Bombe explodiert
Selbstmord-Attentat in jüdischer Siedlung

Drei Israelis sind nach Polizeiangaben in der jüdischen Siedlung Ariel am Sonntag getötet worden, weil die Bombe eines von ihnen gefassten Selbstmordattentäters explodierte.

Reuters ARIEL. Die Explosion in der 17 000-Einwohner-Siedlung östlich von Tel Aviv fiel mit einer Regierungskrise in Israel zusammen, die durch einen Streit um die weitere Finanzierung der Siedlungen in den besetzten Gebieten ausgelöst wurde. Die 145 jüdischen Siedlungen im Westjordanland und im Gaza-Streifen werden von der internationalen Gemeinschaft als völkerrechtlich illegal betrachtet. Sie gelten als ein Haupthindernis für eine Lösung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern. Viele Israelis sehen sich mit der Siedlungspolitik jedoch im Recht.

Zahlreiche Anschläge radikaler Palästinenser richteten sich gerade gegen diese Siedlungen. Offenbar plante dies auch er Attentäter von Ariel. Ein Augenzeuge berichtete im Rundfunk: "Ich sah, wie der Tankstellenchef und einer seiner Mitarbeiter den Terroristen entdeckten und ergriffen. Als sie ihn hatten, forderten sie die Soldaten auf, ihn zu erschießen. Sie schossen auf ihn ... und kamen näher." Dann sei die Bombe explodiert. "Ich weiß nicht, was die Detonation ausgelöst hat", fügte der Augenzeuge hinzu. Nach Polizeiangaben starben der Attentäter und drei weitere Menschen, etwa 20 wurden verletzt. Ein Polizist sagte, der Mann mit den Sprengstoffgürtel sei in den Kopf getroffen worden und habe die Bombe im Fallen gezündet.

Zu dem Attentäter bekannten sich später die militanten El-Aksa-Brigaden, die in Verbindung mit der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat stehen. Bei dem getöteten Mann habe es sich um einen 19-Jährigen aus Nablus gehandelt, teilten die Brigaden der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch mit. Er sei unterwegs gewesen, um "Vergeltung für die Tötung palästinensischer Zivilisten durch israelische Soldaten zu üben". Kurze Zeit nach dem Vorfall in Ariel erschossen israelische Soldaten in Nablus zwei El-Aksa-Mitglieder. Palästinenser sprachen von einem Attentat, während die Extremisten nach Armeeangaben in einem Gefecht getötet wurden.

Der Streit zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon und seinen Koalitionspartnern von der Arbeitspartei über die weitere Finanzierung der Siedlungen könnte zu einem Zusammenbruch der Regierung führen, wenn kein Kompromiss gefunden wird. Die Arbeitspartei fordert die Umleitung von umgerechnet 151 Millionen Euro der Siedlungsgelder in das Sozialbudget. Sie sollten Rentnern, allein erziehenden Eltern, Studenten und armen Städten zugute kommen.

Sollten die Koalitionspartner keinen Kompromiss erreichen, könnten die Minister der Arbeitspartei nach einer ersten Haushaltsabstimmung im Parlament am Mittwoch zurücktreten oder von Scharon entlassen werden. Nach einem solchen Schritt würde er wahrscheinlich die Regierung auflösen müssen. Dies würde vorgezogene Wahlen in 90 Tagen bedeuten - zehn Monate vor dem regulären Ende der Legislaturperiode.

Israel muss seinen Staatshaushalt umverteilen, weil die Auseinandersetzungen mit den Palästinensern zu einem Anstieg der Militärausgaben geführt haben und weil die Steuereinnahmen wegen der schlechten Wirtschaftslage hinter den Erwartungen zurückblieben. Scharon forderte auf der Kabinettssitzung am Sonntag ein einheitliches Vorgehen der Regierung. "Es gehört zu unserer Verantwortung, das Budget zu verabschieden, und wer auch immer dabei unverantwortlich handelt wird ganz einfach nicht mehr Mitglied dieser Regierung sein", sagte Scharon.

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