Bombenterror und Selbstmordanschläge
Nahost versinkt in der Gewalt

Der blutige Palästinenserkonflikt gerät angesichts der zunehmend brutaler werdenden Gewalt und Gegengewalt außer Kontrolle. Selbst die Anwesenheit hochkarätiger Vermittler aus den USA und Europa kann die beiden Konfliktparteien nicht mehr davon abhalten, ihr Heil in brutalem Terror und nicht weniger tödlichen Militäraktionen zu suchen.

dpa JERUSALEM. Mehr als 1 100 Menschenleben, rund 870 Palästinenser und 245 Israelis, hat die "Intifada" seit Oktober vergangenen Jahres gefordert. Doch nach der jüngsten Serie von Terroranschlägen palästinensischer Extremisten am Mittwochabend ist eine weitere, blutige Eskalation nur allzu wahrscheinlich.

Der Feuerüberfall palästinensischer Extremisten auf den israelischen Linienbus Nr. 189 nahe der jüdisch-orthodoxen Siedlung Emanuel im Westjordanland hat eine neue Phase in dem Konflikt eingeleitet. Die drei Männer, die das mit etwa 50 Israelis besetzte, gepanzerte Fahrzeug zunächst durch Bomben sprengten und dann mit Handgranaten und Maschinenpistolen mindestens zehn Passagiere niederstreckten, forderten nicht nur einen israelischen Gegenschlag heraus, der noch am Abend mit Luftangriffen auf Gaza begann. Sie verhöhnten auch die Vermittlungsbemühungen von US- Unterhändler Anthony Zinni und EU-Chefdiplomat Javier Solana und deren hektische Versuche, eine Feuerpause in der Region zu erreichen.

Israelische Falken behaupten seit einigen Wochen, dass der alternde und kranke Palästinenserpräsident Jassir Arafat nicht mehr in der Lage oder nicht Willens ist, die Extremisten zu kontrollieren. Doch auch in Europa dürften nach Meinung politischer Beobachter nach den jüngsten Ereignissen die Zweifel wachsen, ob der PLO-Chef, der vom international geächteten Terroristen zum Friedensnobelpreisträger aufstieg, den längst zum Kleinkrieg entarteten Aufstand - wie von der EU gefordert - offiziell beenden kann.

Marwan Kanafani, Sprecher Arafats, "bedauerte" am Mittwochabend den Anschlag bei der jüdischen Siedlung Emanuel. Doch im gleichen Atemzug verwies er darauf, dass dem Attentat eine Reihe israelischer Militärschläge vorausgingen, denen am Montag in Hebron zwei Kinder zum Opfer gefallen waren. Und Stunden zuvor hatten Kampfhubschrauber im südlichen Gazastreifen vier Palästinenser getötet, die die Palästinenser als unschuldige Zivilisten, die Israelis aber als Terroristen bezeichneten.

Ein Rezept für eine Beendigung des Chaos in der Region haben zurzeit weder die beteiligten Parteien, noch die frustrierten Vermittler aus Übersee. Kenner der Verhältnisse in den Palästinensergebieten warnen denn auch von der in Israel propagierten Lösung: "Arafat muss weg!" Ein Bürgerkrieg im Gazastreifen und im Westjordanland jedenfalls wäre das Letzte, was sich die israelischen Nachbarn wünschen können. Den ultrarechten israelischen Polizeiminister Usi Landau hielt dies am Mittwoch freilich nicht von der Forderung ab, angesichts der veränderten Weltmeinung jetzt gnadenlos auf die Autonomiebehörde Arafats einzudreschen. "Der Kampf muss pausenlos geführt werden", meinte er, "wir dürfen nicht erst auf ihre Angriffe warten, sondern ohne Unterlass Schläge gegen sie führen."

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