Booxtra übernimmt das Kerngeschäft
Internet-Händler Mediantis gibt auf

Booxtra will den Online-Buchladen "buecher.de" weiterführen. Bis spätestens Ende des nächsten Jahres soll Mediantis komplett abgewickelt werden.

dpa MÜNCHEN. Der defizitäre Online-Buchhändler mediantis gibt auf. Das Kerngeschäft mit der Marke buecher.de werde für fünf bis sieben Millionen DM an den Konkurrenten Booxtra verkauft, sagte Mediantis-Chef Georg Heusgen am Freitag in München. Das Geschäftsmodell sei gescheitert. Nach dem Verkauf der restlichen operativen Tätigkeiten sei eine Liquidation der Gesellschaft ebenso möglich wie der Verkauf des Börsenmantels an einen Investor. Es sei kaum möglich, Online-Buchhandel in Deutschland profitabel zu führen. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) begrüßte die mediantis-Entscheidung.

Damit beginnt die seit langem erwartete Konsolidierung im deutschen Online-Buchhandel, der derzeit vom US-Konzern Amazon angeführt wird. "Wir sind mit viel Optimismus gestartet und haben an unsere Ziele geglaubt", sagte Heusgen. Jetzt müsse der Vorstand einräumen: "Es kommt viel weniger Geld raus, als vorher eingesammelt wurde." Mediantis hatte beim Börsengang zwei Millionen neue Aktien zu einem Ausgabepreis von 19 Euro herausgegeben und so 38 Millionen Euro erhalten. Die liquiden Mittel beliefen sich Ende Juni noch auf etwa 11,6 Millionen Euro. Der Mediantis-Aktienkurs stieg am Freitag zwischenzeitlich um 27 Prozent auf 1,33 Euro.

Booxtra übernimmt keine Mediantis-Mitarbeiter

Der Online-Laden buecher.de werde von Booxtra weitergeführt, betonte Heusgen. Die Mitarbeiter würden allerdings nicht übernommen. Auch die Schweizer Tochtergesellschaft von mediantis und das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB) sollen verkauft werden. Booxtra ist laut früheren Angaben ein Gemeinschaftsunternehmen des Springer-Verlags, der Deutschen Telekom, des Holtzbrinck-Verlags und der Verlagsgruppe Weltbild.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) begrüßte den mediantis-Schritt. "Der Online-Handel war ohne Aussicht auf einen operativen Erfolg", sagte SdK-Vorstand Markus Straub. Die am Neuen Markt notierte Gesellschaft sei nun "ein leerer Börsenmantel mit Geld." Die SdK hatte bereits auf der Hauptversammlung der Mediantis AG (München) die Liquidation gefordert. Heusgen kritisierte die SdK erneut scharf: "Über so etwas redet man nicht." Die Vereinigung habe sich auf Kosten der Aktionäre öffentlich profiliert.

"In den letzten Monaten gab es de facto kein Wachstum"

Mediantis erzielte im ersten Halbjahr einen Verlust von 16 Millionen DM. Der Umsatz stieg schwächer als erwartet um 13 Prozent auf 19,2 Millionen DM. "In den letzten Monaten gab es de facto kein Wachstum", sagte Heusgen. Er deutete zudem an, dass die Umbenennung der Gesellschaft von buecher.de in Mediantis ein Fehler gewesen sei. Bis spätestens Ende des nächsten Jahres soll Mediantis nun komplett abgewickelt werden. Für die Schweizer Tochter gebe es bereits Interessenten. Die Aktionäre sollen entweder beim Verkauf des Mantels ein Übernahmeangebot erhalten oder bei der Liquidation eine Auszahlung der Barmittel.

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