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Boris Becker kritisiert TennisprofisDPA-Datum: 2004-06-28 15:23:31

London (dpa) - Boris Becker hat das Auftreten einiger Tennisprofis in Wimbledon «als verpasste Chance» kritisiert und den deutschen Nachwuchsspielern kein gutes Zeugnis ausgestellt.

London (dpa) - Boris Becker hat das Auftreten einiger Tennisprofis in Wimbledon «als verpasste Chance» kritisiert und den deutschen Nachwuchsspielern kein gutes Zeugnis ausgestellt.

«Viele Jugendliche wollen sich auf dem Rücken des Deutschen Tennis Bundes ausruhen. Sie wollen die Hälfte des Coaches bezahlt und wie in Hamburg eine Wildcard haben. Aber sie müssen selbst investieren, dann verdienen sie später auch mehr», sagte der Rothenbaum-Chairman bei den 118. All England Championships, wo er für die BBC kommentiert.

Das frühe Aus der deutschen Daviscup-Spieler sei eine große Enttäuschung. Neben Pech wie bei Nicolas Kiefer, «bei dem es so aussah, als sei der Knoten geplatzt», sei es aber auch «eine Frage der Prioritäten. Ob es einem genügt, in Wimbledon dabei zu sein, oder ob man erfolgreich sein will», sagte er. Thomas Haas müsse sich beispielsweise fragen, ob es richtig war, erst am Sonntag vor Turnierbeginn nach London zu kommen.

«Sicher ist es verständlich, dass er bei der Hochzeit seiner Schwester dabei sein wollte. Aber wenn er an Nummer vier gesetzt gewesen wäre und um den Titel mitspielen wollte, hätte sie vielleicht nicht gerade am Samstag geheiratet», meinte Becker. «Tommy ist am Scheideweg. Er ist jetzt 25 und muss sich entscheiden, was er will. Vielleicht muss er auch was an seinem Umfeld ändern.»

Auch Rainer Schüttlers Entscheidung, zusätzlich zum Einzel im Doppel und Mixed zu spielen, kann Becker nicht nachvollziehen. «Manch einer merkt erst in Wimbledon, welche Chance er vergeben hat.» Für den 36-Jährigen war das Turnier an der Church Road stets der Höhepunkt des Tennis-Jahres, das er in drei Jahreszeiten aufgeteilt hatte: vor Wimbledon, in Wimbledon und nach Wimbledon.

«Ich fühle mich hier immer wieder wie zu Hause. Die einzigen schlechten Gedanken bekomme ich, wenn ich daran denke, wie viele Siege ich hier hätte mehr holen können.» Insgesamt vier Mal verlor der Leimener das Finale in seinem «Wohnzimmer», in dem er 1985 als jüngster Spieler von allen seinen ersten von drei Triumphen feierte.

Ein dickes Lob hatte Becker aber auch parat. Es galt dem alten Wimbledon-Hasen Alexander Popp und Debütant Florian Mayer. Vor allem der Youngster habe es ihm angetan. Nicht von ungefähr habe er ihn vor Jahren auch im Mercedes-Junior-Team haben wollen. Doch der selbstbewusste Bayreuther wollte zunächst sein Abitur machen und seinen eigenen Weg gehen. «In Ulf Fischer hat er einen hervorragenden Trainer; vielleicht den besten in Deutschland», sagte Becker. Ansonsten fehle es in Deutschland aber an Weltklassetrainern.

Das größte Plus des 20-Jährigen Mayer sei: «Er hat keine Angst zu gewinnen.» Rasen-Experte Popp hat diese Eigenschaft dagegen nur auf Gras - auf anderen Belägen sei sie ihm schon lange abhanden gekommen. «Warum? Ich weiß es nicht; da bin ich überfragt. Dabei ist er eigentlich doch ein Spieler, der mit Druck gut umgehen kann.»

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