Bombardier steigt nicht ein
Dornier droht das endgültige Aus

Der insolvente deutsche Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier steht vor dem endgültigen Aus. Bombardier kündigte am Dienstag an, nicht mehr bei dem bayerischen Unternehmen einsteigen zu wollen. Vorerst gehen 1 200 Jobs verloren - und mit ihnen wichtiges Know-How im Flugzeugbau.

OBERPFAFFENHOFEN. Dem insolventen deutschen Regionalflugzeugbauer Fairchild Dornier droht das endgültige Aus. Der vorläufige Insolvenzverwalter Eberhard Braun schockierte die Belegschaft in Oberpfaffenhofen am Dienstag mit der Meldung, Bombardier habe die Gespräche zur geplanten Übernahme des 728Jet-Programms abgebrochen. Auf diesem neu entwickelten 70-Sitzer, der von Luftfahrtexperten als technologische Meisterleistung gerühmt wird, ruhten bis zuletzt die ganzen Zukunftshoffnungen des bayerischen Flugzeugbauers.

Zugleich kündigte Braun an, dass mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang Juli bis zu 1 200 Arbeitsplätze abgebaut werden müssten. Derzeit beschäftigt Fairchild Dornier noch 3 600 Mitarbeiter. Der kanadische Regionaljet-Marktführer Bombardier bestätigte das Ende der Verhandlungen nüchtern via Pressemitteilung: Nach fünfwöchiger Überprüfung sei man zum Ergebnis gekommen, dass das 728-Programm nicht die Bedingungen für ein Bombardier-Investment erfülle. In Unternehmenskreisen hieß es, Zulieferbetriebe hatten sich nicht auf Preiszugeständnisse in Höhe von 20 % einlassen wollen. Daran seien die Verhandlungen letztlich gescheitert.

Die noch notwendigen Entwicklungskosten für den 728Jet hatte Bombardier-Chef Brown kürzlich auf 400 Mill. $ beziffert. Fairchild Dornier hatte zuvor bereits mehr als 1 Mrd. $ in den neuen Jet investiert und musste wegen ausbleibender Umsätze im April Insolvenz anmelden. Auch der US-Luftfahrtriese Boeing hatte einen Einstieg bereits mit der Begründung abgelehnt, mit diesem Projekt könne Boeing kein Geld verdienen. Insolvenzverwalter Braun sprach von "einem weiteren Interessenten" für das Programm. Nach Handelsblatt-Informationen soll es sich um den italienischen Luftfahrtkonzern Alenia handeln.

Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung erklärten sich gestern bereit, das Projekt finanziell weiter zu unterstützen: "Wir sind davon überzeugt, dass die Regionaljetfamilie im Markt nach wie vor gute Chancen hat", hieß es. Doch die Chancen schwinden nach der Bombardier-Absage auf ein Minimum. Bis auf die Großbestellung des Erstkunden Lufthansa, dessen Techniker bei der Entwicklung Pate standen, hat Fairchild Dornier als Folge der Insolvenz all seine Aufträge für den 728Jet verloren.

Braun ist zuversichtlich, dass wenigstens die beiden anderen Firmenteile überleben werden. Für die Fertigung der Airbus-Komponenten gebe es mehrere Interessenten, hieß es. Auch das 30-Sitzer-Programm 328Jet habe noch Chancen, von einer Schweizer Investorengruppe übernommen zu werden. Dennoch herrscht Tristesse in der deutschen Luftfahrt: Kern der ehrgeizigen Dornier-Wachstumsziele war das ehrgeizige 728-Programm.

Quelle: Handelsblatt

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