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Bombenanschlag auf zwei Busse in Israel: 18 Tote

Bei dem schwersten Anschlag in Israel in diesem Jahr haben zwei palästinensische Selbstmordattentäter am Dienstag mindestens 16 Menschen mit sich in den Tod gerissen. Nach Angaben von Sanitätern wurden rund 100 weitere Menschen verletzt.

dpa TEL AVIV. Bei dem schwersten Anschlag in Israel in diesem Jahr haben zwei palästinensische Selbstmordattentäter am Dienstag mindestens 16 Menschen mit sich in den Tod gerissen. Nach Angaben von Sanitätern wurden rund 100 weitere Menschen verletzt.

Fast zeitgleichen explodierten in zwei Bussen im Zentrum der Wüstenstadt Beerschewa die Bomben. Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die Tat, zu dem sich der bewaffnete Arm der radikalislamischen Hamas-Bewegung bekannte. Bundeskanzler Gerhard Schröder verurteilte den Anschlag in einem Kondolenztelegramm an Israels Regierungschef Ariel Scharon als "barbarischen Akt". Zugleich appellierte er an die Regierung Scharon, sich durch den Terrorakt nicht von den Bemühungen um eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts abbringen zu lassen.

Scharon kündigte am Abend in Tel Aviv an, Israel werde den Druck auf die "terroristische Infrastruktur" in Hebron im südlichen Westjordanland erhöhen, von wo die Attentäter nach Einschätzung der israelischen Sicherheitskräfte kamen. Der Bau der Sperranlage werde in diesem Gebiet vorangetrieben, Extremisten würden getötet und die Häuser von Angreifern würden zerstört, berichtete das Armeeradio weiter. Das israelische Militär riegelte am Abend die Straßen von und nach Hebron ab. Die Häuser der Attentäter wurden durchsucht.

"Ich hörte eine laute Explosion in einem Bus vor uns", erzählte ein leicht verletzter Augenzeuge in Beerschewa. Kurz darauf habe sich die zweite Explosion in seinem eigenen Bus ereignet. Die beschädigten Busse lagen in etwa hundert Meter Entfernung voneinander im Zentrum der Stadt in der Nähe des Rathauses.

Erst am Dienstagmorgen hatten israelische Soldaten einen Selbstmordanschlag am Eres-Kontrollpunkt zwischen Israel und dem Gazastreifen verhindert. Sie nahmen einen Palästinenser mit einem Sprengstoffgürtel fest.

Der bewaffnete Arm der Hamas-Bewegung, die Gruppe Issedin-el- Kassam, erklärte, die Selbstmordanschläge seien eine Reaktion auf die Liquidierung der Führungsmitglieder Scheich Ahmed Jassin und Abdel Asis Rantisi im Frühjahr gewesen. Sprecher der Bewegungen Hamas und Islamischer Dschihad lobten die Tat.

UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte die Palästinenserbehörde auf, für die Unterbindung aller Terrorarakte zu sorgen. Die Verantwortlichen für solche "verabscheuungswürdigen Verbrechen" müssten verfolgt und bestraft werden, erklärte Annan in New York.

Vertraute Scharons gingen davon aus, dass palästinensische Extremisten mit der Tat Scharons Abzugsplan aus dem Gazastreifen schaden wollten. Nur Stunden vor dem Doppelanschlag hatte Scharon einen Zeitplan für die Vorbereitungen der von ihm angekündigten Räumung des Gazastreifens vorgelegt. Angesichts starken internen Widerstands gegen den Plan betonte Scharon vor seiner Likud-Fraktion: "Der Räumungsplan wird umgesetzt - Punkt aus." Der Zeitplan sieht die Billigung eines Gesetzesentwurfs über die Räumung aller Siedlungen im Gazastreifen durch das "Sicherheitskabinett" am 14. September vor. Anfang November soll der Entwurf, bei dem es vor allem um die Entschädigungszahlungen für die Siedler geht, dem Parlament vorgelegt werden.

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