Bonjour Tristesse
Erm verhindert DLV-Auftakt-Debakel

Für Andreas Erm ging die Rechnung mit Bronze auf, ansonsten lief für die deutschen Leichtathleten weiter nicht viel zusammen. Mit dem zweiten Medaillengewinn über 50 km Gehen verhinderte der 27-jährige Potsdamer zwar ein Auftakt-Debakel bei der 9. Weltmeisterschaft in Paris, doch die Pleitenserie hielt am Mittwoch an.

HB/dpa PARIS. Komplettiert wurde das WM-Desaster für die einst in der Welt mit führenden deutschen Werfer durch das verletzungsbedingte Qualifikations-Aus der dreimaligen Kugelstoß-Weltmeisterin Astrid Kumbernuss. Auch die WM-Zweite von 2001, die Magdeburgerin Nadine Kleinert, konnte diese Scharte nicht auswetzen und musste sich mit dem 7. Platz (18,48 m) begnügen sein. Gold gewann die Russin Swetlana Kriweljowa mit 20,63 m vor Nadeschda Ostaptschuk aus Weißrussland (20,12). Der deutsche Weitsprung-Meister Nils Winter blieb zudem erwartungsgemäß in der Ausscheidung mit nur 7,80 m auf der Strecke. Der viermalige Weltmeister Ivan Pedroso (Kuba) schied verletzt aus.

"Auf dem Markt der Sportarten müssen wir uns behaupten. Nach dem bisherigen Gesamtergebnis hat es hier nicht geklappt", stellte DLV - Präsident Clemens Prokop frustriert zur WM-Halbzeit fest. Neben Erm konnte lediglich Annika Becker im Stabhochsprung noch Silber gewinnen.

Bei den deutschen Gehern ging eine lange Medaillen-Abstinenz zu Ende. Mit dem dritten Platz gewann Erm die erste Medaille seit Olympia-Bronze vom heutigen Bundestrainer Ronald Weigel 1992 in Barcelona. Der gebürtige Berliner verbesserte in seinem erst dritten Wettkampf über die lange Strecke mit 3:37:46 Stunden den deutschen Rekord Weigels vom 25. Mai 1986 um 31 Sekunden. "Wahnsinn, unfassbar. Ich bin total breit", freute er sich. Nur die polnische Geher-Legende Robert Korzeniowski, der mit 3:36:03 Stunden seine eigene Weltbestzeit um 36 Sekunden unterbot, und German Skurygin (Russland/2:35:55) lagen vor dem Deutschen.

Bittere Tränen vergoss dagegen die Olympiasiegerin und dreimalige Weltmeisterin Astrid Kumbernuss nach ihrem überraschenden K.o. "Das sah nicht nach Kugelstoßen aus. Es ging gar nichts, ich hatte keine Chance", schluchzte sie. "Dabei war ich doch so gut drauf. Ich hab' doch eine brutal gute Form." Beim Abschlusstraining am Sonntag hatte sich die 33-Jährige ausgerechnet beim letzten Stoß an der Kniekehle verletzt. Das Bemühen der Ärzte blieb erfolglos.

Freuen konnte sich hingegen der erst am Mittwoch angereiste deutsche Speerwerfer Boris Henry - zunächst an seiner US-Freundin Kelly White. Die Sprint-Weltmeisterin stürmte mit 22,50 Sekunden über 200 m ins Finale und ihrem zweiten Gold entgegen. Den ersten WM-Titel für Kanadas Frauen überhaupt gewann überraschend Perdita Felicien über 100 m Hürden in 12,53 Sekunden vor Brigitte Foster (Jamaika/12,57) und Miesha McKelvy (USA/12,67).

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