Bordelle sind seit Sonntag legale Unternehmen
Prostitution wird in den Niederlanden zur Dienstleistung

Als erstes Land der Welt haben die Niederlande das Prostitutions-Verbot abgeschafft. Das so genannte älteste Gewerbe der Welt muss von nun an Steuern entrichten und das Arbeitsrecht einhalten.

afp DEN HAAG. Bordelle und Prostitution sind in den Niederlanden seit Sonntag legal. Die Niederlande sind damit das erste Land der Welt, das das Verbot der Prostitution abschafft. Mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes werden die Bordelle zu gewöhnlichen Unternehmen. In Zukunft haben sie auch dieselben Pflichten wie herkömmliche Firmen und müssen Steuern entrichten, Hygienevorschriften und das Arbeitsrecht befolgen. Die Aufhebung des 88 Jahre alten Verbots der Prostitution ruft vor allem bei protestantischen Gemeinden Zähnekirschen hervor. Denn aufgrund des neuen Gesetzes darf die Eröffnung eines Bordells nun nicht mehr aus moralischen Gründen verboten werden.

Besserer Zugang zur Krankenversicherung

Für ein Fünftel der niederländischen Städte, in denen die Prostitution bereits seit Jahren toleriert wird, ändert sich freilich nicht viel. Neu ist für die dort arbeitenden Prostituierten vor allem der leichtere Zugang zur Krankenversicherung. Auch Kontrollen der Aufsichtsbehörden sollen vom 1. Oktober an vereinfacht werden. "Die Bordellbesitzer und viele Prostituierte zahlen bereits Steuern. Das Gesetz hat also eher einen symbolischen Wert, indem es anerkennt, dass Prostitution ein Beruf wie jeder andere ist", sagt der Vorsitzende der einzigen Gewerkschaft niederländischer Huren "Roter Draht", Dick Lavina.

"Viele Länder haben ein moralisches Problem, in den Niederlanden ist die Haltung pragmatischer", sagt Jan Visser, Wissenschaftler der Graaf-Stiftung, die seit Jahren die Prostitution erforscht. Es sei illusorisch zu versuchen, die Prostitution zu unterdrücken. Deshalb müssten die Bedingungen für die Ausübenden - Männer wie Frauen - verbessert werden. Nach Angaben des Justizministeriums soll mit der Legalisierung der Prostitution auch der Kampf gegen Zwangsprostitution und die Ausbeutung von Kindern und Ausländern ohne Aufenthaltsgenehmigung verstärkt werden.

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