Börsianer suchen die helfende Hand der Notenbank
US-Märkte spekulieren auf weitere Zinssenkung

Angesichts der aktuellen Börsenschwäche und der Vertrauenskrise in der Wirtschaft erwarten immer mehr Marktteilnehmer in den USA eine erneute Zinssenkung der Notenbank Federal Reserve (Fed).

NEW YORK. So stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinssenkung an den Terminmärkten für Federal Funds in den vergangenen Tagen zeitweise auf mehr als 75 %. Der Markt sendet damit die Botschaft an die Fed, Vertrauen und Liquidität wiederherzustellen, sagt Gerald Lucas, Bond-Stratege bei der Investmentbank Merrill Lynch.

Eine erneute Zinssenkung käme einer kleinen Sensation gleich. Die Fed hatte Mitte März angesichts der wirtschaftlichen Erholung in den USA eine neutrale Haltung zur Konjunkturentwicklung eingenommen. Da sie zuvor immer die Risiken einer wirtschaftlichen Abkühlung betont hatte, werteten Beobachter die neue Haltung der Fed als Anzeichen für eine Zinswende nach oben. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik wäre nicht ungefährlich: Sie könnte als Zeichen von Panik interpretiert werden. Die Notenbank könnte in die Nähe einer Liquiditätsfalle geraten. Dabei verpuffen Zinssenkungen wirkungslos, ohne realwirtschaftlichen Wirkungen zu entfalten - wie in Japan. In seinem jüngsten Bericht vor dem Kongress hat Fed-Chef Alan Greenspan zwar auch vor den konjunkturellen Risiken der Börsenschwäche gewarnt. Insgesamt zeichnete er jedoch ein positives Bild der wirtschaftlichen Lage und erhöhte seine Wachstumsprognose für dieses Jahr auf 3,5 bis 3,75 %. Die Verluste an den Aktienmärkten würden weitgehend durch die hohen Immobilienpreise aufgefangen, so Greenspan.

Bill Dudley, Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs, rechnet deshalb auch nicht mit einer schnellen Zinssenkung. Die Fed werde zunächst abwarten, welche negativen Auswirkungen die Vermögensverluste an den Aktienmärkten auf den privaten Verbrauch und das Investitionsverhalten der Unternehmen hätten. "Aus unserer Sicht ist eine Lockerung in den nächsten sechs Monaten jedoch wahrscheinlicher als eine Zinserhöhung", sagt Dudley. Auch David Wyss, Chefökonom der Ratingagentur Standard & Poor?s, hält eine Zinssenkung für möglich. "Entscheidend ist, wie sich die akute Börsenschwäche auf die reale Wirtschaft auswirkt", sagt er. Der gestrige Einbruch bei den Aufträgen für dauerhafte Wirtschaftsgüter sei kein gutes Zeichen. Die Bestellungen gingen im Juni um 3,8 % zurück.

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