Bonitätsanalyse wichtigstes Auswahlkriterium – Für Privatanleger bieten sich spezielle Fonds oder Zertifikate auf Grund der Risikostreuung an
Wandelanleihen – der Kick für das Depot

Wandelanleihen schlagen sich langfristig besser als Aktien und herkömmliche Unternehmensanleihen. Nach der Krise an den Finanzmärkten bieten einige Papiere überdurchschnittlich gute Chancen. Doch die Kombipapiere sind nicht ohne Tücken. Einige werfen nur äußerst schmale Renditen ab.

DÜSSELDORF. An der Lufthansa-Aktie scheiden sich derzeit die Geister. Als Vorstands-Chef Jürgen Weber in der vergangenen Woche die neuesten, überraschend guten Quartalszahlen auf den Tisch legte, machten die Anteile der Kranich-Airline einen wahren Freudensprung an der Börse. Prompt setzten einige Experten ihr Anlageurteil nach oben. Doch auch das Lager der Skeptiker findet Zulauf. Sie verweisen auf den harten Konkurrenzkampf, der der Lufthansa mit immer neuen Billigfliegern bevorsteht.

Ein Entscheidungsdilemma für viele Anleger, die der Airline langfristig eine rosige Zukunft zutrauen, aber dennoch vor dem Einstieg zurückschrecken. Für sie ist die Wandelanleihe der Lufthansa eine Überlegung wert. Das Papier gibt dem Käufer bis zum Jahr 2012 die Möglichkeit, Lufthansa-Anteile zu einem festen Preis zu beziehen, ohne dass er bis dahin auf eine laufende Verzinsung seines eingesetzten Kapitals verzichten muss. "Wandelanleihen bieten die Möglichkeit mit Auffangnetz auf eine bestimmte Aktie zu spekulieren", erklärt Rentenanalyst Werner Fey von der ING-BHF-Bank - ein geradezu ideales Vehikel also in der derzeit unruhigen Börsenphase. Der Clou daran: Anders als bei vielen Garantiefonds oder-zertifikaten geht der Sicherheitspuffer langfristig gesehen noch nicht einmal zu Lasten der Rendite. "In den vergangenen sechseinhalb Jahren haben Wandelanleihen im Euroraum deutlich mehr abgeworfen als Aktien und Unternehmensanleihen", sagt Armin Weißenegger von der Landesbank Baden-Württemberg. Nach seiner Untersuchung brachten die Wandler, auch Convertibles genannt, im Schnitt 14,8 Prozent pro Jahr, während Aktien 11,9 und Unternehmensanleihen nur 5,1 Prozent abwarfen. Auch die Experten von Goldman Sachs kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

"Wandelanleihen reagieren asymetrisch auf die Aktienkursentwicklung", erklärt Marc Alexander Knieß von der DWS. Soll heißen: Die Wandler machen eine Aufwärtsbewegung der Aktie zu zwei Dritteln mit, aber nur ein Drittel der Abwärtsbewegung.

Doch das ist nur eine Faustregel. Im Einzelfall ist vor allem die Höhe der Wandlungsprämie (s. rechts) entscheidend für die Kursreagibilität einer Wandelanleihe. "In der Regel zeichnen diese Papiere den Kursverlauf der jeweiligen Aktie umso stärker nach, je kleiner die Prämie ist", sagt LBBW-Analyst Weißenegger. "Wird sie jedoch größer, bekommt das Papier mehr und mehr Anleihecharakter." Der Grund: Wenn der Aktienkurs weit unter dem Wandlungspreis notiert wird ein Tausch unwahrscheinlich. Also hat die Option de facto ihren Wert verloren. Es bleibt dem Anleger nur noch die Rendite wie bei einer gewöhnlichen Anleihe - der so genannte Bond Floor.

Der allerdings ist bei vielen Emissionen in den vergangenen Monaten erheblich nach unten gerutscht. "Die zunehmende Verschlechterung der Bonitäten hat den Anlegern gezeigt, dass das Auffangnetz durchaus größere Löcher haben kann", sagt Fondsmanager Knieß. "Vor zwei Jahren galt zum Beispiel Vivendi Universal noch als guter Schuldner, jetzt zählen die Titel zu den Junk-Bonds, also Schundpapieren."

Die weltweite Krise an den Finanzmärkten hat für Wandelanleiheanleger auch noch eine andere, unangenehme Konsequenz. Auf Grund der stark gesunkenen Aktienkurse lohnt sich bei immer mehr Convertibles die Ausübung der Option nicht. Folge: Die Papiere werden in bar zurückgezahlt. Experten rechnen damit, dass in den kommenden Jahren zweistellige Milliardenbeträge auf diese Weise fällig werden. Das bringt viele Schuldner in arge Finanznöte und den Erstzeichner beschert es auf Grund der bescheidenen Verzinsung ein schlechtes Geschäft.

"Dass die Emittenten ihre Prämien soweit ausreizen können wie bisher, ist kaum vorstellbar", glaubt denn auch Rentenexperte Fey. Das A und O ist jedoch, den Schuldner auf Herz und Nieren zu prüfen. "Wie sehen die Zukunftsperspektiven aus? Wie ist es um die Finanzkraft bestellt und wie bin ich als Gläubiger abgesichert - mit diesen Fragen muss man sich vor dem Kauf unbedingt beschäftigen", rät DWS-Mann Knieß. Dann allerdings kann man zurzeit attraktive Schnäppchen einfangen. "Bei Laufzeiten bis 2007 oder 2008 lassen sich auf Endfälligkeit gesehen attraktive Renditen erzielen - und die Call-Option gibt es in vielen Fällen fast umsonst dazu", sagt LBBW-Experte Weißenegger. Das heißt: Sollte es wie erhofft in den kommenden Monaten zu einem Aufschwung an der Börse kommen, steigt logischerweise auch der Anleihekurs.

Bei der Auswahl ist allerdings auch noch aus einem anderen Grunde Sorgfalt angesagt: In vielen Fällen lauern nämlich Fußangeln in den Emissionsbedingungen - etwa eine so genannte "mandatory clause" wie sie jüngst France Telecom der Emission einer Umtauschanleihe eingebaut hat. Die Klausel besagt, dass der Anleger gar kein Wahlrecht hat und am Ende der Laufzeit auf jeden Fall Aktien erhält.

"Abgesehen von dem Problem der oftmals großen Stückelung und mangelhafter Liquidität vieler Papiere machen solche Punkte ein Einzelinvestment für Privatanleger natürlich noch schwieriger", sagt Knieß, der nahe liegenderweise auf entsprechende Investmentfonds als Alternative hinweist. Eine andere Möglichkeit in einen Korb aus Wandlern zu investieren bietet das jüngst von UBS herausgegeben Zertifikat auf den eigens kreierten European Focus Convertible Index, dessen Zusammensetzung im halbjährlichen Abstand überprüft wird.

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