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Bonifatius-Route eröffnet: Pilgerweg von Mainz nach FuldaDPA-Datum: 2004-07-11 13:24:49

Mainz/Fulda (dpa) - Auf einem 180 Kilometer langen Pilgerweg zwischen den Städten Mainz und Fulda können Gläubige seit Samstag auf den Spuren des «Apostels der Deutschen», Bonifatius (672-754), wandeln.

Mainz/Fulda (dpa) - Auf einem 180 Kilometer langen Pilgerweg zwischen den Städten Mainz und Fulda können Gläubige seit Samstag auf den Spuren des «Apostels der Deutschen», Bonifatius (672-754), wandeln.

Zur feierlichen Eröffnung der Bonifatius-Route erinnerte der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann am Samstag an seinen frühen Vorgänger im Bischofsamt, der bei seiner letzten Missionsreise 754 ermordet wurde. «Für Bonifatius war das Pilgerleben eng verbunden mit der Missionsarbeit und besonders der Verkündigung des Evangeliums an alle Menschen.»

Im 1250. Todesjahr des Missionars soll die Bonifatius-Route an die Überführung der Gebeine des Heiligen erinnern. Sie waren in einer Prozession von seinem Bischofssitz Mainz nach Fulda geleitet worden, wo Bonifatius im Dom bestattet ist.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, bezeichnete die gemeinsame Eröffnung des Pilgerweges als «sehr gutes ökumenisches Zeichen». Bonifatius stehe für das gemeinsame Erbe aus der Zeit vor der Reformation. Neben der Würdigung der christlichen Missionsleistung von Bonifatius sei aus protestantischer Sicht jedoch auch die «übertriebene, geradezu hörige Ausrichtung an Rom» kritisch anzumerken.

Huber sieht mit Bonifatius dennoch eine Wende in der Geschichte des Christentums. Er habe eine geistliche Wurzel für die Freiheit Europas gelegt, indem er die Menschen von vielen Göttern befreit habe. Auch heute könne die Gesellschaft möglicherweise eine Art Befreiung von dunklen Geistern und kleinen Göttern brauchen: «Was uns aus Fernsehen, Funk und Vorurteilen, aus Gesellschaft, Politik und Werbung entgegentritt, mitunter ängstigt und unsere Seele gefangen zu nehmen versucht, das verdient doch auch ein Stück christliche Glaubensaufklärung im Sinne des Missionars Bonifatius.»

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) würdigte den neuen Pilgerweg als eine hervorragende Erinnerung an den für das Land wichtigen Heiligen. «Niemand vor und nach ihm gründete mehr Klöster und Bistümer. Mit seinem Einsatz für die Armenfürsorge, die Krankenpflege und die Bildung ist er eine für unser Land prägende Persönlichkeit gewesen und er ist es bis heute», erklärte Koch laut Hessischer Staatskanzlei.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) bezeichnete Bonifatius als einen der ersten Europäer. Geboren in England habe er zahlreiche Missionsreisen in Gebiete des heutigen Belgiens, Frankreichs und in die Niederlande unternommen, bevor er 746 Erzbischof von Mainz wurde. «Bonifatius hat Grundlagen für den universellen Charakter des Christentums in Mitteleuropa geschaffen», sagte Beck. Der gemeinsame Glaube und gemeinsame Grundüberzeugungen der Menschen seien ein wichtiger Baustein des heutigen Europa.

«Es ist gut, wenn wir heute die Existenz des pilgernden Menschen ganz konkret ernst nehmen», betonte Lehmann als Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz. «Unser immer mehr beschleunigtes Leben, das auch stets wieder über alle Grenzen hinausgeht und dabei ortlos wird, braucht die Langsamkeit, Behutsamkeit und das Gleichmaß des pilgernden Menschen, der bedächtig einen Fuß vor den anderen setzt.» Immer sei das Pilgerwesen auch eine Verbindung mit der Neugier auf Neues und Tourismus gewesen, sagte der Mainzer Bischof mit Blick auf die Strecke als Natur- und Wandererlebnis.

Die Bonifatius-Route geht auf eine Initiative des gleichnamigen Vereins zurück, der die kulturelle und religiöse Bedeutung des Weges als moderne Pilger- und Wanderroute wieder erneuern will.

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