Bond zweifach überzeichnet: Wandelanleihe schickt die T-Aktie auf Talfahrt

Bond zweifach überzeichnet
Wandelanleihe schickt die T-Aktie auf Talfahrt

Die Deutsche Telekom hat am Mittwoch eine Wandelanleihe begeben und damit am Finanzmarkt Befürchtungen über ein Verfehlen des Schuldenabbauplans sowie weitere Kapitalmaßnahmen ausgelöst. Dies führte zu einem deutlichen Kursrutsch der T-Aktie.

Reuters FRANKFURT Die Telekom-Aktien büßten über sieben Prozent gegenüber dem Vortagesschluss ein und wurden bei zwölf Euro notiert. An den Rentenmärkten legten die Kurse der Telekom-Bonds geringfügig zu. Börsianer begründeten den Kursrückgang der T-Aktie mit Befürchtungen, die Telekom müsse möglicherweise ihre Kapitalbasis nach den abschreibungsbedingten Bilanzverkürzungen mit weiteren Maßnahmen aufstocken. Die Telekom betonte, sie sei mit dem Emissionserlös der Wandelanleihe durchfinanziert bis ins Jahr 2005. Die Ratingagentur Moody's wertete die Anleihe positiv und sieht keinen Grund, die Kreditwürdigkeit zu überprüfen.

Nach Angaben aus Frankfurter Bankenkreisen war der Bond bis Mittwochvormittag bereits mehr als zweifach überzeichnet. Die vorgeschlagene Bandbreite für den Zins, über die jetzt mit den Interessenten diskutiert werde, belaufe sich auf 6-3/8 bis 6-7/8 Prozent. Als Wandlungsprämie seien 15 bis 25 Prozent im Gespräch, hieß es weiter. Die Emission richte sich an institutionelle Investoren in Europa.

Der größte europäische Telekom-Konzern hatte am Dienstagabend nach Börsenschluss die Ausgabe einer Wandelanleihe mit dreijähriger Laufzeit und einem Volumen von bis zu 2,5 Milliarden Euro angekündigt. Mit der erstmaligen Begebung dieser Anleiheform will die Telekom Zugang zu neuen Investoren finden, ihr Refinanzierungsrisiko verteilen und das Eigenkapital erhöhen. Die erworbenen Anteile am Anleihevolumen müssen am Laufzeitende in Aktien der Telekom gewandelt werden.

Angst vor weiteren Kapitalmaßnahmen der Telekom

"Es wird am Markt diskutiert, ob die Telekom weitere Eigenkapitalmaßnahmen plant. Meiner Ansicht nach ist das nicht notwendig, aber die Befürchtung existiert", sagte Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim. Zudem werde der Verdacht genährt, dass die Telekom zur Sicherung ihres Schuldenziels neue Finanzquellen erschließe, fügte er hinzu.

Die Telekom will ihre Verschuldung bis Jahresende auf rund 50 bis knapp 53 Milliarden Euro von zuletzt 64 Milliarden Euro senken. Dazu sollen Beteiligungen veräußert, die Effizienz erhöht und Kosten gespart werden. Dieses Schuldenziel bekräftigte die Telekom am Mittwoch erneut. Zudem steige die Nettofinanzverschuldung durch die Anleihe nicht, betonte das Unternehmen. Am Ende der Laufzeit würden die erhöhten Brutto-Verbindlichkeiten in Eigenkapital umgewandelt. Trotz der 2003 und 2004 fälligen Schulden von 19 Milliarden Euro sei die Liquidität bis ins Jahr 2005 gesichert. Für eine Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital gebe es keine Ermächtigung. Eine Kapitalerhöhung hatte die Telekom wiederholt ausgeschlossen.

Drei Dinge belasten die Aktein

Frank Wellendorf, Analyst bei der WestLB, sagte: "Drei Dinge belasten die Telekom-Aktien kurzfristig: Der Verwässerungseffekt des Ergebnisses durch die bevorstehende Ausgabe neuer Aktien, eine Diskussion um das Erreichen des Schuldenabbauziels und Arbitrage-Geschäfte." Dabei werden von den Investoren gehaltene Aktien in Aussicht auf die infolge der Wandelanleihe neu auszugebenden Aktien bereits jetzt verkauft, um einen Zwischengewinn zu erzielen. Der Verwässerungseffekt tritt dadurch ein, dass sich durch die Ausgabe von bis zu 195 Millionen neuen Telekom-Aktien beispielsweise das je Aktie erzielte Ergebnis verringert.

Die Ratingagentur Moody's teilte unterdessen mit, "es gibt überhaupt keinen Druck auf das Rating der Telekom." Moody's hatte die Kreditwürdigkeit der Telekom zuletzt deutlich gesenkt. Durch die Anleihe verbessere das Unternehmen seine Liquiditätsposition und ein Teil des Emissionserlöses könne bereits als Eigenkapital betrachtet werden, begründete Moody's seine Einschätzung. Zudem sei zu erwarten, dass die Kapitalkosten sänken. Die Telekom sei in einer "stabilen Position", sagte Analyst Aidan Fisher.

Trotz der kurzfristigen Abschläge wertete der Fondsmanager die Anleihe für langfristige Investoren als ein positives Signal. Insbesondere werde die Bonität des Unternehmens durch den Kapitalzufluss stabilisiert.

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