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Borussia-Dortmund-Aktionäre enttäuscht

Mit scharfen Worten haben Kleinaktionäre bei der Hauptversammlung des börsennotierten Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund die Geschäftsführung kritisiert und zum Rücktritt aufgefordert.

dpa DORTMUND. Mit scharfen Worten haben Kleinaktionäre bei der Hauptversammlung des börsennotierten Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund die Geschäftsführung kritisiert und zum Rücktritt aufgefordert.

"Vier Jahre nach dem Börsengang ist der absolute sportliche und wirtschaftliche Tiefpunkt erreicht", sagte Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vor rund 1 700 Anteilseignern in Dortmund. Unter großem Beifall wurden die beiden Geschäftsführer Gerd Niebaum und Michael Meier von zahlreichen enttäuschten Rednern zum Rücktritt aufgefordert.

Zuvor hatte Niebaum in einer Rede um Vertrauen für die Sanierung des angeschlagenen Fußball-Unternehmens geworben. "Ich werde dafür kämpfen, dass der neue Vereinspräsident wieder bessere Zeiten mit Borussia Dortmund erlebt", sagte er. Am 14. November hatte Niebaum nach 18-jähriger Tätigkeit als Vereinspräsident sein Amt an Reinhard Rauball abgegeben. Sein Amt als Geschäftsführer der börsennotierten Borussia Dortmund Gmbh & Co. Kgaa behielt Niebaum jedoch.

In seiner zeitweise von Pfiffen und Schmährufen unterbrochenen Rede versprach Niebaum, seiner "Verantwortung nachzukommen". Er hafte für die Verpflichtung, "Borussia Dortmund aus dieser Situation herauszuführen". Er garantiere, dass Meier und er "alles dafür geben werden, die Situation zu meistern".

Der größte Anteilseigner des Clubs, der Finanzinvestor Florian Homm, übte massive Kritik am Management der vergangenen zwei Jahre, sprach der Geschäftsführung jedoch sein Vertrauen aus. "Die geben ihre Fehler zu und sind offen für Impulse." Die Wende sei im Gang, die Weichen seien gut gestellt. "Ich schließe mich der allgemeinen Mobbing-Strategie nicht an, weil ich glaube, dass trotz der schwachen Zahlen das Know-how und der Ehrgeiz besteht, den Karren aus dem Dreck zu ziehen." Sein Fazit lautete: "Das Glas ist halb voll und nicht halb leer."

Der umstrittene Fondsmanager hält knapp 26 Prozent der Anteile. Zweitgrößter Aktionär ist der Verein Borussia Dortmund mit knapp 20 Prozent. Der Rest ist in Streubesitz. Den angeschlagenen Club drücken neben sportlichen Sorgen auch Schulden von knapp 119 Mill. Euro. Bei der Hauptversammlung stellten sich auch die zwei künftigen, von Homm durchgesetzten Aufsichtsräte Ruedi Baer und Othmar von Diemer vor. "Sie haben ein hervorragendes Produkt, das sehr viel Geld bringen kann", meinte von Diemer an die Anleger gewandt. Homm nannte die beiden "mega-sanierungserfahren".

Der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Stefan ten Doornkaat, kündigte einen Antrag auf eine Sonderprüfung an und forderte Geschäftsführung und Aufsichtsrat zum Rücktritt auf. "Machen Sie Platz für kompetentere Leute. Das sind sie den Fans und dem Verein schuldig." Wie ten Doornkaat forderten zahlreiche Redner die Hauptversammlung auf, Geschäftsführung und Aufsichtsrat nicht zu entlasten.

Anwesend waren die Eigner von 60 Prozent des Grundkapitals. Die Hauptversammlung erteilte am Ende der sieben Stunden langen Veranstaltung mit 90,01 Prozent der Stimmen der Geschäftsführung Entlastung. Der Aufsichtsrat wurde mit 89,9 Prozent der Stimmen entlastet.

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