Bombardier verfolgt die Lage plötzlich mit großem Interesse
Neue Hoffnung für Fairchild Dornier

In die Gespräche um die Zukunft des insolventen Regionalflugzeugherstellers Fairchild Dornier kommt Bewegung. Auf der Suche nach einem strategischen Investor für das Unternehmen aus Oberpfaffenhofen meldete sich mit Bombardier am Montag ein neuer Hoffnungsträger zu Wort.

BERLIN. "Wir schauen mit großem Interesse auf die Situation bei Fairchild Dornier - wie andere Mitbewerber auch", sagte John Paul Macdonald, Kommunikationschef bei Bombardier Aerospace, auf der ILA in Berlin.

Branchenkenner werten dies als eindeutige Kehrtwende in der Strategie des weltgrößten Regionaljetherstellers. Bisher kam aus der kanadischen Firmenzentrale stets ein kategorisches Nein auf die Frage, ob Bombardier an der insolventen Fairchild Dornier interessiert sei. "Die Situation hat sich verändert, mehr können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen. An Spekulationen beteiligen wir uns nicht", deutete Macdonald vage ein Umdenken an der Spitze des kanadischen Verkehrskonzern an.

Wie es aus Unternehmenskreisen heißt, soll noch in dieser Woche eine Entscheidung über die Zukunft des letzten deutschen Regionalflugzeugbauers fallen. Denn die Zeit drängt - vor allem, weil das Unternehmen bei anhaltender Ungewissheit seine wichtigsten Flugzeugingenieure zu verlieren droht. "Es gibt einen großen Zeitdruck", bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter Braun. Das einstweilige Fortbestehen von Fairchild Dornier ist nur noch bis Ende Juni durch einen Massekredit eines deutschen Bankenpools in Höhe von 90 Mill. Euro gesichert. Der Flugzeugbauer arbeitet fieberhaft daran, bis Sommer seinen neu entwickelten 70-Sitzer in die Luft zu bringen. Der 728Jet aus Oberpfaffenhofen wird in der Branche als technologisch überlegenes Flugzeug gesehen, das die günstigeren Betriebskosten eines Regionalflugzeugs mit dem Komfort eines großen Jets verbinden soll. Ohne einen neuen Investor droht dem stolzen Vogel allerdings noch vor dem Erstflug das Aus.

Neben Bombardier galt bisher in erster Linie Boeing als potenzieller Übernahmekandidat. Doch Vorstandschef Phil Condit, der als Befürworter einer Fairchild-Dornier-Übernahme gilt, spürt seit Wochen Gegenwind aus den eigenen Reihen. Vize-Chairman Harry Stonecipher betonte kürzlich, im Regionalflugverkehr sei für Boeing kein Geld zu verdienen. Deshalb sei der US-Konzern zu dem Ergebnis gekommen, nicht in Fairchild Dornier zu investieren.

Bombardier, vor dem brasilianischen Konkurrenten Embraer die Nummer eins im Regionaljetgeschäft, sieht sich ebenfalls im Zwiespalt. Mit dem CRJ 700 verfügt der Konzern bereits über einen 70-Sitzer, der gut im Markt positioniert ist. "Gegen die neuen Modelle von Embraer und Dornier hätten sie allerdings einen schweren Stand", sagte der Manager eines Flugzeugzulieferers. Eine Übernahme des 728-Programms könne deshalb durchaus Sinn machen. Außerdem könne sich Bombardier zu einem vergleichsweise günstigen Preis eine der modernsten Fertigungsanlagen im Flugzeugbau sichern.

Quelle: Handelsblatt

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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