Borussia präsentiert ihre erste Jahresbilanz nach dem Börsengang
Dortmunds Verluste nach Plan

Schon vor dem Samstag Nachmittag war Manager Michael Meier sich sicher: Neueinkauf Ewerthon lohnt sich. Dabei hatten Analysten schon wieder gemosert. Noch ein Millionentransfer, noch ein Brasilianer, muss das sein?

DORTMUND. Doch Meier verteidigte den Kauf und das ungewöhnliche Transfermodell: Für 3,4 Millionen Dollar hat sein Verein 50 Prozent der Transferrechte erworben. Daher brauchte Dortmund auch nur die Hälfte an Ablöse zahlen. "Das schont unsere Liquidität, aber seine Leistung steht uns schon zu Verfügung", sagte er dem Handelsblatt. Zudem könne man bis 2003 die restlichen Prozente erwerben oder aber selbst verkaufen. Das gleiche innovative Modell habe man schon beim Kauf von Dede praktiziert. Innovationen stehen dem BVB derzeit gut an. Denn morgen ist es soweit, dann wird die Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA ihre erste Bilanz nach ihrem Gang an die Börse vorlegen.

"Wir werden Verluste ausweisen", sagt der diplomierte Betriebswirt. Allerdings sei dies schon im Jahr 2000 angekündigt worden. Die IPO-Kosten in Höhe von 15 Millionen Mark seien in einem Jahr ohne internationale Spiele nur schwer aufzufangen. Zudem habe der BVB bewusst seinen Kader gehalten und verstärkt. "Wir haben hohe Abschreibungen durch die hohen Spielerwerte, immerhin haben wir während der Saison noch Rosicky und Sörensen geholt." Ob Dortmund im kommenden Geschäftsjahr Gewinne machen werde, wollte Meier nicht fest zusagen. Im Gegensatz zu seinem Präsidenten: Gerd Niebaum hatte im Juni - also noch vor dem Erreichen der Champions-League - gegenüber dem Handelsblatt angekündigt: "Selbst bei sofortigem Ausscheiden im Uefa-Cup werden wir in der Gewinnzone landen".

Meier kann sich strategische Beteiligung auch beim BVB vorstellen

Nach der Stärkung der Abteilung Attacke soll nun, so Meier, noch die Abwehr verstärkt werden: "Uns fehlt noch ein Mann in der Defensive. Außerdem muss sich noch eine echte Führungsfigur auf dem Platz herauskristallisieren, so wie Matthias Sammer früher." Der Kampf an der Tabellenspitze werde dieses Jahr noch verbissener geführt, schließlich berechtigen nur die ersten drei Plätze zu einem Start in der Champions-League. Um wirtschaftlich und sportlich noch schlagkräftiger zu werden, kann sich Meier auch eine strategische Beteiligung a la Bayern-Adidas vorstellen: "Ich halte das nicht für ausgeschlossen, wenn der Preis stimmt. So würde es uns noch besser gelingen, ein Gegengewicht zu den Bayern zu bilden."

Das Angebot von Inter Mailand für Mittelfeld-Regisseur Tomas Rosicky abzulehnen, hat ihn keine schlaflosen Nächte gekostet, trotz der gigantischen Summe: Zum einen sieht der Manager bei Rosicky noch stille Reserven, sportlich wie finanziell. Zum anderen: "Wenn er jetzt 100 Millionen Mark wert ist, so wertet er durch sein Dasein auch die anderen Spieler auf." Zudem erhöhe sich bei sportlichen Erfolgen der Marktwert eines Kaders grundsätzlich. "Nach der EM 2000 und unserem schwachen Jahr in der Bundesliga hatte er um rund 50 Prozent an Wert verloren." Auch deshalb habe sich Dortmund beim Verkauf von Spielern zurückgehalten.

Gerling zahlte 20 Millionen Euro für BVB-Sportartikeltochter Goool

Meier räumte ein, dass sich in der diesjährigen Bilanz auch ein Einmal-Effekt positiv niederschlage. "Wir hatten außerordentliche Erträge durch den Verkauf der Namensrechte an den Marken Goool und Borussia-Park in Höhe von deutlich über 20 Millionen Euro." Wichtig ist Meier jedoch, dass "wir keine Substanz verkauft haben". Allein für die BVB-Sportartikeltochter Goool bezahlte der Kölner Versicherungskonzern Gerling 20 Millionen Euro. Im Gegenzug erhält Gerling jährlich zehn Prozent der Goool-Einnahmen, mindestens aber 7,35 Prozent des Kaufpreises.

Zufrieden zeigte sich der Manager mit dem Verkauf der Eintrittskarten, dem Ticketing: "Wir haben letztes Jahr Platz eins in der Bundesliga verteidigen können." Im Durchschnitt sahen wie schon in den Jahren zuvor 59 000 Zuschauer die Spiele, mit Hospitality und Presse sogar 63 000.

In dieser Saison will der BVB Unternehmen aus fußballnahen Geschäftsfeldern kaufen. "Da wird in diesem Geschäftsjahr noch was kommen", verspricht Meier. Sehr gut laufe bisher das Merchandising, das gegen den allgemeinen Trend gestiegen ist. "In den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres, also von Juli bis September, haben wir erheblich mehr umgesetzt als ein Jahr zuvor."

An die BVB-Aktie glaubt Meier nach wie vor, trotz des derzeitigen Kurses von 5,80 Euro. "Dass sie Fantasie hat, hat sie bewiesen. Bei der Rosicky-Verpflichtung oder auch der Qualifikation für die Champions-League ist der Kurs jeweils stark gestiegen."

Vielleicht klettert sie ja wieder, wenn Ewerthon weiterhin so trifft wie am Samstag.

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