Boll-Team glänzt wie Gold - China eine Klasse für sich
DTTB-Herren holen WM-Silber

Timo Boll und seine Kollegen haben sich in der Wüste von Katar mit heißen Herzen auf Platz zwei geschmettert und die Messlatte für die Weltmeisterschaften 2006 in Bremen hoch gelegt. Nur Rekordweltmeister China verhinderte den ersten WM-Titel für die Herren des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB).

HB DOHA. Die Ausnahmekönner aus dem "Reich der Mitte" gewannen am Sonntag das Finale in Doha mit "Tischtennis vom anderen Stern" glatt mit 3:0 und bestiegen zum 14. Mal den WM-Thron. Für den DTTB, dessen Herren zum zweiten Mal nach 1969 in München im WM-Finale standen, glänzte nach einem mutigen, aber erfolglosen Aufstellungspoker das Silber wie Gold.

"Das ist der größte WM-Erfolg für unsere Herren-Mannschaft. Vor 35 Jahren war China nicht dabei", bewertete DTTB-Präsident Walter Gründahl das insgesamt sechste WM-Edelmetall und den inoffiziellen Titel als bestes europäisches Team. Die deutschen Damen verpassten zwar die Medaillenränge, verbesserten sich aber im Vergleich zum Turnier 2001 um drei Plätze auf Rang sechs. Damit sind auch sie in Bremen dabei. Im Damen-Finale stockte Abonnements-Weltmeister China die Titelsammlung durch ein 3:0 über Hongkong auf 15 auf.

"Wir wollen die chinesische Mauer etwas zum Bröckeln bringen", hatte Rekord-Nationalspieler Jörg Roßkopf vor dem Finale erklärt. Doch die Hoffnungen auf einen Sensationssieg erfüllten sich nicht.

Die Chinesen, die bereits zum Auftakt der Finalrunde Boll und Co. mit 3:0 in 85 Minuten vom Tisch gefegt hatten, dominierten auch die Revanche überaus deutlich. Die DTTB-Auswahl hatte am Samstag ihre zweite Finalchance durch ein glanzvolles 3:1 über den WM-Dritten Südkorea genutzt und verzichtete im Endspiel auf Routinier Roßkopf.

"Wir wollten nach der klaren Niederlage im ersten Spiel etwas Neues ausprobieren", sagte Herren-Coach Istvan Korpa. Doch die Rechnung ging nicht auf. Der Weltranglisten-Zehnte Boll (Gönnern) kassierte einen Tag vor seinem 23. Geburtstag gegen die Nummer drei Wang Hao eine herbe 0:3-Pleite. Der 18-jährige Youngster Christian Süß (Düsseldorf) knöpfte in seinem dritten Länderspiel dem Weltranglisten-Ersten Ma Lin nach starker Leistung zumindest einen Satz ab. Das 1:3 von Zoltan Fejer-Konnerth (Grenzau) gegen Wang Liqin trübte die Freude über WM-Silber kaum.

"Wir waren kein Ein-Mann-Team. Es herrschte eine fantastische Stimmung", unterstrich Boll den Teamgeist im deutschen Quintett. Ex-Europameister Boll überzeugte auch ohne Bestform mit einer 8:3-Bilanz als Führungsspieler. Dahinter füllten Roßkopf (2:4), Fejer-Konnerth (4:3), Torben Wosik (3:0) und Süß (1:2) fast alle Lücken. "Das Schlüsselspiel war der historische Sieg über Schweden. Danach war die Mannschaft im Fluss und hat den Aufwind genutzt", analysierte Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig den eindrucksvollen WM-Auftritt mit sechs Siegen und zwei Niederlagen gegen China.

"Riesenkompliment an das Team. Wir dürfen aber den Titel nicht aus den Augen verlieren", sagte DTTB-Vizepräsident Eberhard Schöler. Die Herren-Auswahl wird sich mit den Leistungen von Doha mittelfristig in den Medaillenrängen bei WM und EM festsetzen. Als ernsthafter Herausforderer von China ist aber noch viel Arbeit nötig.

Bei den Damen sieht die Zukunft nach dem Rücktritt von Jie Schöpp (Kroppach) nicht so rosig aus. Europa Top 12-Siegerin Nicole Struse (Kroppach) und Elke Wosik (Busenbach) bleiben als Leistungsträgerinnen übrig. "Wir stellen in Bremen ein wettbewerbsfähiges Team", versprach Damen-Bundestrainer Richard Prause. "Dazu müssen wir die Kluft zwischen erfahrenen und jüngeren Spielerinnen noch mehr schließen", sagte Schimmelpfennig.

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