Bombenanschlag auf einen Personenzug in Israel
Terroralarm in Jerusalem

Im Gebiet von Jerusalem wurde die Polizei nach einer neuen Terrorwarnung in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Die israelische Armee hat am Sonntag ihre Militäraktionen im Westjordanland verstärkt und dabei Hunderte Palästinenser festgenommen.

dpa RAMALLAH/JERUSALEM. Bei einem Bombenanschlag auf einen Personenzug bei Lod in Zentral- Israel wurden vier israelische Reisende leicht verletzt. Insgesamt setzte die Armee ihre Operationen in sieben besetzten Autonomiestädten des Westjordanlandes fort. Lediglich in Hebron und Bethlehem wurde die strikte Ausgangssperre am Mittag für einige Stunden aufgehoben. Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser kündigte jedoch an, man sei bemüht, die Lebensbedingungen für die seit Tagen eingeschlossenen 800 000 Menschen in den besetzten Städten zu verbessern.

Nach palästinensischen Angaben wurden im Amari-Flüchtlingslager bei Ramallah am Morgen alle Männer im Alter zwischen 15 und 50 Jahren festgenommen, zu einem Schulhof gebracht und dort verhört. Auch aus anderen Städten und Dörfern im Westjordanland wurden Dutzende Festnahmen gemeldet. Allein in Tamun bei Dschenin setzten Soldaten 60 Männer fest. In Ramallah entdeckten Soldaten nach israelischen Angaben zehn als Extremisten gesuchte Männer, die sich in zwei Krankenwagen versteckt hätten. Nach Informationen der israelischen Tageszeitung "Jediot Achronot" plant Israel angesichts der anhaltenden Besetzungen im Westjordanland die Auflösung der so genannten Verbindungsbüros, die seit 1995 für die Koordinierung der Zusammenarbeit beider Seiten zuständig waren. Dies wäre nach Ansicht politischer Beobachter ein weiterer Schritt in Richtung einer vollständigen Übernahme der Autonomiegebiete durch Israel.

Nach der Sprengung des Hauptquartiers der Autonomiebehörde in der Stadt Hebron am Freitagabend brach die Armee am Sonntag die Suche nach 15 mutmaßlichen palästinensischen Extremisten ab, die sich nach israelischer Meinung fast eine Woche lang in dem Gebäude versteckt gehalten hatten. Die Palästinenser warfen Israel daraufhin vor, das 1937 von den Briten gebaute Gebäude als ein Symbol für die Autonomiebehörde bewusst zerstört zu haben. Nach palästinensischer Darstellung war das Gebäude vor der Sprengung bereits leer, weil sich zuvor alle Palästinenser der Armee ergeben hätten. Trotz der Besetzung aller großen Autonomiestädte versetzte Israel die Polizei in Jerusalem am Sonntag in höchste Alarmbereitschaft. Die Polizei errichtete nach - wie es hieß - konkreten Informationen über einen geplanten Selbstmordanschlag überall in der Stadt Straßensperren. Die israelische Regierung hatte die jüngste Wiederbesetzung des Westjordanlands nach zwei Selbstmordanschlägen am 18. und 19. Juni beschlossen.

Die Friedensbewegung "Frieden Jetzt"berichtete, dass jüdische Siedler im Westjordanland seit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Ariel Scharon vor 15 Monaten insgesamt 41 neue Siedlungen errichtet hätten. Verteidigungsminister Benjamin Ben- Elieser kündigte am Samstag die Räumung von zehn dieser als "Außenposten" bezeichneten Kleinsiedlungen an. Oppositionsführer Jossi Sarid verlangte eine parlamentarische Untersuchung des nach internationalem Recht illegalen Siedlungsbaus.

Indessen wurden bei einem Bombenanschlag auf einen Personenzug am Sonntagmorgen bei Lod in Zentralisrael vier Reisende leicht verletzt. Unbekannte hatten den Sprengkörper auf den benachbarten Gleisen versteckt und gezündet, als der Zug gegen 0600 MESZ vorbeifuhr. Zunächst war nicht klar, wer den Anschlag verübte. Die Polizei nahm jedoch mehrere Palästinenser fest, die sich zur Zeit des Anschlags in der Nähe des Tatortes aufgehalten haben sollen.

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