Boom am Terminmarkt – Aktienhandel schwach
Deutsche Börse erzielt einen Rekordgewinn

Die Deutsche Börse AG hat 2002 Jahr trotz des Kurseinbruchs am Aktienmarkt ein Rekordergebnis erreicht. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg um 26 % auf 351,2 Mill. Euro. Der Umsatz wuchs laut vorläufigen Zahlen, die am Dienstag nach Börsenschluss veröffentlicht wurden, sogar um 54 % auf 1,2 Mrd. Euro.

pot FRANKFURT/M. Neben dem Boom an der Terminbörse Eurex schlägt sich hier in erster Linie die milliardenschwere Übernahme des Abwicklers Clearstream Mitte 2002 nieder. Dadurch wurde die Flaute im Aktienhandel mehr als ausgeglichen. "Wir profitieren von unserem diversifizierten Geschäftsmodell", sagte Finanzvorstand Mathias Hlubek.

Eine Überraschung waren die Zahlen nicht mehr, nachdem die Börse erst vor wenigen Tagen eine Spannbreite von 350 bis 355 Mill. Euro beim Ebit prognostiziert hatte. Auch der Gewinn im vierten Quartal entsprach mit 95,9 Mill. Euro den Erwartungen. Mit ihren robusten Erträgen hebt sich die Börse, die seit Weihnachten im Deutschen Aktienindex (Dax) enthalten ist, von vielen Banken ab, die unter teilweise heftigen Gewinneinbrüchen leiden. Daher kann es sich der Konzern leisten, die Dividende um 22 % auf 0,44 Euro je Aktie anzuheben.

Den größten Gewinnanteil lieferte wie bereits im Vorjahr die weltweit führende Derivatebörse Eurex, deren Vorsteuergewinn um fast 60 % auf 158 Mill. Euro sprang. Dagegen brach der Gewinn der der Xetra-Sparte ein, in der das Kassamarktgeschäft auf dem elektronischen Handelssystem Xetra und dem Frankfurter Parkett gebündelt sind. Der Gewinn verringerte sich hier um mehr als die Hälfte auf 17,4 Mill. Euro. Im vierten Quartal verbuchte Xetra sogar nur noch einen symbolischen Überschuss von 0,1 Mill. Euro. Neben einem Rückgang des Parkett-Handels schlugen nach Angaben eines Börsensprechers vor allem die Kosten für die Einführung des so genannten "zentralen Kontrahenten" zu Buche, der ab Ende März die Abwicklung von Aktiengeschäften erleichtern soll.

Der Wertpapierabwickler Clearstream, der seit Juli voll konsolidiert wird, steuerte 86,4 Mill. Euro zum Konzernergebnis bei. Die Börse hatte im Frühling 2002 für 1, 7 Mrd. Euro jene 50 % an Clearstream gekauft, die ihr noch nicht gehörten. Mit der Übernahme erweiterten die Frankfurter ihre Wertschöpfungskette, die nun neben dem Handel mit Wertpapieren auf Xetra oder der Eurex auch die Abwicklung der Geschäfte umfasst. Die übrigen Konzernsparten entwickelten sich gegenläufig. Während sich der Gewinn aus dem Vertrieb von Finanzinformationen (Information Products) auf 34 Mill. Euro verdoppelte, verbuchte die IT-Sparte einen Gewinnrückgang auf 53 Mill. Euro.

Eine Ertragsprognose für das laufende Jahr gab die Börse gestern erwartungsgemäß nicht ab. Nach früheren Angaben geht das Unternehmen von von einem Gewinn von 440 bis 460 Mill. Euro und einem Umsatz von bis zu 1,7 Mrd. Euro aus.

Analysten zeigten sich von den Zahlen angetan. "Das Ergebnis war sehr gut", sagt Heiko Frantzen, Analyst bei Sal Oppenheim. Wie seine Kollegen wartet er nun vor allem darauf, dass die Börse ihre Pläne zum Aufbau einer Derivatebörse in den USA konkretisiert. Die Allianz mit dem bisherigen US-Partner Chicago Board of Trade läuft Ende des Jahres aus. Heute wird die Börse zudem eine kleinere Kooperation mit der Börse in Budapest bekannt geben. Finanzkreise vermuten, dass den ungarischen Marktteilnehmern der Handel auf Xetra erleichtert werden soll.

Quelle: Handelsblatt

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