Boomthema „Green IT“ in Davos: Klimakiller Computer

Boomthema „Green IT“ in Davos
Klimakiller Computer

Für die meisten Manager, unabhängig von der Branche, ist es immer noch ein ungewohntes und häufig auch unbequemes Thema: Informationstechnologie (IT) und Umweltverschmutzung. Das wundert nicht, schließlich stand gerade die IT jahrelang in dem Ruf, eine saubere Technologie zu sein. Doch Computer wird zum Klimakiller und damit zu einem Sorgenkind. Auch in Davos.

Zwar sucht man im Programm des World Economic Forum (WEF) vergeblich nach einer Veranstaltung, die sich direkt mit der sogenannten "Green IT" auseinandersetzt. Das verwundert. Schließlich erwarten Experten von Firmen wie SAP, dass das Thema um die grünen Rechner nicht zuletzt aus den USA schon bald mit voller Macht über den Atlantik nach Europa schwappen wird.

Doch wer zwischen den Zeilen des WEF-Programms liest, merkt schnell: Indirekt schleicht sich das Modethema doch in die eine oder andere Veranstaltung in Davos ein. So etwa bei der Debatte um "grüne Arbeitsplätze", oder bei der Diskussion um die Möglichkeiten, die Teamarbeit mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel zu fördern, ohne gleich das Reisebudget und damit auch die Emissionsvorgaben des Kyoto-Protokolls zu sprengen.

Die Zahlen hinter dem Boomthema "Green IT" sind jedenfalls eindrucksvoll. Experten schätzen, dass der Betrieb von Computern und Netzwerken weltweit ähnlich hohe Kohlendioxidemissionen verursacht wie der weltweite Luftverkehr. Firmen wie Google suchen die Standorte für die gigantischen Rechnerfarmen längst nach Kriterien wie Zugang zu Wasser (Kühlung) und Energie aus.

Doch das scheint noch die Ausnahme zu sein. Meistens spielen solche Faktoren bei der Anschaffung neuer IT nur eine untergeordnete Rolle. Das IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Experton hat jüngst in einer Umfrage herausgefunden, dass lediglich sieben Prozent der deutschen IT-Entscheider überhaupt den Energieverbrauch der eigenen IT kennen. Doch das Bild wandelt sich allmählich, vor allem im Ausland. Nach Erhebungen der Marktforscher von Forrester Research bei amerikanischen und europäischen Unternehmen achten mittlerweile 38 Prozent der Firmen beim Kauf ihrer IT auf Umweltkriterien. Ein Jahr zuvor waren es erst 25 Prozent gewesen.

Der Haken bei der Sache: Die grüne IT wird nicht etwa aus Rücksichtnahme vor unserem blauen Planeten angeschafft. Vielmehr sind es die versprochenen Kostenersparnisse, die die Unternehmen locken. Die Motivation dürfte den Technologiemanagern am Ende egal sein - solange die Verkaufszahlen stimmen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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