Boykott im Nahen Osten trifft US-Unternehmen
Zamzam statt Coca-Cola

Die arabische Welt und angrenzende moslemische Länder boykottieren amerikanische Produkte. Die US-Unternehmen bekommen dies durch sinkende Umsätze in der Region zu spüren.

NEW YORK. Die syrische Wirtin Majd Niyazi Tabbaa wurde im arabischen Raum über Nacht populär. Ihre Tat: Sie wies einen US-Diplomaten aus ihrem Lokal. "Mr. Roberto, richten Sie ihrem George Bush aus, dass Ihr hier nicht willkommen seid. Bitte verlassen Sie jetzt meine Bar." Roberto Powers, Konsul in Damaskus, musste sich wohl oder übel fügen.

Die Empörung über die proisraelische Haltung Washingtons hat im Mittleren Osten und in Nordafrika seit dem Ausbruch der Al-Aksa-Intifada im Herbst 2000 zum Boykott amerikanischer Produkte geführt. Mit dem drohenden Krieg im Irak haben die Boykott-Aufrufe zugenommen. Selbst Verbündete der USA wie Jordanien, Ägypten und Saudi-Arabien machen da keine Ausnahme.

Auf der schwarzen Liste stehen Marken, die mit dem "American way of life" identifiziert werden. Dazu gehören Coca-Cola, Fastfood-Ketten wie Burger King, McDonald?s und Pizza Hut ebenso wie die Coffee-Shops von Starbucks. Eine ägyptische Boykott-Kommission listet sogar das Waschmittel Ariel auf, da es nach dem israelischen Premier Ariel Sharon benannt und das Logo eine abgewandelte Form des Davidsterns sei. Erklärungen des Herstellers Procter & Gamble, dass es Ariel schon viel länger gebe als Sharon Premier sei und das Logo den Pfad eines Atoms darstelle, halfen nicht.

Scheich Yusef al-Karadawi, der einmal pro Woche über den Nachrichtensender Al Dschasira predigt, fordert die Gläubigen im Internet auf: "Boykottiert Amerika - von Pepsi bis Boeing."

Die Kaufkraft der 300 Millionen arabischen Konsumenten kann mit einem Boykott zwar keinen Zusammenbruch der US-Wirtschaft bewirken. Die amerikanischen Ausfuhren in den Mittleren Osten betragen rund 20 Mrd. $, also etwa 2,5 % der Exporte insgesamt. Und bei High-Tech-Produkten haben die Verbraucher kaum eine Wahl.

Aber die US-Unternehmen registrieren durchaus Einbrüche in der Region. In Saudi-Arabien fielen bei den Fast- Food-Läden von Burger King und Kentucky Fried Chicken die Umsätze um die Hälfte. Pepsi räumte bei der Vorlage der jüngstens Quartalsergebnisse ein, dass das Geschäft in den arabischen Ländern von dem Boykott "zu einem gewissen Grad" betroffen ist. "Aber das ist schwankend", erklärt Pepsi-Sprecher Charles Nicholas.

Diese Erfahrung hat auch Coca-Cola gemacht. Während der Hochphasen des Boykotts fiel der Umsatz der amerikanischen Ikone um 10 % . "Der Boykott kommt in Wellen", sagt der für die Region zuständige Sprecher Steve LeRoi.

McDonald?s will sich zu den Ausmaßen nicht äußern und weist darauf hin, dass alle Lokale im Nahen Osten von Einheimischen geführt werden. Von der jüngsten Ankündigung, sich aus drei Ländern zurückzuziehen, seien keine moslemischen Staaten betroffen.

Im Iran ist seit Anfang November die Werbung für amerikanische Produkte verboten. Der Boykott wird in der Regel allerdings nicht von Regierungen, sondern von Gewerkschaften, Bürgerkomitees oder Frauengruppen organisiert. Dabei werden zum Teil auch europäische Marken wie L'Oréal und Nestlé als "westlich" gemieden.

Lokale Produzenten profitieren von der Boykottstimmung: So exportierte etwa der iranische Softdrink-Hersteller Zamzam einst nur in den Irak und nach Afghanistan. Jetzt sind Zamzam-Dosen im ganzen arabischen Raum gefragt. Die Scheichs in Saudi-Arabien argumentieren, wer US-Getränke und Restaurants meide, fördere die lokale Wirtschaft. "Wir Araber sollen uns der ökonomischen Waffe besinnen", meinte kürzlich auch der libanesische Parlamentarier Zaher Khatib. Dazu gehörten auch der Rückzug arabischer Gelder von US-Banken und die Verwendung des Euros statt des Dollars bei Ölnotierungen.

Doch der wirtschaftliche Nutzen des Boykotts ist zweifelhaft. Denn die multinationalen Konzerne arbeiten in den Ländern vor allem mit Einheimischen. Coca-Cola-Sprecher LeRoi weist darauf hin, dass das Unternehmen vier Abfüllanlagen in Palästina hat, wo der Getränkehersteller mit lokalen Partnern mehr als 200 Menschen beschäftigt. Sein Fazit: "Es gibt eine Gruppe von Arabern, die uns mögen. Und das sind die Palästinenser."

Auch um die ganz Kleinen sorgt sich die moslemische Welt: Zu Beginn dieses Jahres brachte das iranische Erziehungsministerium eine islamische Variante zu amerikanischen Ken- und Barbiepuppen heraus, die den iranischen Spielzeugmarkt dominieren. Dara und Sara sollen die traditionellen Werte fördern und seien "strategische Produkte", heißt es in Teheran.

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