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Bombardier-Werke besetzt

Beschäftigte der von der Schließung bedrohten ostdeutschen Werke des Bahntechnikkonzerns Bombardier Transportation in Ammendorf und Vetschau haben nach IG Metall-Angaben die beiden Produktionsstätten besetzt.

rtr BERLIN. "Die wollen endlich wissen, was Sache ist und die Schließung abwenden", sagte eine IG Metall-Sprecherin am Montag. Unterdessen zeichneten sich nach Gesprächen von Politikern, darunter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), mit der Führung des Unternehmens Hoffnungen für die beiden Werke ab. "Wir sind auf gutem Wege", sagte Schröder. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) sprach nach einem Gespräch mit Firmenchef Pierre Lortie von einem Durchbruch, was die Sicherung der rund 800 Arbeitsplätze in Ammendorf angehe.

Die Belegschaften in Halle-Ammendorf und in Vetschau nahe Cottbus besetzten nach Gewerschaftsangaben die beiden Werke auf unbefristete Zeit. "Dieser entschlossene Schritt der Kolleginnen und Kollegen ist ein deutliches Signal an die Bombardier-Manager, dass Hinhaltetaktik, so geschickt sie auch eingesetzt wird, den Konflikt nicht regeln wird", sagte der Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef des Unternehmens ist. Eine Gewerkschaftssprecherin ergänzte: "Wir wissen von Bombardier nichts". Die Beschäftigten sei bislang nicht mitgeteilt worden, wie es weitergehe.

Bombardier hatte Ende der vergangenen Wochen nach großer Unruhe unter seinen Arbeitnehmern und Druck durch die Politik die Stilllegungsbeschlüsse erst einmal ausgesetzt und die für Montag angesetzte Aufsichtsratssitzung abgesagt, auf der die Schliessung der Werke Ammendorf und Vetschau besiegelt werden sollte. Ein neuer Termin soll Anfang Februar gesetzt werden. Ursprünglich plante das Unternehmen, gemäß einer neuen Strategie die Zahl seiner deutschen Werke von elf auf neun zu vermindern. Die Werke Ammendorf mit 800 und Vetschau mit 110 Mitarbeitern sollten geschlossen werden.

Schröder hatte am Sonntagabend mit Firmenchef Pierre Lortie in Hannover gesprochen. Dabei habe er das Interesse der Bundesregierung am Erhalt und Ausbau des Engagements von Bombardier in Deutschland geäußert, hieß es in einer Mitteilung der Regierung. Die vom Unternehmen verfügte Aussetzung des Stilllegungsbeschlusses ermögliche neue Gespräche über die Sicherung des Standortes. Beide Seiten wollten nun gemeinsam versuchen, dem Standort Ammendorf eine langfristige wirtschaftliche Perspektive zu erschließen. "Wir haben noch kein Endergebnis, aber es gibt für Ammendorf Licht am Ende des Tunnels", erklärte Schröder.

Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye ergänzte am Montag auf die Frage, ob die Regierung eine Gegenleistung für einen Verzicht auf die Werksschließungen in Aussicht gestellt habe: "Wir haben keine Angebote gemacht". Es gehe darum, einen an sich lebensfähigen Standort neu zu bewerten. Schröder werde am Wochenende mit Betriebsratsvertretern in Ammendorf zusammenkommen, erklärte Heye.

Über die Zukunft des Werks Ammendorf sprachen am Montag auch Sachsen-Anhalts Regierungschef Reinhard Höppner (SPD) und Lortie in Magdeburg. Dabei gelang nach Höppners Worten ein Durchbruch, was die Sicherung der gefährdeten Arbeitsplätze betreffe. Weitere Gespräche seien geplant. Lortie sagte, seinem Unternehmen sei klar, dass die Sicherung von Arbeitsplätzen in dem Land Priorität habe.

Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) sprach nach Angaben seiner Staatskanzlei am Sonntagabend ebenfalls mit führenden Vertretern von Bombardier. Im Zentrum habe die Zukunft des Werks Vetschau gestanden. Stolpe habe deutlich gemacht, dass kein Mitarbeiter des Werkes arbeitslos werden dürfe und die Produktionsstädte erhalten bleiben müsse. "Stolpe geht davon aus, dass diese Erwartung berücksichtigt wird", hieß es.

Eine IG-Metall-Sprecherin kommentierte die Gesprächsergebnisse der Politiker mit der Firmenführung zurückhaltend. "Das wäre schön, wenn es so wäre", sagte sie zur Hoffnung auf einen Erhalt der Werke. Der Mischkonzern Bombardier hatte vor mehr als einem Jahr von Daimler-Chrysler das Bahntechnik-Unternehmen Adtranz übernommen. Der Verkehrstechnik-Bereich von Bombardier, Bombardier Transportation, beschäftigt in Deutschland in elf Werken rund 9200 Mitarbeiter.

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