Bollywood als Lifestyle
Bollywood-Filme ohne Erfolg in Deutschland

Als der indische Film "Monsoon Wedding" vor einem Jahr in die deutschen Kinos kam, sagten Filmkritiker die "Bollywoodisierung des Abendlandes" voraus. Doch der Siegeszug der indischen Filmindustrie blieb in Deutschland aus.

Reuters BERLIN. "Im Herbst wird das Thema durch sein", sagt Ingrid Ziegler von Universum Film. Die Verleihfirma bringt am Donnerstag den Film "Bollywood Hollywood" in die deutschen Kinos. Gerade noch rechtzeitig, sagt Ziegler. Denn noch könne er auf dem Höhepunkt der "Bollywood"-Welle mitschwimmen, die die Mode-, Musik- und Lifestyle-Industrie erfasst habe.

Bollywood, das ist die größte Filmindustrie der Welt. Der Name leitet sich von Hollywood und der indischen Stadt Bombay ab, die mittlerweile Mumbai heißt. Hier werden indischen Medien zufolge durchschnittlich 800 Filme im Jahr produziert. Für das deutsche Publikum sind sie jedoch schwer verdaulich. "Zu episch, zu lang, zu schwer für das 14jährige Mädchen, das mit einer Bollywood-Tasche herumläuft", sagt Ziegler.

In vielen Städten werden Bollywood-Tanzkurse angeboten, Bollywood-Parties gefeiert und auf den Modenschauen Ali-Baba-Schlappen präsentiert. Der Kitsch habe den Purismus der 90er-Jahre abgelöst, sagt Birgit Gebhardt von der Beratungsfirma Trendbüro. Die Bollywood-Euphorie sei eine neue Form der Orientsehnsucht, wie sie früher in Karl-May-Büchern ihren Ausdruck gefunden habe. Nur die Filme dazu will in Deutschland offenbar kaum jemand sehen. Sie werden meist nur in ausgewählten Programmkinos gezeigt.

"Bollywood Hollywood" ist jedoch kein klassischer Bollywood-Film. Er wurde nicht in Mumbai produziert, sondern in Toronto. Wie in "Kick it like Beckham" sind die Hauptfiguren Exil-Inder. Auch die Regisseurin Deepa Metha lebt in Kanada. Sie kommt dem Geschmack des westlichen Publikums entgegen. Mit 105 Minuten ist er viel kürzer als die klassischen drei bis vierstündigen Bollywood-Epen. Und geküsst wird in dem Film auch - undenkbar für eine Produktion aus Mumbai. "Die für Bollywood typischen Bonbonfarben sind abgedämpft", sagt Sven Andresen von der Vertriebsfirma Central Film. Er rechnet mit mindestens 300 000 Besuchern.

Zum Vergleich: Den klassischen Bollywood-Film "Sometimes happy, sometimes sad", der im April in Deutschland anlief, haben bislang gut 15 000 Menschen gesehen. Dabei ist es der erste Film dieser Art, der mit deutschen Untertiteln erschien. "Diese Investition hatte bis dahin noch niemand gewagt", sagt Nina Lobinger von der Verleihfirma Rapid Eye Movies. In England, den USA und Kanada, wo viele indische Einwanderer leben, sei das anders. "Aber in Deutschland wird ein solcher Film nie ein Hollywood-Publikum erreichen", sagt Lobinger.

Vielleicht kommt die "Bollywoodisierung" ja durch die Hintertür in das Abendland: Der Regisseur Baz Luhrmann hat sich für seinen Film "Moulin Rouge" viel von Bollywood abgeschaut. Andrew Lloyd Webber hat ein Musical über Bollywood geschrieben. Und die Bollywood-Schauspielerin Ashwarya Rai spielt das neue Bond-Girl.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%