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Bombenserie in Istanbuler Touristenviertel

dpa ISTANBUL. Bei Bombenanschlägen auf zwei Hotels in Touristenvierteln von Istanbul sind am Dienstag zwei Menschen, ein Iraner und ein Türke, getötet worden. Elf Touristen aus den Niederlanden, der Ukraine, China und Turkmenistan wurden verletzt.

dpa ISTANBUL. Bei Bombenanschlägen auf zwei Hotels in Touristenvierteln von Istanbul sind am Dienstag zwei Menschen, ein Iraner und ein Türke, getötet worden. Elf Touristen aus den Niederlanden, der Ukraine, China und Turkmenistan wurden verletzt.

Den beiden Anschlägen folgten in kurzen Abständen zwei weitere Explosionen, die in einer Flüssiggas-Anlage in einem Istanbuler Außenbezirk Sachschaden anrichteten. Zu der Bombenserie bekannten sich nach einem Bericht von CNN-Türk die Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden. Auf einer islamistischen Internetseite drohte die dem Terrornetzwerk El Kaida zugerechnete Gruppe mit weiteren Anschlägen in Europa.

Die Vorgänge in Istanbul seien der erste "ernste" Angriff gegen europäische Länder nach Ablauf des "Versöhnungsangebots" von Osama bin Laden. Dieser hatte Mitte April angeboten, dass El Kaida alle Operationen in Europa einstellen werde, wenn die Europäer innerhalb von drei Monaten ihre Soldaten aus Afghanistan und dem Irak abziehen. Die Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden hatten sich zu den Bombenanschlägen vom 11. März auf Züge in Madrid bekannt, bei denen 191 Menschen getötet wurden, und auch Anschläge in Italien angedroht.

Die Hotels in Laleli und Sultanahmet, dem historischen Stadtkern mit Hagia Sophia und Blauer Moschee, wurden durch die zeitgleichen Explosionen zu nächtlicher Stunde erheblich beschädigt. Fernsehbilder zeigten ein gähnendes Loch in der Fassade, Trümmer und Holzteile lagen auf der Straße zerstreut. Verletzte wurden zum Teil nur mit Unterwäsche oder Shorts bekleidet auf Tragen in Krankenwagen gehoben. "In Zimmer 305 befindet sich eine Bombe" - mit diesen Worten hatte sich kurz vor der Explosion ein anonymer Anrufer in einem der Hotels gemeldet. In beiden Häuser hielten sich zum Zeitpunkt des Anschlags zusammen rund 60 Gäste auf.

Istanbuls Polizeipräsident Celalettin Cerrah sprach von einem "terroristischen Angriff". Innenminister Abdülkadir Aksu verurteilte den "niederträchtigen Anschlag", der darauf abziele, die öffentliche Ruhe, Sicherheit und Stabilität der Türkei und das "Image" Istanbuls zu beschädigen. Die türkischen Sicherheitskräfte seien jedoch in der Lage, mit dem Terrorismus fertig zu werden. Er verwies auf die verbotene Kurdenorganisation PKK-Kongragel, die ihre Angriffe im Südosten der Türkei in den vergangenen Wochen erheblich verstärkt hat. Weitere Untersuchungen müssten zeigen, ob die jüngste Verhaftung von vier mutmaßlichen PKK-Mitgliedern in Istanbul im Zusammenhang mit den Bombenexplosionen stehe.

Die schwersten Terroranschläge in Istanbul waren im vergangenen November von islamistischen Selbstmordattentätern verübt worden. Bei der Explosion von Autobomben vor zwei Synagogen und britischen Einrichtungen waren mehr als 60 Menschen getötet und etwa 750 verletzt worden. Auswirkungen auf den in dieser Saison sprunghaft angestiegenen Türkei-Tourismus hatten die Anschläge kaum.

Auch diesmal verzeichneten europäische Reiseveranstalter keine spontanen Reaktionen. Beim Tourismuskonzern Thomas Cook ("Neckermann") meldeten sich nach Angaben des Unternehmens noch keine besorgten Türkei-Urlauber. Auch gebe es keine Anfragen oder Stornierungen bei den Reisebüros. Ob sich die Anschläge mittelfristig aufs Geschäft auswirken, könne noch nicht gesagt werden. Ähnliches berichtete auch die TUI. Istanbul spiele als Städtereiseziel ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Zum anderen würden die Gäste durchaus unterscheiden zwischen Istanbul und den tausend Kilometer davon entfernten Strandzielen.

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