Archiv
Boo Hoo!

Seit einer Woche wissen wir die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit. Ist nämlich alles Lüge mit den Geschichten von Missmanagement und Verschwendungssucht in der gebeutelten Dot.com-Welt. Wer es nicht glaubt, muss das Buch von Boo-Mitbegründer Ernst Malmsten lesen (Titel "Boo Hoo").

Der Jungmanager mit der Hornbrille muss es wissen, schließlich war der Online-Klamottenladen seine Geschäftsidee. Und die war so heiß, dass die Firma innerhalb von 18 Monaten mal eben umgerechnet 220 Millionen Mark verbrannt hat. Dann war das schöne Geld der Anleger weg, für immer. Boo Hoo!

So etwas ist ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern. Doch was Malmsten und seine Geschäftspartnerin, das Fotomodell Kajsa Leander, seit ihrer Pleite wirklich gewurmt hat, ist, dass das Duo seitdem als trauriges Beispiel für absolutes Fehlmanagement galt. Pleiten, Pech und Pannen - und vor allem Party, Party, Party. "Wissen die noch, was sie tun?", hatte zum Ende der Internetfirma ein Banker gestöhnt. Jetzt gibt es endlich die Antwort. "Nach dem traumhaften Luxus eines Learjet 35 war die Concorde doch ein bißchen eng", bittet Malmsten im Buch um Verständnis für die satten Spesenrechnungen. Boo Hoo!

Immerhin: Die Spaßgesellschaft hat den Humor nicht verloren. So lässt es sich Gründer Malmsten nicht nehmen, süffisant mit allen abzurechnen, die das kurze Leben von Boo.com begleitet haben. Ja, es war schon eine kuriose und hektische Zeit. Als eine englische Zeitung im Mai 1999 das Unternehmen mit 125 Millionen $ bewertet habe, sei die Firma zu dem Zeitpunkt eigentlich nur die Hälfte wert gewesen, merkt Malmsten an. Eine Nachrichtenagentur verwechselte dann noch Dollars mit Pfund Sterling - und am Abend sei Boo.com (wieder zurückgerechnet) auf dem Ticker plötzlich 200 Millionen Dollar wert gewesen. Was haben wir gelacht. Boo Hoo!

Vor allem solle das Buch aber den Mythos, der um die Firma aufgebaut worden sei, entzaubern, hat der Skandinavier Malmsten erklärt. Sie hätten nämlich gar keine Fernseher aus geschlossenen Hotelfenstern geschmissen. Und sie seien nur einmal mit der Concorde geflogen (ist ja auch so eng). Alles Lüge, nichts als Lüge - auch diese Geschichten über 40 Bodygards. Wo es doch nur zwölf waren! All das, es musste einfach mal aufgeschrieben werden. Oder? Boo Hoo!

Schreiben Sie dem Autor: a.hoffbauer@vhb.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%