Bomben, Bunker, Botox
Die Saddam-Saga blüht

Die US-Streitkräfte im Irak suchen weiter intensiv nach Saddam Hussein. Aber das wird keinesfalls an die große Glocke gehängt. Dass bisher nur zwei Halbbrüder des entmachteten Präsidenten gefasst werden konnten, gilt als eher peinlich für die US-Geheimdienste und sorgt inzwischen schon für Spott in den amerikanischen Medien.

HB/dpa WASHINGTON. Derweil blüht die Saddam-Saga, gibt es fast täglich neue Spekulationen und Gerüchte um sein spurloses Verschwinden. Zu den jüngsten gehört, dass sich der Gestürzte mit einem neuen Gesicht auf der Flucht befinde. Eine Kolumnistin der "New York Times" spann den Faden prompt weiter und verwies darauf, dass der als eitel bekannte Saddam schon immer eine Schwäche für kosmetische Verschönerungen gezeigt habe. Man denke nur daran, dass er 1998 bei den UN als "dringend benötigte medizinische Mittel" Ausrüstung zum Fettabsaugen und für Haartransplantationen angefordert habe.

Saddams Wunsch nach kosmetischer Veränderung, so fuhr die Autorin augenzwinkernd fort, könnte auch erklären, warum bisher keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden worden seien. Vermutlich habe Saddam alles gelagerte Nervengift nicht für chemische Waffen, sondern für die Herstellung des Schönheitsmittels Botox verwendet.

Die USA glauben allerdings nicht, dass sich Saddam nun als ein dem Jungbrunnen entsprungener Adonis an irgendeiner Küste in der Sonne aalt. Zwar patrouillieren Schiffe im Persischen Golf und Mittelmeer, um etwaige Fluchtversuche auf dem Seeweg zu vereiteln, aber US- Regierungsbeamte tippen immer noch auf Syrien als Zufluchtsort. Wie es heißt, gibt es entlang der rund 500 Kilometer langen Grenze unzählige kleine Pfade, die von Schmugglern benutzt werden. Es sei durchaus möglich, dass der Ex-Präsident in Begleitung seiner treuesten Mitarbeiter auf diesem Weg nach Syrien gelangte.

Vielleicht reiste Saddam aber auch bequem in einem langen Auto-Konvoi, der möglicherweise von US-Spezialeinheiten in der vergangenen Woche um zwei Tage verpasst wurde. Die "USA Today" zitierte jedenfalls kürzlich einen früheren Mitarbeiter im irakischen Informationsministerium, dem nach eigenen Angaben ein Platz in der betreffenden Kolonne angeboten wurde. Er habe sich aber zum Bleiben entschlossen. Danach rollte der Konvoi 48 Stunden vor der Errichtung von Straßensperren durch US-Soldaten über die Grenze.

Weiterhin läuft auch die Suche in Tunneln und Bunkern im Großraum Bagdad. Dabei entdeckten US-Soldaten einen sich über Hunderte von Metern erstreckenden unterirdischen Komplex mit allen möglichen Schutzvorrichtungen gegen chemische und biologische Waffen. Eine höchst interessante Entdeckung, hieß es, aber von Saddam keine Spur.

Es besteht natürlich noch immer die Möglichkeit, dass der Bombenabwurf vom 7. April auf einen Restaurant-Komplex in Bagdad das Schicksal des Ex-Machthabers besiegelte. Allerdings meinen Beobachter, dass die US-Regierung selbst offensichtlich nicht daran glaubt: Schließlich sind auch 14 Tage nach der Attacke immer noch keine US- Streitkräfte in das noch ungesicherte Stadtgebiet vorgedrungen, um nach etwaigen Überresten von Saddam zu suchen.

Irakische Einwohner haben dagegen schon in den Trümmern gewühlt und keine Spur gefunden - was sie nach eigenen Angaben auch nicht wundert. Sie sagen, dass sie Saddam noch nie das Restaurant betreten gesehen haben und dass die USA wahrscheinlich einem falschen Tipp aufgesessen seien. Und hier kommen die Männer mit den Geldkoffern ins Spiel. Anlieger schildern, dass Unbekannte - vermutlich US- Geheimdienstler - Tage vor dem Bombenabwurf Scheinchen für Hinweise verteilt hätten. Die "USA Today" zitierte einen der Empfänger mit den Worten, er habe den Männern gesagt, was sie hören wollten: "Ich brauchte schließlich Bargeld."

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