Bombenabwurf auf Flughafen in Kabul
US-Kampfflugzeuge greifen erneut Kabul an

US-Kampfflugzeuge haben am Mittwochabend erneut die afghanische Hauptstadt Kabul angegriffen. Mehrere Bomben und Raketen schlugen Augenzeugen zufolge in der Stadt ein.

Reuters KABUL. Seit Beginn der Bombardements am Sonntagabend wurden nach Taliban-Angaben landesweit bislang 76 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Die USA bereiten offenbar auch den Einsatz von Hubschraubern des Heeres vor. US-Präsident George W. Bush sagte, der moslemische Extremist Osama bin Laden und seine Organisation würden sich auf Dauer nicht verstecken können. Widersprüchliche Äußerungen machten die Taliban darüber, über welche Freiheiten Bin Laden verfügt.

Augenzeugenberichten zufolge wurden zwei Bomben auf den Kabuler Flughafen abgeworfen. Die Taliban-Truppen setzten Flugabwehrwaffen ein. Die Bewohner richteten sich auf eine weitere Bombennacht ein. Der afghanischen Nachrichtenagentur AIP zufolge und nach amtlichen Angaben kamen in Kabul bei den Angriffen bislang 25 Menschen ums Leben. In Kandahar im Süden seien 28 Menschen getötet worden. In anderen Teilen des Landes seien weitere Menschen ums Leben gekommen. Bei dem Angriff in der Nacht zum Mittwoch wurden nach Taliban-Angaben auch mehrere Menschen in einem Wohngebiet Kabuls getötet. Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar und Bin Laden seien unversehrt, hieß es.

Omar rief die Moslems in der Welt zur Unterstützung Afghanistans auf. "Jeder Moslem, der einen starken Glauben hat, soll entschieden gegen die egoistische Macht (Amerika) handeln", sagte Omar der BBC. Die Moslems in der Welt sollten alles, was sie könnten, zur Unterstützung Afghanistans unternehmen. Es war der erste öffentliche Kommentar Omars seit Beginn der Angriffe.

Parallel zu ihren Luftangriffen in Afghanistan bereiten sich die US-Streitkräfte nach Angaben aus Militärkreisen auf den Einsatz von Hubschraubern des Heeres vor. Transporthubschrauber für Elite-Einheiten könnten unter dem Schutz von Kampfhubschraubern eingesetzt werden, hieß es. Eine solcher Einsatz stehe aber nicht unmittelbar bevor. Die Luftabwehr der Taliban sei weitgehend zerstört worden, so dass Luftangriffe zunächst Tag und Nacht fortgesetzt werden könnten, hatte zuvor Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärt. Der Taliban- Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Zaeef, widersprach dieser Darstellung.

Bush sagte in Washington, kein Platz auf der Welt sei dunkel genug, um Bin Laden und seine Organisation, El Kaida, zu verstecken. Er präsentierte eine von Bin Laden angeführte Liste mit 22 Namen der von den USA meist gesuchten Terroristen. Alle Verbündeten seien nun mit den Namen der "Übeltäter" und ihrer Verbündeten vertraut. "Von allen, die unserer Koalition angehören, erwarten wir Ergebnisse", sagte Bush.

Welche Freiheiten Bin Laden derzeit in Afghanistan genießt, blieb am Mittwoch unklar. Zunächst sagte Taliban-Sprecher Abdul Hai Mutmaen der BBC, Bin Laden habe jetzt freie Hand für einen Heiligen Krieg gegen die USA. Jegliche Beschränkungen gegen ihn seien aufgehoben. Taliban-Bildungsminister Amir Chan Muttaki widersprach wenig später: Bin Laden dürfe zwar Erklärungen abgeben, er dürfe aber nicht afghanisches Territorium für Aktionen gegen andere Staaten nutzen.

Die Islamische Weltkonferenz (OIC) forderte bei ihrer Sondersitzung in Katar, unschuldige Zivilisten dürften nicht Opfer der Angriffe werden. Die Konferenz verurteilte die Anschläge in den USA, mahnte jedoch, die Militäraktionen der USA dürften sich nur gegen die Verantwortlichen der Anschläge und nicht gegen Zivilisten richten. Die Vertreter von 1,2 Mrd. Moslems forderten die USA zudem auf, ihre Militäraktion nicht auf andere Länder auszudehnen. Besonders Irak befürchtet nach den Worten seines Außenministers Nadschi Sabri, dass die USA die Gelegenheit nutzen könnte, alte Rechnungen zu begleichen.

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