Bombardement wird nicht ausgesetzt
Schwere Luftangriffe auf Ziele im Zentrum von Kabul

Ungeachtet der Forderungen internationaler Hilfsorganisationen nach einer Angriffspause haben die US-Streitkräfte ihr Dauerbombardement in Afghanistan fortgesetzt. Am zwölften Tag der Offensive wurden am Donnerstag auch Angriffe auf Ziele im Zentrum der Hauptstadt Kabul geflogen.

ap KABUL/NEW YORK. Vor Sonnenaufgang griffen die US-Kampfflugzeuge ein Viertel der Stadt an, in dem sich ein Panzerlager und weitere Militäreinrichtungen befanden. Nach Taliban-Angaben gingen die Bomben auch in der Nähe der verlassenen US-Botschaft nieder. In der Gegend liegen ebenfalls das Verteidigungsministerium der Miliz und eine Taliban-Garnison.

Eine Explosion schien aus dem Gebiet zu kommen, in dem sich der Präsidentenpalast befindet. Wegen des nächtlichen Ausgehverbots war es aber unmöglich, die genauen Orte der Bombenexplosionen zu bestimmen. Nahe dem Flughafen im Norden Kabuls stiegen Flammen auf. In Kandahar wurden nach Angaben der Taliban militärische Ziele in der gesamten Stadt bombardiert. Auch aus Dschalalabad wurden neue Angriffe gemeldet.

US-Präsident George W. Bush erklärte in Kalifornien, dass die Luftangriffe "den Weg für verbündete Truppen auf dem Boden bereiten" sollten. Es war der bislang deutlichste Hinweis auf die Rolle, die die oppositionelle Nordallianz in dem Krieg spielen könnte. Die Truppen der Nordallianz stehen den Taliban-Soldaten seit Tagen im Kampf um Masar-i-Scharif gegenüber. Die Taliban räumten Geländeverluste in einigen Regionen um die Stadt ein, erklärten jedoch, die Oppositionstruppen bei einer Schlacht im Süden von Masar-i-Scharif zurückgeschlagen zu haben.

Im benachbarten Pakistan erneuerten extremistische Gruppen ihr Versprechen einer Unterstützung des Regimes in Kabul. Zehntausende Freiwillige seien zum Kampf an der Seite der Taliban bereit, sagte Maulana Samiul Haq, der Vorsitzende des Afghanischen Verteidigungsrats, einem Taliban-freundlichen Bündnis von 35 islamistischen und militanten Gruppen.

Die Taliban gaben ein am Dienstag besetztes Warenlager des Welternährungsprogramms (WFP) wieder frei, wie die UN mitteilten. In dem Gebäude wurde vor allem Weizen zur Versorgung der hungernden Bevölkerung gelagert. Internationale Hilfsorganisationen hatten am Mittwoch in Islamabad eine Angriffspause gefordert, um die Menschen mit Nahrungsmitteln versorgen zu können.

Gegen Blauhelmeinsätze in Afghanistan

Der Beauftragte der Vereinten Nationen für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, riet unterdessen dringend davon ab, nach Ende der US-Militäraktionen UN-Blauhelmtruppen in das Land zu entsenden. Die Afghanen ließen sich nicht gern von Fremden bevormunden, erst recht nicht von Uniformierten, sagte der ehemalige algerische Außenminister am Mittwoch in New York.

Nach den Vorstellungen der US-Regierung könnte eine internationale Geberkonferenz beim Aufbau des zerstörten Landes helfen. Dabei sollten die Vereinten Nationen eine führende Rolle spielen, hieß es. Nach einem Sturz des Taliban-Regimes benötige eine wie auch immer zusammengesetzte afghanische Regierung die politische und finanzielle Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft. Bush kündigte an, Pakistan mit 50 Mill. Dollar (rund 108 Mill. Mark) zu unterstützen. Die Zahlung sei wichtig zur Wahrung der Sicherheitsinteressen der USA.

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