Bombardier fühlt sich übervorteilt und fordert eine Milliarde Euro an Schadensersatz: Daimler droht Milliardenklage

Bombardier fühlt sich übervorteilt und fordert eine Milliarde Euro an Schadensersatz
Daimler droht Milliardenklage

Für Daimler-Chrysler hat der Verkauf der Bahntochter Adtranz an den kanadischen Bombardier-Konzern ein Nachspiel. Bombardier will den Autokonzern vor einem Schiedsgericht verklagen und verlangt eine Milliarde Euro Schadensersatz. Der Grund: Bei näherer Prüfung will Bombardier bei Adtranz hohe versteckte Kosten gefunden haben.

ajo/brb/fmd/gbr HB STUTTGART/OTTAWA. Zwischen dem kanadischen Bombardier-Konzern und der Daimler-Chrysler AG ist offener Streit um den Kaufpreis für den Bahntechnikhersteller Adtranz ausgebrochen. Bombardier, Weltmarktführer in der Bahntechnik, hatte das langjährige Daimler-Sorgenkind Adtranz im vergangenen Jahr für 790 Mill. Euro übernommen. Doch bei näherer Prüfung habe sich gezeigt, dass man bei diesem Geschäft kräftig drauflegen müsse, werfen die Kanadier Daimler-Chrysler vor. Bombardier Inc will den Stuttgarter Konzern deshalb vor dem Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer auf 1 Mrd. Euro Schadensersatz verklagen.

Daimler-Chrysler weist alle Vorwürfe entschieden zurück. "Daimler-Chrysler hält die von Bombardier behaupteten Schadensersatzansprüche für abwegig und in jeder Hinsicht unbegründet", erklärte Vorstandsmitglied Manfred Bischoff. Der Konzern werde sich deshalb mit allen verfügbaren Mitteln zur Wehr setzen.

Der Hauptvorwurf von Bombardier sind hohe Kosten im Zusammenhang mit der Erfüllung von Verträgen gegenüber alten Adtranz-Kunden, sagte eine Bombardier-Sprecherin dem Handelsblatt. Sie bezifferte sie auf 850 Mill. Euro. "Wir hätten Adtranz nicht gekauft, wenn wir die Probleme gekannt hätten", sagte die Sprecherin. Die Kosten seien nach US-GAAP nicht ordentlich bilanziert worden. Bombardier müsse jetzt viel Geld in Adtranz stecken.

Bombardier hat zwar den Kauf von Adtranz mit Daimler-Chrysler im August 2000 vereinbart. Die Kanadier konnten allerdings erst nach der Zustimmung der Kartellbehörden und der tatsächlichen Übernahme zum 1. Mai 2001 in die Bücher sehen. Bombardier beauftragte dann die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mit der Erstellung einer Bilanz. Im Kaufvertrag war festgelegt, dass der Kaufpreis anhand dieser Bilanz nochmals überprüft und gegebenenfalls angepasst werden sollte.

Daimler-Chrysler hat die Adtranz-Bilanz von der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG prüfen lassen. KMPG verweigerte jedoch das Testat. Laut Daimler-Chrysler habe Bombardier die notwendigen Nachweise entgegen dem Vertrag "in großem Umfang" nicht erbracht. Doch ohne eine testierfähige Bilanz sei eine Kaufpreisanpassung vertraglich nicht vorgesehen, betont der Stuttgarter Konzern.

Die Bombardier-Sprecherin widersprach: Man sei bereit gewesen, Unterlagen nachzureichen. Vor einer Woche seien die Gespräche dann gescheitert. Deshalb ziehe Bombardier vor das Schiedsgericht. Diesen Ausweg hatten sich beide Parteien für den Fall offen gelassen, dass es über den endgültigen Kaufpreis zu keiner Einigung kommt. Bis zur Einreichung der Klage werde es aber noch einige Monate dauern.

Die in Montreal ansässige Bombardier ist ein international agierender Konzern, der Flugzeuge, Schienenfahrzeuge und Motorschlitten baut. Mit der Produktion von Motorschlitten begann in den 40-er Jahren der Aufstieg von Bombardier. Im Geschäftjahr 2000 setzte das Unternehmen rund 11,2 Mrd. Euro um und erwirtschaftete einen Reingewinn von gut 680 Mill. Euro. Zum 1. Mai 2001 beschäftigte der Konzern weltweit 79 000 Mitarbeiter.

Bombardier ist durch die Übernahme von Adtranz weltweit zur Nummer eins unter den Bahntechnik-Herstellern aufgestiegen. Davor hatte Bombardier in Ostdeutschland die Deutsche Waggonbau übernommen. Momentan hat der Konzern vor allem mit den ostdeutschen Werken Probleme. Jüngst hatte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder für den Erhalt der Werke stark gemacht.

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