Bombe sollte vermutlich im Bus zünden
Wieder Selbstmordanschlag in Israel

Ein neuer Selbstmordanschlag in Israel und die tödliche Jagd der israelischen Armee auf palästinensische Polizisten haben die aggressive Stimmung im Nahen Osten weiter angeheizt.

afp JERUSALEM/HAIFA. An einer Bushaltestelle im nordisraelischen Haifa sprengte sich am Sonntag ein Palästinenser selbst in die Luft. Mindestens 22 Passanten erlitten meist leichte Verletzungen. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon kündigte daraufhin noch schärfere Vergeltungsangriffe an. Bereits vor dem Anschlag war seine Armee in den Palästinenserort Anabta eingerückt und hatte dort vier Polizisten getötet. Im Gazastreifen wurden mehrere Polizeigebäude zerstört.

Polizisten erschossen den Attentäter

Der palästinensische Attentäter sprengte sich am Morgen in die Luft, nachdem ihn israelische Sicherheitskräfte angesprochen hatten, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Vermutlich habe der Mann die Bombe eigentlich in einem Bus zünden wollen. Polizisten erschossen den Attentäter, der die Explosion schwerverletzt überlebt hatte. Mindestens 22 Menschen wurden bei der Detonation meist leicht verletzt oder erlitten einen Schock.

Scharon sagte nach dem Attentat im israelischen Rundfunk, offensichtlich müsse Israel trotz bereits "beeindruckender Resultate" seine Vergeltungsangriffe auf Palästinenser noch verschärfen. Ein hochrangiger Regierungsvertreter kündigte in einem Gespräch eine "harte" Reaktion der Armee auf den Anschlag an. Das Militär werde in Autonomiegebiet eindringen, um "diejenigen zu bestrafen, die die Terroristen entsenden".

In der Nacht zum Sonntag drang die israelische Armee mit Panzern in den palästinensischen Ort Anabta im nördlichen Westjordanland ein und tötete vier Polizisten. Nach palästinensischen Angaben feuerte das Militär ohne Vorwarnung von einem Hubschrauber aus Raketen auf das Fahrzeug der Palästinenser ab und nahm es mit Maschinengewehren unter Beschuss. Ein Militärsprecher sagte dagegen, es habe einen "Schusswechsel" gegeben. Die Armee sei in Anabta und den Nachbarort Ramim eingedrungen, um Palästinenser festzunehmen, die in Terroranschläge verwickelt seien. Fünf Palästinenser seien festgesetzt worden.

Einrichtungen der Autonomiebehörde zerstört

Zuvor hatte die israelische Armee erneut Einrichtungen der palästinensischen Autonomiebehörde zerstört. In der Nacht zum Samstag zerstörten zwei Kampfhubschrauber in Rafah im südlichen Gazastreifen ein Gebäude der Leibgarde "Force 17" von Palästinenserpräsident Jassir Arafat und ein Haus des Militärgeheimdienstes vollständig. Ein Polizeigebäude wurde beschädigt. Am Nachmittag drang die Armee mit Panzern nach Rafah ein. In Dschenin erschossen israelische Soldaten einen palästinensischen Taxifahrer.

Scharons Büro teilte mit, die Angriffe auf die Sicherheitseinrichtungen seien als "Warnung" an Arafat gemeint. Der Palästinenserpräsident müsse begreifen, dass es Israel ernst sei mit der Umsetzung der Waffenruhe. Die palästinensische Autonomiebehörde warf Scharon dagegen Sabotage der Friedensbemühungen im Nahen Osten vor. Der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo bezeichnete den Tod der vier Polizisten in Anabta als "vorsätzlichen Mord".

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der russische Präsident Wladimir Putin zeigten sich besorgt über die Entwicklung im Nahen Osten. Schröder sagte nach einem Treffen mit Putin in Hannover, er und der russische Präsident seien sich einig gewesen, dass "Druck ausgeübt werden muss auf beide Seiten". US-Außenminister Colin Powell forderte dagegen Palästinenserpräsident Jassir Arafat auf, mehr gegen die radikale Palästinenserorganisation Hamas zu unternehmen.

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