Börsianer legen am Mitttwoch zwei Schweigeminuten ein
Die Nervosität vor dem Jahrestag

Unsicherheit und Nervosität werden nach Ansicht von Börsianern am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 in den Handelsräumen der deutschen Banken vorherrschen. Aktienhändler sagten überwiegend, die Erinnerungen an den Kurssturz im Vorjahr sowie die aktuell wieder zunehmende Sorge vor Anschlägen werde zu einer starken Zurückhaltung im Handel am Mittwoch führen.

Reuters FRANKFURT. "Ich kann nicht sagen, was passieren wird, und gerade diese Unsicherheit führt zu einer großen Nervosität", sagte ein Düsseldorfer Aktienhändler. Latent sei die Furcht vor Anschlägen in den USA oder auch Deutschland bereits seit Tagen wieder im Markt und werde sich natürlich am Jahrestag der Anschläge besonders stark bemerkbar machen. "Die Nerven liegen natürlich schon etwas blank", hieß es im Handelsraum einer Frankfurter Großbank. Der Jahrestag werde zudem wegen zahlreicher Gedenkveranstaltungen ein besonders Tag, sagte ein Händler.

"Niemand kann natürlich prophezeien, was wirklich am 11. September passieren wird", sagte ein Aktienhändler. "Wenn aber etwas passiert, wird der Markt wohl abstürzen, zumindest ein kleiner Crash ist denkbar." Auf der anderen Seite sei jedoch auch eine Erholungsrallye möglich, sollte es nicht zu Anschlägen kommen. Diese könnte den Markt in den Tagen nach dem 11. September wieder in Richtung 4 000 Punkte steigen lassen. Aktuell tendiert der Deutsche Aktienindex (Dax) mit rund 3 400 Punkten nur unweit seines Fünf-Jahrestiefs bei 3 235 Zählern.

Aktienstratege Giuseppe Amato vom Broker Lang & Schwarz sagte, insgesamt dürften sich die Anleger und Händler zurückhalten und geringere Risiken als sonst eingehen. "Viele werden abwarten und den Tag einfach so vorbeigehen lassen. Insbesondere wird man bemüht sein, keine Positionen über den Tag hinweg offen zu halten."

"Wir werden sehr genau auf den Nachrichtenfluss achten", sagte ein weiterer Händler. Die Vorsicht vieler Anleger werde zudem zu geringen Umsätzen an der Börse führen, zumindest solange die Lage ruhig bleibe.

Mit Sorge verfolgen die Anleger am Aktienmarkt Händlern zufolge derzeit die Nachrichten aus Heidelberg, wo am Wochenende zwei mutmaßliche moslemische Extremisten verhaftet worden waren. Nach Angaben des Stuttgarter Innenministeriums wollte das Paar möglicherweise am Jahrestag des 11. September die Heidelberger Innenstadt oder US-Militäreinrichtungen in der Neckar-Stadt angreifen. Unter anderem seien fünf Rohrbomben sichergestellt worden.

"Der Jahrestag ist schon sehr symbolträchtig und auf jeden Fall ein Thema, auch wegen der Festnahmen in Heidelberg, sagte Maria Kopitzki, Rentenanalystin von der Bankgesellschaft Berlin "Schon jetzt ist eine Grundnervosität am Markt - in dieser Stimmung könnten auch kleinere Meldungen wie etwa Evakuierungen Kurssprünge auslösen."

Gedenken an die Ereignisse vor einem Jahr

Die Deutsche Börse wird am Mittwoch um 14.46 Uhr (MESZ) - dem Zeitpunkt des Einschlages des ersten entführten Flugzeugs in den nördlichen Turm des World Trade Centers - zwei Schweigeminuten für die Opfer der Anschläge auf New York und Washington einlegen. "Der Handel läuft zwar normal weiter, wir fordern aber alle Marktteilnehmer auf, in dieser Zeit nicht zu handeln", sagte ein Sprecher der Deutschen Börse. Auch die großen europäischen Marktplätze in Paris, London und Zürich planen Gedenkminuten. In New York werden die Börsen am Mittwoch wegen der Gedenkfeierlichkeiten nicht vor 17 Uhr (MESZ) und damit mit mindestens mit 90 Minuten Verzögerung eröffnen.

Am 11. September 2001 hatte der Dax zeitweise knapp zwölf Prozent verloren. Bis zum 21. September 2001 verlor Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer sogar knapp 25 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%