Bonds bieten Risikoaufschläge trotz guter Bonität: Anleihen von Bundesländern sind beliebt

Bonds bieten Risikoaufschläge trotz guter Bonität
Anleihen von Bundesländern sind beliebt

Die deutschen Bundesländer machen am Bondmarkt auf sich aufmerksam. Viele Länder haben bereits Anleihen in Milliardenhöhe begeben. Investoren schätzen an den Länderbonds vor allem, dass sie eine höhere Rendite als die Bundesanleihen bieten. Dabei gelten die Anleihen der Länder als fast so sicher wie die des Bundes.

FRANKFURT/M. Die deutschen Bundesländer entdecken zunehmend den Anleihemarkt. Dabei sprechen sie mit großen Anleihen gezielt internationale Investoren an. In diesem Jahr haben bereits Berlin, Brandenburg, Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und mehrere Bundesländer mit einer Gemeinschaftsemission den Bondmarkt angezapft.

Insgesamt werden in diesem Jahr neue Benchmark- oder Jumbo-Anleihen - Papiere mit einem Volumen von mindestens 500 Mill. Euro - der Bundesländer über gut 20 Mrd. Euro erwartet. Im vergangenen Jahr haben die Bundesländer Benchmark-Titel über 16 Mrd. Euro begeben. Damit deckten sie nach Angaben der DZ Bank rund 30 % ihres Bruttorefinanzierungsbedarfs über die besonders liquiden Bonds. Die größten Einzel-Emittenten sind Nordrhein- Westfalen und Berlin.

Johannes Rudolph, Rentenanalyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, kann sich vorstellen, dass die Länder in den kommenden Jahren etwa die Hälfte ihres Refinanzierungsbedarfs über Anleihen decken werden.

Dabei sind Benchmark-Anleihen bei institutionellen Investoren besonders beliebt, weil sie sich leichter handeln lassen als illiquide Papiere. Um mehr Anleger anzusprechen holen sich außerdem immer mehr Bundesländer eine Bonitätsbewertung von den Ratingagenturen Moody?s, Standard & Poor?s (S&P) und Fitch.

Die Bemühungen der Länder um die Gunst der Anleger tragen Früchte. So konnten Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ihre in diesem Jahr begebenen Anleihen kurz nach der Emission aufstocken. Auch die Konsortialführer der gestern begebenen zehnjährigen Anleihe Brandenburgs erklärten, die Anleihe sei überzeichnet gewesen, wenn auch das platzierte Volumen von 1 Mrd. Euro am unteren Ende der Erwartungen lag. ABN Amro, BNP Paribas und Schroder Salomon Smith Barney brachten die Anleihe an den Markt.

Selbst das hoch verschuldete Land Berlin begeisterte Anfang Februar Anleger für seine 2 Mrd. Euro schwere Anleihe mit Laufzeit von fünf Jahren. Die Konsortialführer Deutsche Bank, HSBC und WestLB sammelten Kaufaufträge über mehr als 3,25 Mrd. Euro ein. Experten erklären das große Interesse vor allem mit der vergleichsweise hohen Rendite, die das Land bietet. (s. Tabelle). Berlin hat zwar in jüngster Zeit seine Neuverschuldung stärker abgebaut als andere Bundesländer, wie auch Finanzstaatssekretär Frank Bielka bei der groß angelegten Werbetour für den Bond betonte. Dennoch musste das Land im vergangenen Jahr erklären, sich in einer "extremen Haushaltsnotlage" zu befinden. Vor dem Bundesverfassungsgericht will Berlin Milliardenhilfe vom Bund einklagen.

Niemand glaubt aber, dass Berlin unter seinem Schuldenberg zusammenbricht und seine Anleihen nicht bedienen kann. Grund ist der Länderfinanzausgleich, den die Ratingagenturen bei allen Bundesländern berücksichtigen. Am weitesten geht dabei Fitch. Die Agentur stuft prinzipiell alle Bundesländer mit der Höchstnote AAA ein. "Wir halten es für unvorstellbar, dass ein Bundesland seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt", sagt Jens Schmidt-Bürgel, Geschäftsführer von Fitch in Frankfurt, der den Ratingansatz der Agentur für die Bundesländer mitentwickelt hat. Da der Länderfinanzausgleich unterjährig gezahlt werde und die Ausgaben der Länder sehr planungssicher seien, könne außerdem erwartet werden, dass die Länder ihre Schulden pünktlich zurückzahlen. So habe es auch bei den Schuldenkrisen Saarlands und Bremen Anfang der neunziger Jahre keine Anzeichen für eine Illiquidität der Länder gegeben, betont Schmidt-Bürgel.

Dennoch bieten Länderanleihen eine im Schnitt um 20 Basispunkte höhere Rendite als Bundesanleihen. Dabei sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern nicht sonderlich groß, obwohl S&P und Moody?s in der Bonität der einzelnen Länder vergleichsweise große Unterschiede ausmachen. Deutlich höhere Renditen muss allein das häufiger durch Negativ-Schlagzeilen auffallende Berlin für seine Bonds bieten.

Ende Oktober lag der durchschnittliche Renditeaufschlag der Bundeslän- der-Anleihen mit fünf und zehn Jahren Laufzeit noch bei 30 Basispunkten, bis Ende des Jahres sank er auf 15 Punkte. Jörg Homey, Rentenanalyst bei der DZ Bank erwartet, dass sich die Länderanleihen im Vergleich zu Bundesanleihen stabil halten werden. Das zusätzliche Angebot an neuen Bonds werde den Markt nicht übermäßig belasten, sagt Homey. HSBC-Experte Rudolph ist etwas skeptischer. Da in diesem Jahr nur eine Anleihe von Nordrhein-Westfalen über 500 Mill. Euro fällig werde, könnte das Angebot das Ländersegment etwas drücken, meint er. Positiv für Länderanleihen sei aber, dass sie - wie die Anleihen des Bundes und anderer Industriestaaten - in den aktuell unsicheren Zeiten als sicherer Hafen gesehen würden.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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