Boom bei den Gründungen von Niederlassungen deutscher Firmen
Schweizer Wirtschaftsförderer bedanken sich bei der Bundesregierung

Seit SPD und Grüne in Berlin regieren, zieht es deutsche Unternehmen in die Schweiz. So jedenfalls lassen sich die Zahlen der Handelskammer Deutschland-Schweiz in Zürich auslegen. Nach dem Wahlsieg des Duos Schröder/Fischer 1998 setzte die erste Zuzugswelle ein: Bis einschließlich März 1999 kamen mehr deutsche Firmen in das südliche Nachbarland als in den vorangegangenen fünf Jahren zusammen.

GENF. Die Bestätigung der Politik von SPD und Grünen durch den Wähler 2002 verschärfte den Trend: Im vierten Quartal 2002 und im ersten Quartal 2003 schlugen noch einmal doppelt so viele Deutsche ihre Zelte in der Eidgenossenschaft auf wie nach dem ersten Erfolg Schröders.

"Allerdings handelt es sich bei den Zahlen um die Gründung von Niederlassungen in der Schweiz und nicht um Verlagerungen des gesamten Betriebs", sagt Jörg Clauss, Leiter der Rechts- und Steuerabteilung der Handelskammer. "Doch kann es natürlich der erste Schritt sein: Erst schaut man, welche Vorteile die Schweiz gegenüber Deutschland bietet, dann bleibt man hier."

Einer der Flecken in der Zentralschweiz, die Unternehmer bevorzugen, ist Zug. "Ganze Betriebsverlagerungen oder die Errichtung von Zweigstellen - beides hält sich bei uns etwa die Waage", sagt Guido Bulgheroni, der Vize-Chef der Wirtschaftsförderung in Zug. Pionier in der Region war der Metro-Patriarch Otto Beisheim, der mit seiner Holding nach Zug gezogen ist. Auch die BASF hat am malerischen Zuger See eine Niederlassung aufgezogen, und Siemens ist inzwischen der größte Arbeitgeber im Kanton.

Deutsche fühlen sich im unternehmerfreundlicheren Klima der Eidgenossenschaft offenbar wohl. "Unternehmer genießen hier große Freiheiten", sagt Martin Theurer, der Direktor der Handelskammer. Belege für seine These findet Theurer schnell: In der Schweiz braucht der Arbeitgeber nichts in die Krankenversicherung seiner Angestellten zahlen. Die Lohnnebenkosten fallen also niedriger aus. In der Schweiz kennt man keinen ausgeklügelten Kündigungsschutz wie in Deutschland. "Da stellen die Unternehmer doch auch mehr Leute ein, das versteht bei uns jeder", sagt Theurer.

Auch die Gewerkschaften können hier kaum so auftrumpfen wie in Deutschland. Eine gesetzliche Mitbestimmung gibt es in der Schweiz auf keiner Ebene. Und: "Unsere Unternehmen werden nicht in die Zwangsjacke von Flächentarifverträgen und Allgemeinverbindlichkeit gesteckt", betont Theurer. Den Lohn handeln die Parteien in den Betrieben aus.

Der liberale Geist weht auch durch die Steuergesetze. Zwar bezahlt in der Schweiz natürlich auch jeder seine Abgaben, das System ist aber einfacher: Eine Gewerbesteuer etwa ist unbekannt. Und die Steuerlast drückt nicht so heftig. Dafür sorgen die Behörden. Dort können die Unternehmer individuell mit den Vertretern der staatlichen Gewalt über ihre Steuern reden. Fristen, Termine und die Höhe werden oft flexibel geregelt.

Schließlich versteht in der Schweiz jeder Deutsch. "Das ist natürlich ein klares Plus", wirbt Kammer-Präsident Theurer. "Die Kultur ist sehr ähnlich, die Schweiz liegt direkt um die Ecke, und sie ist auch noch ein schönes Land."

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