daher Gift für die Börsen".

Die Wiederwahl Bushs mindere indes die Unsicherheit an den Märkten. "Da weiß man was man hat", sagte Aktienhändler Markus Alefelder von der Baader Wertpapierhandelsbank. Das Festhalten an der gegenwärtigen Politik bedeutet laut Marktstratege Halver: "Die Politik der Steuersenkung wird fortgesetzt, während die von Kerry geplante Besteuerung der Dividenden ausbleibt."

So lange es keine absolute Klarheit darüber gibt, ob Bush tatsächlich gewonnen hat, werden die Märkte "weiter richtungslos rumdümpeln", sagte ein Aktienhändler. Bei einer wochenlangen Hängepartie wie vor vier Jahren dürfte auch der Dollar stark unter Druck kommen. Die Auswirkungen könnten dieses Mal noch zeitnäher und ausgeprägter sein, da der Dollar sich in einem Abwärtstrend befinde, sagte Devisenexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank.

Der Rohölpreis dürfte dagegen nur bei einem Sieg des demokratischen Herausforderers John Kerry sinken. Kerry sei eher als Bush bereit, die strategischen Ölreserven der USA anzuzapfen und damit den hohen Ölpreisen entgegenzuwirken.

An den Börsen befindet sich der Energiesektor dank der hohen Öl- und Erdgaspreise ebenfalls auf Höhenflug, und Bush ist der Branche erheblich besser gesonnen als Kerry. So würde ein Wahlsieg von Bush an den Aktienmärkten vermutlich den Rüstungs-, Energie-, Pharma-, Auto-und Luxuswaren-Einzelhändlern zu Gute kommen. Bush setzt weiterhin auf einen Ausbau des Pentagon-Etats, und der Irak-Konflikt bedeutet weitere hohe Ausgaben Washingtons. Kerry dürfte bei den Rüstungsausgaben sparsamer vorgehen.

Bush bleibt aller Wahrscheinlichkeit nach Präsident der USA. Zwar stand das Ergebnis der Wahl wegen der noch nicht abgeschlossenen Auszählung in Ohio am Mittwoch noch nicht fest. Allerdings galt es angesichts eines Stimmenvorsprungs von rund 140 000 Stimmen für Bush in diesem Schlüsselstaat als wenig wahrscheinlich, dass Kerry den Wahlsieg noch erreichen kann.

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