Bombardier entgeht Großauftrag
Bahn bestellt keine weiteren Neitech-Züge

Die Deutsche Bahn AG will künftig keine weiteren Neigetechnik-Triebzüge der Baureihe 612 beschaffen. Frühere Pläne, neben 200 bestellten und zum Großteil bereits ausgelieferten Zügen weitere 100 Einheiten zu ordern, wurden auf Eis gelegt, erfuhr das Handelsblatt aus Vorstandskreisen der Bahn. Im Verhältnis zu ihrem Nutzen, auf Kurvenstrecken schneller fahren zu können, seien die Züge zu teuer, hieß es.

ek DÜSSELDORF. Davon betroffen ist in erster Linie der kanadische Bombardier-Konzern, der mit der Übernahme des Bahntechnik-Herstellers Adtranz vor zwei Jahren auch den Neitech-Zug in seinen ostdeutschen Werken weitergebaut hatte. Ein Unternehmenssprecher zeigte sich auf Anfrage "völlig überrascht" von der Haltung der Bahn. Bombardier rechne fest mit der Bestellung einer weiteren Großserie. Ein Auftrag über 100 Züge hätte Handelsblatt-Informationen zufolge ein Volumen von gut 350 Mill. Euro.

Die Euphorie über die Möglichkeiten der Neigetechnik-Züge habe in den letzten Jahren deutlich abgenommen, hieß es in Bahnkreisen. Dies sei unabhängig von der kürzlich publizierten Strategie, neue Fahrzeuge nur noch dann zu kaufen, wenn deren Einsatz mit den Bundesländern verbindlich für mehrere Jahre sicher gestellt sei. Der Hintergrund: Für den Einsatz der Neige- Technologie müssen die entsprechenden Strecken besonders hergerichtet und außerdem die Signalsysteme für höhere Geschwindigkeiten präpariert werden. Das koste viel Geld, auch im Verhältnis zu gewonnenen Reisezeit-Minuten.

Hinzu kommt, dass die DB Netz AG für Neigetechnik-Züge erheblich höhere Trassenpreise fordert. "Schon deshalb ist der 612 bei den Bundesländern, die ja die Nahverkehrsleistungen bestellen und bezahlen müssen, schlicht unverkäuflich", sagte ein Branchenkenner. Eine Rolle für die Zurückhaltung der Bahn spielt auch, dass die Züge wegen der aufwändigen, elektronisch gesteuerten Neigetechnik verhältnismäßig teuer sind. Die von anhaltenden Pleiten und Pannen überschattete Vorserie der Baureihe 611 habe noch 5 Mill. DM pro Zug gekostet, heißt es bei der Bahn. Beim derzeitigen Auftrag müsse die Bahn schon deutlich über 3,5 Mill. Euro je zweiteiligem Fahrzeug hinlegen.

Die 50 Züge der Baureihe 611 sind zwar noch im Bahn-Einsatz, sie sollen aber nach und nach durch Fahrzeuge der weiter entwickelten Reihe 612 ersetzt werden. Nach diversen, Monate dauernden Totalausfällen wurden sämtliche 50 Fahrzeuge nach und nach einer "Rollkur" unterzogen. Sie seien heute "topfit", sagte eine Bahn-Sprecherin, während die Nachfolge-Serie durchaus noch nicht völlig problemfrei fahre. Nach Absprache mit dem Hersteller sollen gleichwohl alle 611-er aus dem Verkehr gezogen und ins Ausland exportiert werden. Spekulationen darüber, dass es bei der Fahrzeug-Rücknahme der Serie zwischen Bahn und Bombardier zu Problemen komme, wollten beide Seiten nicht kommentieren.

Quelle: Handelsblatt

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