Boom bei Online-Reiseplaner
Mit dem Web auf großer Tour

Europas Internet-Routenplaner erfreuen sich Zuwachsraten im dreistelligen Prozentbereich. Doch erst eine Koppelung mit Navigationssystemen und Mobilfunk verspricht auch ordentliche Erträge.

DÜSSELDORF. Tom Ewing ist schlicht begeistert: "Wenn sie nach einem neuen 'Google' suchen - das ist der richtige Platz, um damit anzufangen", schwärmt der Analyst beim Marktforscher Nielsen Netrating über Routenplaner im Internet. Rund sieben Millionen Europäer planen nach Schätzung der Marktforscher mittlerweile ihre Reisen online - ein Zuwachs um 300 Prozent in zwölf Monaten. Die Zahl der Einzelnutzer stieg von 2,5 Millionen im Oktober 2001 auf 7,1 Millionen im Juli 2002.

Noch ist der Markt in viele lokale Seiten zersplittert, sagt Ewing. Aber ein europaweiter Anbieter könnte seiner Meinung nach den legendären Erfolg der Suchmaschine Google wiederholen. Die hatte als Spätstarter dank überlegener Geschäftsstrategie den gesamten etablierten Suchmaschinenmarkt aufgerollt.

In Deutschland rangiert Falk.de, Internet-Ableger des bekannten Kartenverlags Falk, mit 1,25 Millionen Besuchern auf Platz 2 der Reiseseiten, nur geschlagen von den Seiten der Deutschen Bahn. Der reine Onlineanbieter map24.com erreicht mit 824 000 Nutzern Rang 5. Stadtplan.net erreicht noch 680 000 Reisende. Die starken Wachstumsraten im Internet hinterlassen bei Unternehmen wie Falk allerdings auch gemischte Gefühle. Die Zeiten, in denen verzweifelte Autofahrer nachts an der Tankstelle noch schnell einen der Falk-Pläne gekauft haben, sind vorbei. Heute liegt der Web-Ausdruck der Fahrtroute auf dem Beifahrersitz.

Und am Horizont drohen GPS-Navigationssysteme als Massenprodukte. Noch haben sie erst rund vier Prozent der Autos, sagt Frank Mair, Chef der Stuttgarter Falk New Media. Bei den Neuzulassungen seien es aber schon bis zu 70 %, je nach Wagenklasse.

Um im umkämpften Kartenmarkt überleben zu können, fährt Falk mehrgleisig. Neben dem klassischen Geschäft bietet der Verlag - wie bei der Konkurrenz auch - kostenlose Routenplanung im Web an. Gebühren sind derzeit kein Thema in der Branche, dafür ist der Wettbewerb zu hart. Nur Spezialangebote wie City-Pläne für den Download auf einen PDA sind bei Falk kostenpflichtig. Die Mitarbeiter bei Falk New Media basteln aber auch fieberhaft an Möglichkeiten, reiserelevante Zusatzinformationen über die Navigationssysteme in die Fahrzeuge zu liefern. Das wird die dritte Säule des Geschäfts. Adressen von Restaurants, Hotels oder Eisdielen - alles sollen Falk-Systeme liefern. Und wer sich für ein Angebot entschieden hat, soll mittels Auto-Navigator auch online reservieren können. Das, so die Hoffnung, kann Falk sich dann auch bezahlen lassen.

Noch verdienen die Stuttgarter damit aber kein Geld. "Die Ersterhebung der Daten kostete viel Geld", begründet Frank Mair rote Zahlen. "Werbung zur Finanzierung wäre technisch möglich - wird aber von den Autoherstellern nicht gewünscht." Denn alles, was den Fahrer vom Straßenverkehr ablenken könnte, ist mit Vorsicht zu genießen. Der multimedialen Kommunikation im Auto sind Grenzen gesetzt, sagt auch Joachim Siedler vom Navigations-Spezialisten Blaupunkt.

Manche Telekom-Experten sehen Auswege aus dem Dilemma - die allerdings die Pläne der Anbieter von Navigationssystemen durchkreuzen könnten. Cathy Dobson, Geschäftsführerin des Düsseldorfer Telekom-Beraters Spectrum Strategy, glaubt etwa, dass im Mobilitätsbereich die Entwicklung der so genannten Wireless-Lan-Hotspots - also schneller drahtloser Internetzugänge für Laptop und PDA - unterschätzt wird. Über diese Zugänge findet auch die kostenlose Web-Konkurrenz wieder den Weg ins Fahrzeug, wenn dieses im Bereich eines solchen Hotspots ist. Betreiber von Hotspots werden den Mobilitätsmarkt schnell entdecken, sagt die Managerin voraus.

Stadtpläne, ortsgebundene Reiseführer und Serviceangebote werden den Weg auf die Eingangsseiten finden. "Wenn ich Baedecker oder Marco Polo heißen würde", sagt Cathy Dobson, "würde ich mir diesen Markt sehr genau anschauen." Wenn man Falk heißt, wahrscheinlich auch.

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