Bonus-Zahlungen schrumpfen um mindestens die Hälfte
Wall-Street-Firmen setzen Stellenabbau fort

Die Anstandsfrist ist vorüber. Nach der Terror-Attacke auf das World Trade Center hatten sich die Wall Street Firmen zurückgehalten und keine weiteren Entlassungen angekündigt. Doch jetzt sieht sich die Credit Suisse First Boston gezwungen jede fünfte Stelle zu streichen, berichtet das Wall Street Journal.

HB NEW YORK. Bereits vor einigen Tagen hatte die Investmentbank Morgan Stanley angekündigt vor allem im Telekom - und High-Tech-Bereich 200 Stellen abzubauen. Experten schätzen, dass das erst der Anfang ist. Außerdem dürften die Bonus-Zahlungen der Banker um mindestens die Hälfte schrumpfen. Das trifft Jung-Banker ebenso wie die Führungskräfte.

Bei der Credit Suisse sollen etwa 700 von weltweit 3800 Investmentbanking-Jobs wegfallen, berichtet die US-Zeitung. Das Institut mit Sitz in Zürich hatte bereits nach dem Erwerb des US-Investmenthauses Donaldson, Lufkin & Jenrette vergangenes Jahr mehr als 2600 Stellen gestrichen. Allerdings sind die Gehälter und Bonus-Zahlungen bei CSFB bis heute noch ein größerer Kosten-Faktor als bei der Konkurrenz. Sie machten zuletzt etwa 58 % der geschäftsbezogenen Einnahmen aus, bei Morgan Stanley betrug der Anteil der Personalkosten dagegen nur 53 %, bei Goldman Sachs 48 %. Teuer dürfte bei Credit Suisse vor allem die Technologie-Gruppe unter dem - viele Millionen verdienenden - Frank Quattrone sein. Sie hat nach dem Platzen der Blase drastische Umsatzeinbußen erlitten. Chef der CSFB ist seit Juli der "Mack the Knife (Mack, das Messer)" genannte John Mack, der von Morgan Stanley gewechselt ist und dort bereits eine rigorosen Personalpolitik vertrat.

Personalberater erwarten, dass die übrigen Banken bald folgen werden. "Nach dem Schock gehen die Firmen jetzt wieder zum Tagesgeschäft über", glaubt Geschäftspartner Mike Franzino von der Headhunting- Firma Heidrick & Struggles aus New York, "bald dürften noch mehr Stellen wegfallen." Auch bei Bear Stearns werden in den nächsten Tagen Stellen-Kürzungen erwartet. Andere wollen mit weiteren Entlassungen noch bis zum Jahresende warten. Vor der Attacke hatten die Investmentbanken insgesamt bereits 25 000 Stellen gekürzt.

"Jeder plant derzeit das Budget für das nächste Jahr", sagte Wertpapieranalyst Guy Moszkowski von der Investmentbank Salomon Smith Barney, "das Geschäftsvolumen in den Jahren 1999 und 2000 hat überall zu einem Personalstand geführt, wie ihn jetzt keiner mehr rechtfertigen kann". Personalberater Peter Davis von der Consultingfirma Cambridge Group in Manhattan sieht es ähnlich: "Die Investmentbanken haben zu viele Leute angeheuert, sie zu hoch bezahlt und zu schnell befördert." Schon vor der Terror-Attacke waren die Einnahmen der Investmentbanken vor allem im lukrativen Fusions-Geschäft und bei der Betreuung von Börsengängen drastisch zurückgegangen. Die Situation hat sich seither noch weiter verschlechtert.

Tiefe Gehaltseinschnitte bei Investmentbankern

Für das im August abgelaufene Geschäftsquartal meldete die Investmentbank Goldman Sachs einen - gegenüber dem Vorjahreszeitraum - um 43 % eingebrochenen Quartalsgewinn, Bear Stearns 25 %, Morgan Stanley 41 % und Lehman Brothers 32 %. Lehman Brothers hatte im zweiten Quartal noch ein Ergebnis-Zuwachs erzielt und sein Personal in diesem Jahr um 17% erhöht. Jetzt gibt es weit weniger zu verteilen: Die Einnahmen sind um ein Zehntel geschrumpft.

Eine Kürzung der Bonusse ist für viele Wall Street Firmen noch der sanftere Weg, um Personalkosten anzupassen. Experten rechnen mit einem Rückgang der - an die Ergebnisse geknüpften - Sonderzahlungen um 50 %. Bei kleineren Firmen dürfen die Kürzungen noch drastischer ausfallen. Das bedeutet für die meisten Investmentbanker tiefe Gehaltseinschnitte. Nach Einschätzung von Personalberaterin Joan Zimmerman von der Headhunting-Firma G.Z. Stephens beziehen Banker mit einem - durchaus üblichen - Jahreseinkommen von etwa 1 Mill. $ rund 850 000 $ aus Bonussen, das feste Gehalt beträgt lediglich 150 000 $. Die Bankvorstände müssen sich ebenfalls mit deutlich weniger zufrieden geben. Goldman Sachs Chef Henry Paulson etwa hatte in 1999 inklusive der Bonusse noch 25,5 Mill.$ verdient. In diesem Jahr kann er zu seinem Grundgehalt von 600 000 $ allenfalls 7 Mill. $ hinzufügen. In seinem Fall trifft es keinen Armen, doch die vielen Jung-Banker, die gerade erst angefangen hatten und jetzt entweder drastische Einbußen erleiden oder auf der Straße stehen, haben heute weit schlechtere Chancen als in einer ähnlich schwachen Periode zu Beginn der 90-er Jahre. Personalberaterin Zimmerman meint: "Damals gab es noch so viele Konkurrenzfirmen, dass jeder irgendwann einen neuen Arbeitgeber fand, inzwischen hat es hier so viele Fusionen gegeben, dass die Banker kaum noch Alternativen haben, wenn sie sich anderswo bewerben müssen."

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