Boykottaufruf amerikanischer Waren im Internet
US-Wirtschaft in Sorge um Handelsbeziehungen zu China

US-Firmen sind nach dem Zusammenstoß zweier Militärflugzeuge über dem Südchinesischen Meer besorgt über eine Verschlechterung ihrer Handelsbeziehungen zu China. Der Vorsitzende der US-Handelskammer in Schanghai, Sydney Chang, sagte am Freitag, falls sich die Beziehungen beider Staaten weiter verschlechtern sollten, könne sich dies auch auf die US-Unternehmen in China auswirken.

Reuters PEKING. Bislang sei es aber nicht zu Beeinträchtigungen gekommen. China war im vergangenen Jahr mit einem Handelsvolumen von rund 75 Mrd. Dollar der viertgrößte Handelspartner der USA. Die USA waren im selben Zeitraum der zweitgrößte Handelspartner Chinas.

Der US-Automobil-Konzern General Motors informierte seine 100 Mitarbeiter in China schriftlich über den Konflikt und rief sie zur Vorsicht auf. Nach dem US-Bombardement der chinesischen Botschaft in Belgrad während des Kosovo-Krieges 1999 beschädigten Demonstranten Filialen der US-Schnellimbiss-Ketten McDonald's und Kentucky Fried Chicken in China. US-Firmen brachten Mitarbeiter zur ihrer Sicherheit außer Landes.

Auf dem beliebten chinesischen Internet-Portal Sina.com wurde ein Boykott-Aufruf für amerikanische Waren veröffentlicht. "Tut etwas und boykottiert amerikanische Produkte" war dort zu lesen. Bislang gab es aber nach Angaben ausländischer Geschäftsführer keine Anzeichen für einen organisierten Boykott. Dagegen befürchten sie, dass der Konflikt die Aufnahme Chinas in die Welthandelsorganisation (WTO) und die damit verbundene Öffnung des chinesischen Marktes verzögere.

Die Verärgerung in der chinesischen Bevölkerung über den Luftzwischenfall richtet sich indes gegen die US-Regierung nicht gegen die USA an sich. Man habe nichts gegen amerikanische Unternehmen, viele Menschen seien aber verärgert über das US-Militär, sagte ein chinesischer Mitarbeiter von McDonald's in der ostchinesischen Stadt Huzhou, der Heimat des seit dem Zwischenfall vermissten chinesischen Piloten.

Experten erwarten, dass die chinesische Regierung eine Verschlechterung ihrer internationalen Handelsbeziehungen und das damit verbundene Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vermeiden will. Paul Schymyck, Analyst von IDEA Global in Singapur, sagte, "einerseits will die sie (die Regierung) in der Öffentlichkeit ihr Gesicht wahren, andererseits die wirtschaftliche Entwicklung des Landes nicht gefährden".

Am Sonntag war ein US-Aufklärungsflugzeug mit einem chinesischen Jagdflugzeug über dem Südchinesischen Meer kollidiert. Die amerikanische Militärmaschine war daraufhin auf der chinesischen Insel Hainan notgelandet. Der chinesische Pilot des Kampfjets war mit dem Fallschirm abgesprungen und wird seither vermisst. US-Präsident George W. Bush bedauerte den vermutlichen Tod des chinesischen Piloten. China beharrt auf einer Entschuldigung der USA.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%